Kubicki übernimmt das sinkende Schiff | Von Paul Clemente

Kubicki übernimmt das sinkende Schiff | Von Paul Clemente

vor 1 Woche
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Beschreibung

vor 1 Woche

Herrschaft der Einfallslosen: Die FDP wählt
Parteivorsitzenden


Ein Kommentar von Paul Clemente.


Die FDP hat ihren Partei-Vorsitzenden gewählt. Interessiert das
überhaupt noch jemanden? Ja, denn der frisch Gewählte soll die
Partei aus der wohlverdienten Krise lotsen. Einer Krise, die vor
einem Vierteljahrhundert begann. Da verwandelte sich
Chamäleon-Partei, die mal mit der CDU, mal mit der SPD regierte,
zur dumpfen Vertreterin der Upper Class: Wahlslogan:
„Mehr Brutto vom Netto“,

sprich: Steuersenkung. Das war’s auch schon.


Obwohl, nicht ganz: Die FDP stehe zwar für freien Markt, aber
ebenso für Bürgerrechte. Ein Anspruch, der beim Realitäts-Test
völlig versagte. Zu gering war ihr Widerstand gegen
freiheitsfeindliche Exzesse der Ampel-Regierung. Wo blieb der
Freiheitseifer der Liberalen, als Lauterbach oder Haldenwang die
Grundrechte attackierten?


Also: Wozu noch die FDP?


Darauf wissen auch die Wähler keine Antwort mehr: Bei der letzten
Bundestagswahl plus den Landtagswahlen von Baden-Würtemberg und
Rheinland-Pfalz kenterte die gelbe Titanic an der
Fünf-Prozent-Hürde. Parteichef Christian Dürr tat ausnahmsweise
das Richtige: Er reichte den Rücktritt ein. Postwendend bot sich
FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki als Nachfolger an. Für den
74jährigen Rechtsanwalt und Volkswirt dürfte die FDP-Rettung von
existenzieller Bedeutung sein. Hat er ihr doch das Gros seiner
Lebenszeit geopfert. Wer möchte schon erleben, wie das eigene
Schiff in den Orkus fährt?


Am Samstag erschien die Wahl von Kubicki als pure Formalität.
Plötzlich stürmte eine Konkurrentin in die Arena. Der Liebling
aller FDP-Gegner: Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Bis zu diesem
Moment hatte sie ihre Kandidatur geheim gehalten. Ganz auf
Überrumpelung gesetzt. Für diesen Coup hatte die EU-Abgeordnete
die Unterschriften von 33 Delegierten gesammelt und damit die
Anforderungen für eine Spontan-Kandidatur erfüllt.


Als sie die Bühne betrat, ertönte ein Akustik-Mix aus Applaus und
Buh-Rufen. Natürlich beteuerte auch Strack-Zimmermann: Mit ihrer
Kandidatur wolle sie ein Zeichen setzen. Schließlich habe Kubicki
nicht gerade „Aufbruchstimmung“ erzeugt. Die aber sei zur
Partei-Rettung unabdingbar. Besonders erheiternd wirkte
Strack-Zimmermanns Selbstdarstellung als Hüterin der
Meinungsfreiheit. Gehört sie doch neben Bundeskanzler Friedrich
Merz und Ex-Energieminister Robert Habeck zu den Sensiblen, die
Verbal-Attacken als „Majestätsbeleidigung“ deuten und polizeilich
verfolgen lassen.


Unter ihrem Zepter, so versprach die EU-Abgeordnete, werde die
gelbe Loserpartei sich „zu einem Bollwerk in der Mitte“
etablieren - „gegen den Verdruss, gegen rechte und linke
Populisten“. Als No go wies sie einen Schulterschluss mit der AfD
zurück. Damit könne die FDP zwar „Applaus und das Schulterklopfen
von reaktionären Stammtischen“ gewinnen, aber keine Wahl.
Strack-Zimmermann versprach: Sie werde genau verfolgen, wohin die
Partei sich bewege.


Was dann geschah, dürfte Strack-Zimmermann selbst überrascht
haben. Sie gewann immerhin 40 Prozent der Delegiertenstimmen.
Kubicki dagegen 59,27 Prozent. Damit hat er zwar die Krone
erworben, aber wie knapp! Beinah die Hälfte der FDP-Delegierten
scheinen keine Hoffnung auf ihn zu setzen. Nach Bekanntgabe des
Gewinners beteuerte Strack-Zimmermann laut dpa:
„Ich reiche Wolfgang Kubicki ausdrücklich die Hand für eine
vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit. Es geht jetzt nicht um
Personen, sondern darum, die FDP gemeinsam wieder stark zu machen.“

Kubickis Gegenliebe hielt sich in Grenzen. Auf die Frage der ARD,
inwieweit er den Strack- Zimmermann-Fans entgegenkäme, lautet
seine Antwort: „Gar nicht". Seine Aufgabe bestehe nicht darin,
irgendjemanden zu gewinnen, sondern dazu beizutragen, dass die
Freien Demokraten von den Wählerinnen und Wählern wieder ernst
genommen werden.


...https://apolut.net/kubicki-ubernimmt-das-sinkende-schiff-von-paul-clemente/


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