Beschreibung
vor 1 Woche
Mit Moritz Völker gab es bereits eine Folge, in der Dr. Laura
Dalhaus mit ihm über seine Tätigkeit als Notarzt gesprochen hat.
In dieser Episode diskutieren die beiden nun über Medizin am
Lebensende.
Laura hat kürzlich die Fortbildung zur Palliativmedizin
absolviert, gemeinsam mit vielen Notärzt:innen. Denn auf
Intensivstationen gehört der Umgang mit Sterben und Tod zum
Alltag. In nahezu jeder Schicht gibt es Patient:innen, bei denen
das Lebensende absehbar ist. Auch Moritz beschäftigt sich deshalb
intensiv mit diesem Thema.
In ihrer hausärztlichen Tätigkeit erlebt Laura ebenfalls
regelmäßig, wie wenig sich viele Menschen mit dem Sterben
auseinandersetzen, selbst im hohen Alter. Gespräche darüber
finden in Familien oft kaum statt.
Dabei geht es auch um die Frage, was Überleben nach einer
schweren Erkrankung eigentlich bedeutet. Viele Menschen bereiten
sich darauf nicht vor, gesellschaftlich wird das Thema selten
offen diskutiert. Obwohl die meisten zuhause sterben möchten,
versterben 50 bis 70 Prozent der Menschen im Krankenhaus – häufig
intubiert und fern eines natürlichen Sterbeprozesses.
Laura hält realistische Erwartungshaltungen deshalb für
essenziell. In der Gesellschaft fehle oft die Akzeptanz dafür,
dass Gesundheit im Alter Grenzen hat. Gleichzeitig ermöglicht die
High-End-Medizin heute vieles, was früher unmöglich gewesen wäre.
Für sich selbst sagt Laura jedoch klar, dass sie eher auf
Lebensjahre verzichten würde, als dauerhaft schwer krank zu sein.
Ein weiterer Punkt, über den wir dringend sprechen müssen:
Ressourcen sind begrenzt. Die letzten Lebensjahre verursachen die
höchsten Kosten im Gesundheitssystem. Daraus ergibt sich eine
große ethische Frage: Wie viel wollen und können wir als
Gesellschaft finanzieren – insbesondere, wenn viele Menschen
eigentlich zuhause sterben möchten?
Laura wünscht sich deshalb auch im stationären Bereich eine
übergreifende Steuerung, ähnlich einem Primärarztsystem. Sie
beschreibt das wie einen Bauleiter, der den Gesamtüberblick
behält und medizinische, soziale sowie ethische Aspekte
zusammenführt. Für Moritz ist genau das eine ärztliche Aufgabe,
die Erfahrung voraussetzt.
Kritisch sieht Moritz außerdem die durch amerikanische Medien
geprägte Angst vor Klagen. Ärzt:innen bräuchten mehr
Rechtssicherheit, um ethisch sauber entscheiden zu können, statt
sich ausschließlich an Absicherungslogik und Checklisten zu
orientieren.
Auch das Thema Sterbehilfe sprechen die beiden offen an. Das
Bundesverfassungsgericht hat der Politik bereits 2020 den Auftrag
gegeben, sich damit auseinanderzusetzen – passiert ist bislang
wenig. Laura betont, dass sie selbst entscheiden möchte, wann ihr
Leben endet. Auch Moritz hält Selbstbestimmung bis zuletzt für
wichtig. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Menschen
selbst nicht mehr entscheidungsfähig sind. In diesem Zusammenhang
äußert er deutliche Kritik an Berufsbetreuern.
Sterben gehört zum Leben dazu. Palliativmedizin kann viel
leisten, aber nicht alles auffangen. Eigentlich ist sie darauf
ausgelegt, Menschen über einen längeren Zeitraum zu begleiten –
mit Symptomkontrolle, Unterstützung und möglichst viel
Lebensqualität, wenn Heilung nicht mehr möglich ist. Laura weist
jedoch darauf hin, dass auch hier Abrechnungsstrukturen eine
wichtige Rolle spielen.
Ausgangspunkt der Diskussion war außerdem eine Aussage von
Hendrik Streeck über die hohen Medikamentenkosten seines Vaters
am Lebensende. Für Moritz zeigt sich darin die grundlegende
Debatte zwischen Ethik und Ökonomie. Während wir solidarisch sein
wollen, geraten gleichzeitig andere Gruppen – insbesondere Kinder
und Jugendliche – ins Hintertreffen. Eine Rationalisierung findet
bereits statt. Vielleicht auch deshalb, weil Kinder keine
relevante Wählergruppe darstellen.
Für beide ist klar: Nur weil diese Diskussion schwierig ist,
dürfen wir ihr nicht ausweichen.
Deshalb appellieren sie am Ende eindringlich: Eine
Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung sollten Teil der
Gespräche zuhause sein.
Zu Moritz auf LinkedIn:
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Zur Communtiy für PAs und PCM:
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