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vor 4 Tagen
Olympia 2036? Nein! Oder doch? – Eine deutsche
Debatte
Ein Kommentar von Paul Clemente.
Olympiade in Deutschland. Entweder im Jahr 2036, 2040 oder 2044.
Will das jemand? Bislang galt Katar als aussichtsreicher
Kandidat. Aber inzwischen gilt das Land als zweifelhaft. Im
Iran-Krieg sollen nämlich Geschosse dort gelandet sein. Mit
anderen Worten: Es gilt als nicht ausreichend sicher. Eine
interessante Prognose: Man geht davon aus, dass der Iran-Krieg
sich noch locker zehn oder 14 Jahre ziehen könnte.
In Deutschland hatten sich gleich mehrere Städte als
Austragungsort beworben: Berlin, München,Hamburg und
Köln/Rhein-Ruhr. Das Konzept forderte, der Gastgeber solle keine
massiven Geister-Arenen bauen, sondern auf bestehende
Sportstätten und nachhaltige Infrastruktur setzen.
Hamburgs Einwohner wurden durch ein offizielles Referendum
befragt: Wollen wir Gastgeber sein? - Die Antwort: Nein, danke.
Was absolut nachvollziehbar ist. Denn: Welche Kosten fielen an!
Ob die Finanzkrise bis 2036 wieder behoben ist: Wer wagt das zu
garantieren?
Anders die Einwohner von München und Köln: Da hieß es: Her mit
dem Sport-Event! Berlin ging einen dritten Weg: Da wird die
Bevölkerung gar nicht erst gefragt. Stattdessen äußerte sich der
sportliche Bundespräsident Frank Walter Steinmeier. Zu Beginn des
Jahres erklärte er dem „Spiegel“: Das Jahr 2036 sei historisch
problematisch. Vor allem Berlin. Denn genau hundert Jahre zuvor
habe das nationalsozialistische Deutschland die Olympischen
Sommerspiele ausgetragen und als Propagandaveranstaltung
missbraucht.
Das mit dem Missbrauch stimmt. Die Olympiade 1936 offerierte dem
NS-Regime, sich als friedlich und weltoffen zu präsentieren. Die
Aufrüstung zum kommenden Krieg, die schleichende, aber
unerbittliche Entrechtung von Juden, die Inhaftierung der
Opposition: Nichts davon sollte das Stadtbild spiegeln. Wie sehr
die Olympiade ein sportiver Reichsparteitag war, zeigte
Propagandaminister Goebbels: Der beauftragte die gleiche
Regisseurin für den Mitschnitt, die zwei Jahre zuvor den
Nürnberger Reichsparteitag auf Zelluloid gebannt hatte: Leni
Riefenstahl.
Im Kino sollte das Spektakel jene erreichen, die live nicht dabei
waren. Titel des Zweiteilers: „Olympia“. Untertitel des ersten
Teils „Fest der Völker“.
Wie gesagt: Die Olympiade 1936 wurde als Friedensfest verkauft,
während im Stillen die Rüstung auf Hochtouren lief.
Ironischerweise offeriert sich hier eine Parallele zur Gegenwart:
Hatte Steinmeier im vorherigen Jahr doch militärische Aufrüstung
und die Stärkung der Bundeswehr als dringlichste und wichtigste
Aufgabe der deutschen Regierung postuliert.
Allerdings war der Standpunkt des Bundespräsidenten nicht
unumstritten. Auf digitalen Plattformen outete sich mancher User
als Befürworter einer Berliner Olympiade. Ein Argument: War
Berlin bei der Fußball-Weltmeisterschaft von 2006 nicht ein
toller Gastgeber? Ein wahrer Mythos, ein „Sommermärchen“ entstand
damals: Sonnendurchflutete Tage und Nächte in Partystimmung. Und
deutsche Fans schwenkten tatsächlich schwarzrotgoldene
Papierfähnchen. bei gleichzeitiger Weltoffenheit. Ein Fest der
Freude und der Mitfreude. Oder?
Genau solche Verklärung wollte die „Augsburger Allgemeine“und die
„Mainpost“ nicht stehen lassen. Dazu hatte der Autor einen
Soziologen aufgegabelt, der diese Weltmeisterschaft als
Verhängnis kritisiert. Der Artikel beginnt mit einer Frage: „Ist
der heutige Erfolg der AfD auch ein Vermächtnis der WM 2006?“
Nein, bitte nicht lachen. Schließlich verpflichtet die deutsche
Geschichte zu einem vorsichtigen, gedämpften Umgang mit
nationalen Symbolen. Genau da habe die WM 06 einen Dammbruch
ausgelöst.
...https://apolut.net/olympia-2036-steinmeiers-hindernislauf-von-paul-clemente/
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