Pädiatrie, MVZ und Versorgung: Denn Kinder werden im System übersehen | Michael Scheel

Pädiatrie, MVZ und Versorgung: Denn Kinder werden im System übersehen | Michael Scheel

vor 2 Tagen
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Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel

Beschreibung

vor 2 Tagen

Wie steht es aktuell um die Versorgung von Kindern und
Jugendlichen? Genau darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser
neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das
Klassenziel“ mit Michael Scheel, Kinderarzt in einem großen MVZ
für Kinder- und Jugendmedizin sowie -psychiatrie in Cuxhaven. Für
Laura ist klar: Sie möchte sich künftig noch stärker für diese
Patientengruppe einsetzen.


Zu Beginn werfen die beiden einen Blick auf die Ergebnisse der
Finanzkommission Gesundheit. Für Michael liegt ein Problem darin,
dass im System zu viele Player mitentscheiden. Dadurch wird
häufig der Weg des geringsten Widerstands gewählt – und der
trifft am Ende die Leistungserbringer. Besonders deutlich zeigt
sich das bei der geplanten Kürzung der Honorare der
Psychotherapeut:innen, die er als absolut unangemessen bewertet.
Laura vermutet, dass die fehlende Schlagkraft durch die Vielzahl
an Berufsverbänden hier eine Rolle spielt. Dabei ist gerade die
psychotherapeutische Versorgung ein Bereich mit extrem langen
Wartezeiten, die sich durch die Pandemie weiter verschärft haben.


In diesem Zusammenhang spricht Michael auch über die
Entbudgetierung in der Pädiatrie. Laura ist überzeugt, dass
grundsätzlich ausreichend Geld im System vorhanden ist und ein
Primärarztsystem zu Einsparungen führen könnte.


Ein weiterer Aspekt ist die Wirtschaftlichkeit: Laura
hinterfragt, warum der Return on Investment (ROI) von
Psychotherapie und Kinderheilkunde nicht stärker berücksichtigt
wird – insbesondere im Vergleich zu kostenintensiven Eingriffen
wie Wirbelsäulen-OPs. Michael sieht einen Grund für die aktuellen
Kürzungen darin, dass Kinder schlicht keine relevante
Wählergruppe darstellen.


Er berichtet außerdem, wie er sein MVZ aufgebaut hat, um
möglichst viele Kinder versorgen zu können, aber es für diese
auch angenehm zu machen, in die Praxis zu kommen. Diese Arbeit
kommt ihm auch insofern zugute, dass sich potentielle
Mitarbeitende proaktiv und gerne bei ihm bewerben. Dabei stößt er
jedoch immer wieder auf strukturelle Hürden, insbesondere bei
Kassensitzen und der Bedarfsplanung. Diese basiert noch auf Daten
aus den 1990er-Jahren und bildet die heutige Realität nicht mehr
ab. Selbst wenn eine Kinderärztin ihre Tätigkeit beendet, kann
ihr Kassensitz nicht einfach übertragen werden, sondern muss erst
durch entsprechende Gremien genehmigt werden.





Das Unternehmertum in der Medizin wird dadurch zunehmend
erschwert. Michael beschreibt, dass er sein MVZ mittlerweile eher
wie ein Wirtschaftsunternehmen führen muss als wie eine
klassische Arztpraxis. Hinzu kommt, dass der Reinertrag von
Praxen häufig missverständlich kommuniziert wird und
fälschlicherweise mit einem Bruttolohn gleichgesetzt wird.





Laura beschreibt ihren Arbeitsalltag als dauerhaftes „Engines on“
– ein Zustand, den sie langfristig nicht bis ins hohe Alter
durchhalten kann. Für beide stellt sich daher die Frage, ob die
Sicherstellung der Versorgung künftig überhaupt noch
gewährleistet ist. Michael hat in diesem Zusammenhang sogar bei
der KV angefragt, ob er Privatsprechstunden für GKV-Patient:innen
anbieten könnte.





Ein weiteres Beispiel für strukturelle Probleme sind die
Jugendarbeitsschutzuntersuchungen. Diese verpflichtenden
Untersuchungen für unter 18-Jährige wurden bereits 1976
eingeführt – die Vergütung liegt jedoch bis heute auf dem
damaligen Niveau, was einem erheblichen Wertverlust entspricht.





Viele Ärzt:innen geraten zudem immer wieder in eine ethische
Zwickmühle: Der Wunsch zu helfen steht oft im Konflikt mit
wirtschaftlichen und regulatorischen Vorgaben.





Beide kritisieren, dass die Politik hier stärker liefern muss. Es
fehlt an Wertschätzung gegenüber der Selbstständigkeit, dem
unternehmerischen Risiko und den Arbeitsplätzen, die durch Praxen
und MVZs geschaffen werden.





Ein weiteres wichtiges Thema sind Medikamente und deren
Zulassung. Wie auch Laura ist Michael von Regressen betroffen –
teilweise sogar rückwirkend. Gerade in der Pädiatrie ist das
Risiko besonders hoch, da viele Medikamente keine explizite
Zulassung für Kinder haben. Das liegt unter anderem daran, dass
es nur wenige Studien mit Kindern gibt. Ein Beispiel dafür sind
Pflegelotionen bei Neurodermitis.





Zum Abschluss sprechen die beiden über den Einsatz von KI in der
Medizin. Diese bietet großes Potenzial zur Unterstützung im
Alltag – vorausgesetzt, sie wird nicht durch bestehende
Strukturen und Verbote ausgebremst.











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