Beschreibung

vor 1 Tag

Thema: Leberabszess


Eiteransammlung in der Leber, meist als Folge einer anderen
Infektion. Klinisch oft unspezifisch und deshalb leicht zu
übersehen.





️ Wann daran denken?


Bei:


• Fieber


• reduziertem Allgemeinzustand


• erhöhten Entzündungszeichen ohne klare Ursache





Besonders wichtig bei Hinweisen auf:


• biliäre Infektion / Cholangitis


• intraabdominellen Infekt


• Sepsis





Ursachen und Erreger


Am häufigsten: pyogener, bakterieller Leberabszess


Typische Entstehungswege:


• aszendierende Cholangitis


• hämatogene Streuung über die Pfortader, z. B. bei Appendizitis
oder perforierter Sigmadivertikulitis





Seltener:


• Pilzinfektionen


• Amöbenabszess bei passender Reiseanamnese oder Herkunft aus
Endemiegebieten





Wichtig:


• häufig polymikrobiell


• typisch sind gramnegative Erreger und Anaerobier aus dem
GI-Trakt





️ Klinik


Leitsymptom:


• Fieber





Häufig zusätzlich:


• Leistungsknick


• schlechter Allgemeinzustand


• Schüttelfrost


• rechtsseitige Oberbauchschmerzen, aber nicht obligat





Merke:


Fehlende Oberbauchschmerzen schließen einen Leberabszess nicht
aus.





Diagnostik


Labor:


• CRP erhöht


• Leukozytose


• ggf. erhöhte Cholestaseparameter oder Transaminasen


• mögliche Hypalbuminämie





Mikrobiologie:


• Blutkulturen möglichst vor Antibiotikagabe


• mehrere Blutkulturpaare abnehmen





️ Bildgebung


Erste Wahl:


• Sonografie





Typische Befunde:


• echoarme, unregelmäßig begrenzte Läsion


• ggf. Gaseinschlüsse





Bei unklarem Befund oder zur Interventionsplanung:


• CT mit hypodensem Areal, randständiger Kontrastmittelaufnahme,
perifokalem Ödem





Therapie: zwei Säulen


1. Antibiotika


2. Drainage





Ganz zentral:


Ein Leberabszess ist meist nicht nur ein Antibiotika-Fall,
sondern auch ein Drainage-Fall.





Kalkulierte Antibiotikatherapie


Typische Optionen:


• Ampicillin/Sulbactam


• Ceftriaxon oder Cefotaxim plus Metronidazol





Bei nosokomialem Ursprung oder Resistenzrisiko:


• Piperacillin/Tazobactam


• Carbapenem





Danach:


• Deeskalation nach Blutkulturen, Punktat und Antibiogramm


• Therapiedauer oft mehrere Wochen, abhängig von Verlauf und
Fokussanierung





🩺 Drainage und Intervention


Standard:


• sonografisch oder CT-gesteuerte perkutane Drainage





Vorteile:


• Entlastung der Eiterhöhle


• Reduktion der bakteriellen Last


• Materialgewinn für mikrobiologische Diagnostik





Wichtig:


• Punktat inklusive anaerober Kultur untersuchen





Operatives Vorgehen bei:


• septierten / gekammerten Abszessen


• multifokalen Abszessen


• erfolgloser perkutaner Drainage


• zusätzlicher chirurgischer Ursache





Praktisch für den Alltag


Immer nach der Ursache suchen:


• Cholangitis?


• Gallenwegsverschluss?


• Appendizitis?


• Divertikulitis?


• anderer intraabdomineller Fokus?





Sepsis mitdenken:


• Hypotonie


• Tachykardie


• erhöhtes Laktat


• Organdysfunktion





Bei Immunsuppression:


• auch Pilze erwägen





Sonderfall Amöbenabszess


Denken an:


• Reiseanamnese


• Herkunft aus Endemiegebieten


• Hinweise auf Amöbenruhr





Therapie:


• Metronidazol


• anschließend meist luminale Eradikationstherapie





Die 3 wichtigsten Merkpunkte


• Leberabszess oft unspezifisch: Fieber ja, Oberbauchschmerz
nicht immer


• Sonografie ist meist die erste wegweisende Diagnostik


• Therapie in der Regel: Antibiotika plus Drainage





Verlaufskontrolle


Achten auf:


• Entfieberung


• Kreislaufstabilisierung


• sinkende Entzündungsparameter


• Rückgang der Abszesshöhle in der Bildgebung


• Funktion der Drainage





Bei fehlender Besserung prüfen:


• Drainage korrekt?


• weitere Abszesse?


• Kammerung?


• Erreger erfasst?


• Fokus ausreichend saniert?
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