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Beschreibung
vor 3 Tagen
Auf den ersten Blick ist da erstmal nichts Besonderes. Das
CabrioLi im westfälischen Lippstadt ist ein Kombibad mit Hallen-
und Freibad. Betriebsleiter Tobias Göbel führt uns durch die
Halle und deutet nach oben. Und jetzt sehen wir sie: Kleine weiße
Kameras an der Decke oder hoch oben an der Wand, die jeden Winkel
der drei Schwimmbecken in der Halle im Blick haben.
Das CabrioLi in Lippstadt war bundesweit das erste Schwimmbad,
das KI zum Einsatz gebracht hat. Auslöser war aber nicht der
tragische Tod eines Kleinkindes im Jahr 2019, wie viele vermuten,
sondern der pure Zufall, erzählt Tobias. Auch Bäder haben nämlich
immer wieder Besuch von Vertretern, die ihnen die neuesten
Entwicklungen auf dem Markt präsentieren. Und von so einem
Vertreter erfuhr man im CabrioLi von der israelischen Firma
Lynxight, die Pionierin in Sachen Schwimmbad-KI.
Das war 2022. Das Bad willigte ein, das Programm zu testen,
Anfang 2023 gings los: Kameraüberwachung in Echtzeit, auch unter
Wasser. Das System macht eine ständige Bewegungsanalyse aller
Menschen, die gerade im Wasser sind. Erkennt sie untypische
Bewegungsmuster, sendet sie einen Alarm auf die Smartwatch, die
hier jeder Bademeister trägt (und natürlich auch jede
Bademeisterin). Mit dem Alarm wird der exakte Standort des
Geschehens gesendet, außerdem ein Livebild. Zu sehen ist auch,
was in den Sekunden davor geschah.
Allerdings darf man sich das nicht als einen glasklaren Film
vorstellen, erzählt Tobias, die eigentlichen Kameraaufnahmen
werden nicht gespeichert. Stattdessen wandelt das Tool sie in so
genannte Vektordaten um, sodass nur die Umrisse der Schwimmenden
zu sehen sind. Wichtig für den Datenschutz!
Seit drei Jahren ist Lynxight jetzt in Lippstadt im Einsatz, am
Anfang war das noch ganz schön holperig, erzählt Tobias. Da wurde
auch schon mal der Schatten einer Liege als Ertrinkender
gewertet, auch ließ sich der Alarm mit „Toter-Mann-Spielen“ viel
leichter auslösen. Aber: Diese KI lernt. Nach jedem Alarm melden
die Bademeister:innen zurück, ob die KI die Situation richtig
erfasst hat. Die Fehlalarme werden deutlich seltener. Und dass
eine heikle Situation NICHT erkannt wurde, sei zum Glück noch nie
passiert. Ab und zu würden es Gäste auch mal darauf anlegen, den
Alarm auszulösen, indem sie sich beispielsweise auf den
Beckenboden sinken ließen - doch mittlerweile in der Regel ohne
Erfolg.
Betriebsleiter Tobias Göbel ist von dem System begeistert, das
merkt man. Über die Anschaffungskosten schweigt er sich aus, die
jährlichen Betriebskosten seien aber mit rund 10.000 Euro absolut
überschaubar. Für ihn hat diese Technik Zukunft - aber nicht,
weil er Badpersonal sparen will - „Retten können nur wir, da
hilft uns keine KI“ - sondern weil er kaum noch Personal bekommt.
Gerade wenn es sehr voll ist, sei aber jedes Auge wichtig - auch
das der Kamera. Mittlerweile haben auch schon einige andere Bäder
in Deutschland nachgezogen, das System Lynxight kommt in sieben
Ländern weltweit zum Einsatz.
Mittlerweile sind wir draußen am Schwimmbecken angelangt. Hier
gibt es keine KI, an heißen Sommertagen müssen sich die
Bademeister:innen nach wie vor auf ihre eigenen Augen und
Erfahrungen verlassen. Das Problem: Hier gibt es weder hohe Wände
noch Decken, an denen die KI-Kameras aufgehängt werden können.
Stangen oder ähnliches wären zu wacklig. Da ist also im wahrsten
Sinne des Wortes noch Luft nach oben.
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