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Chlorgesänge Archiv

191 Episoden
45 Minuten
Der Sommerurlaub ist schon eine Weile vorbei, aber auch in den Herbstferien zieht es viele nochmal ans Meer. Deshalb wiederholen wir hier eine Folge, in der es nicht um Chlor- sondern um Salzwasser geht! Denn das Meer lädt ein zum schwimmen, tauchen oder surfen und es gibt wohl wenige Menschen, die sich der Faszination der Ozeane entziehen können. Wenn da nicht dieses kleine „aber“ wäre … Auch wenn wir es nur zu gern verdrängen: Natürlich ist uns allen klar, dass es den Meeren und somit auch den darin schwimmenden Lebewesen nicht wirklich gut geht. Nicht nur wegen der zunehmenden Erwärmung der Meere, sondern auch wegen des ganzen Unrats, der darin herumschwirrt, allem voran das viele Plastik.

Unser ⁠Gesprächspartner⁠ ist deshalb der Speaker und Podcaster Christian Weigand, der das Konzept „⁠Blue Awareness⁠“ entwickelt hat, was mittlerweile ein gemeinnütziger Verein geworden ist. Er ist professioneller Redner für Unternehmen und Veranstaltungen und spricht über Nachhaltigkeit, Meere und Selbstwirksamkeit.

Das Tolle an ihm: Er läuft nicht etwa den ganzen Tag mit erhobenem Zeigefinger herum und fordert dazu auf, ab sofort asketisch zu leben, sein Motto ist vielmehr: „take three for the sea“. Heißt: Wenn wir beispielsweise im Urlaub am Strand entlang gehen und nur drei Plastikteile aufheben, haben wir schon was getan. Denn das sind drei Teile weniger, die von den Meeresbewohnern mit wertvoller Nahrung verwechselt werden können, drei Teile weniger, an denen ein Wesen im Wasser ersticken oder sich damit strangulieren kann.

Diese Haltung spürt man auch in seinem erfolgreichen Podcast „⁠Helden der Meere⁠“. Auch ⁠hier⁠ geht es nicht darum, moralinsauer aufzuzählen, dass vermutlich rund fünf Trillionen Plastikteile in den Ozeanen schwimmen oder um wieviel Grad die Meerestemperatur mal wieder gestiegen ist - stattdessen hat er alle 14 Tage Gäste, die von der Faszination des Meeres erzählen.

Wie sie mit Haien schwimmen oder Orcas filmen, abenteuerliche Expeditionen machen, von steilen Klippen springen, als Tankerkapitän arbeiten oder ein mexikanisches Drogenkartell verfolgen, das illegal in einem Naturschutzgebiet fischt.

Aufregende und faszinierende Geschichten, die einem auf ihre ganz eigene Art bewusst machen, was sich für eine wunderbare und besondere, mitunter aber auch ganz schön unheimliche Welt da unter Wasser auftut. Auch für Christian selbst ist das ein großer Spaß - selbst wenn es sehr häufig gar nichts mit Meeresschutz zu tun hat.

Wir können nicht anders - wir müssen ihn auch danach fragen, wie er die Aktion rund um den Wal in der Ostsee erlebt hat. An dieser Stelle nur so viel: Begeistert hat ihn diese ganze Sache nicht.

Christian ist nicht nur Redner und Podcaster - und leidenschaftlicher Surfer - er hat zusammen mit dem ⁠Journalisten Florian Sturm⁠ auch ein Buch gemacht: „⁠Ein Leben für den Ozean⁠“ heißt es und eine von uns hat es natürlich zuhause im Regal stehen und ist im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig begeistert! Umso größer die Freude, dass im November 2026 die zweite Ausgabe erscheinen wird. Während es im ersten Band um Ostsee, Nordsee und Nordatlantik geht, dreht sich der zweite Band um den Europäischen Atlantik. Und wer nicht nur lesen, sondern auch schauen will, bekommt außerordentlich schöne Bilder zu sehen - aus den Tiefen der Ozeane. Das Weihnachtsgeschenk ist safe!
20 Minuten
Fahrrad fahren - das machen viele gern. Aber Fahrrad fahren im Wasser? Klingt erstmal komisch. Ist es aber nicht. Aquacycling hält nicht nur fit, sondern ist auch im Reha-Sport eine wirksame Bewegungstherapie.

Als wir das erste Mal davon gehört haben, waren wir gleich neugierig. Allerdings - so einfach ist es nicht, einen Aquacycling-Kurs zu finden. In Berlin wird so etwas gar nicht angeboten. Aber immerhin in Falkensee, am westlichen Stadtrand. Normalerweise bucht man hier einen mehrtägigen Kurs - das mussten wir nicht, sondern durften bei einer Stunde aktiv dabei sein.

Denn natürlich wollten wir nicht nur zuschauen, sondern selber mitmachen. Die Trainerin Claudia Seischab-Liedtke zeigt uns erstmal, wie man das speziell für den Wassereinsatz gebaute Fahrrad-Ergometer einstellt - dann hieven wir es gemeinsam ins Wasser. Das ist herrliche 30 Grad warm, also nichts wie los!

Allerdings - so flott wie an Land geht es im Wasser nicht. Der Widerstand beim Treten ist 12mal höher als in der Luft. Bis zu 800 Kalorien kann man in so einer Stunde verbrauchen - das haben wir aber ganz sicher nicht geschafft. Dafür waren wir zu sehr damit beschäftigt, in den Pedalen zu stehen und gleichzeitig die Balance zu halten. Ohne Bauchspannung geht hier nichts! Denn genauso wie beim Spinning im Fitnessstudio muss man auch beim Aquacycling nicht nur die ganze Zeit in die Pedale treten, sondern auch im Stehen fahren, während die Arme seitlich mit Hanteln durchs Wasser pflügen, man muss Sprints hinlegen oder sich wie ein Rodeo übers Rad schwingen. Und nicht zu vergessen: Intervalltraining!

Aber eins ist sicher: Aquacycling ist gesund, bei entsprechender Indikation werden die Kursgebühren sogar zum Teil von der Krankenkasse übernommen. Im Rehasport werden Aquacycling-Kurse gerne für Menschen nach Hüft-OPs oder mit Adipositas angeboten. Der Sport ist ausgesprochen gelenkschonend, der Wasserdruck wirkt wie eine Lymphdrainage, außerdem verliert der Körper 90 Prozent des Gewichts im Wasser (nimmt es an Land aber leider direkt wieder zu). Angeblich bekommt man vom Aquacycling auch noch eine glattere und festere Haut - klingt verlockend. Kurz und krumm: Aquacycling ist für jeden und jede gut.

Einziger Nachteil: Fürs Aquacycling braucht man festes Schuhwerk, denn wie beim Spinning werden auch hier die Füße an den Pedalen festgeschnallt. Wir hatten Badeschuhe dabei, die sind aber eigentlich zu dünn und deshalb nicht wirklich gut geeignet. Besser wären feste - und saubere! - Turnschuhe, mit denen man vorher natürlich nicht auf der Straße unterwegs gewesen sein darf.

Claudia jedenfalls leitet ihre Kurse mit Begeisterung. Und freut sich, dass die Leute in den Kursen immer besser werden. Normalerweise dirigiert sie die Kurse vom Rand aus. Wenn die Kurse nicht allzu voll sind, setzt sie sich aber auch selber mit aufs Rad. So hat für sie auch alles angefangen: Am Anfang hat sie einfach nur teilgenommen und dann einen Trainerschein gemacht.

Wettbewerbe im Aquacycling gibt es übrigens nicht. Was vermutlich auch daran liegt, dass sich die Räder natürlich nicht bewegen, sondern fest auf dem Beckenboden stehen. Der bei diesem Sport übrigens auch gut trainiert wird!
34 Minuten
Beim Bahnen ziehen geht einem so manches durch den Kopf, was man später gar nicht mehr so richtig in Worte fassen kann. Heute gehen wir mal auf die Kurzstrecke - 25 Meter, 25 Fragen, die wir uns gegenseitig zum Schwimmen stellen und natürlich auch beantworten.

Da geht es um so Sachen wie „Was fühlst du beim ersten Abstoßen, wenn du los schwimmst?“ oder „Was sind deine größten Ausreden?“ Wir schwelgen in Erinnerungen, gestehen aber auch ein, dass es uns nicht immer so leicht fällt, zum schwimmen zu gehen. Bei der einen schwindet der innere Schweinehund, sobald sie am Beckenrand angekommen ist, bei der anderen schaut er noch eine ganze Weile zu.

Und während die eine es furchtbar findet, wenn sie überholt wird, hat die andere gar keine Schwierigkeiten damit. Im Gegenteil - dann schwimmt man halt ein Stückchen weiter nach rechts und schon geht es weiter. Wenn wir selbst überholen, finden wir es allerdings ziemlich schrecklich, wenn der zu Überholende plötzlich richtig Gas gibt. Das ist anstrengend! Vor allem bei sehr viel Gegenverkehr.

Wir erlauben uns aber auch, ein bisschen zu träumen. Von Öffnungszeiten von 6 Uhr bis Mitternacht. Oder regelmäßigen Events im Freibad. Oder 72-Stunden-Tagen. Und wir reden darüber, warum wir viele Jahre gar nicht geschwommen sind - was ja vielen Leuten so geht. Weil sie in der Jugend vielleicht zu viel geschwommen sind. Oder später erstmal ganz andere Prioritäten setzen.

Wir stellen aber auch fest, dass wir ganz schön widersprüchlich sind in dem, was wir wollen. Einerseits setzen wir uns immer dafür ein, dass alle schwimmen können sollen und gleichzeitig wünschen wir uns klammheimlich: Aber bitte nicht auf meiner Bahn. Weil es so herrlich ist, auf einer (fast) leeren Bahn zu schwimmen. Außer wir beide schwimmen zusammen!

Und zum Schluss nehmen wir uns vor, nach dem Sommer wieder eine richtige Hallenbadroutine einziehen zu lassen. Kann ja nicht schaden!
36 Minuten
In 60 Tagen 2.600 Kilometer durch 10 Länder schwimmen - das ist wohl für die meisten von uns völlig unvorstellbar. Der Extremschwimmer Joseph Heß aus Dresden hat das gemacht - (fast) von der Quelle der Donau bis zum Schwarzen Meer.

Gestartet ist Joseph am 4. Juli durch den zweitlängsten und zweitgrößten Fluss in Europa. Für den 39jährigen war das aber nicht das erste Mal, dass er sich einer solchen Herausforderung stellt: 2016 hat der promovierte Wirtschaftswissenschaftler bereits die Straße von Gibraltar durchquert, 2017 ist er 620 Kilometer die Elbe entlang geschwommen - also quasi auch an seiner Haustür vorbei - 2022 hat er es dann mit dem Rhein aufgenommen, das waren dann schon 1300 Kilometer.

Damit will er längst nicht mehr nur beweisen, was man alles schaffen kann - Joseph geht es auch darum zu zeigen, dass wir mehr Bewusstsein für den Gewässerschutz entwickeln müssen. Das hat er beim Schwimmen durch die Donau auch selbst ganz hautnah erfahren: Unfassbar viel Schrott liegt in dem Fluss, sodass er vor allem dort, wo der Wasserstand niedrig war, sehr aufpassen musste, nicht daran hängen zu bleiben. In Belgrad, wo das Abwasser ungefiltert in die Donau geleitet wird, schwamm er durch Fäkalien und anderen Dreck. Bloß nicht aus Versehen einen Schluck Wasser nehmen!

Diesen Teil der Strecke hat er zum Glück ziemlich unbeschadet überstanden - bis auf eine Infektion des Ohres, die ihm dann am Ende doch ziemlich zu schaffen gemacht hat. Und der Fußpilz, der erst danach richtig abheilen konnte. Wundgeriebene Stellen durch den Neopren-Anzug sind dagegen für ihn nicht weiter wild - „Ich hab jetzt drei Narben mehr, was soll´s“, für ihn letztendlich eine Lapalie. Viel wichtiger war ihm, dass er bei seiner Tour durch die Donau auch wissenschaftlich begleitet wurde, untersucht wurde die Belastung mit Mikroplastik entlang der Strecke, die Ergebnisse stehen bislang noch aus.

Rund 50 Kilometer ist Joseph jeden Tag geschwommen - ohne sein Team wäre das nicht möglich gewesen. Begleitet wurde er unter anderem von dem Wildwasserexperten Thorsten, der auch schon beim Schwimmen durch den Rhein dabei war, von Dani, die sich um das Essen gekümmert hat und Monica, die den Begleit-Caravan an Land gesteuert und für die Sicherheit gesorgt hat. Gefilmt wurde Joseph zudem auf der ganzen Strecke von dem Filmemacher Markus Weinberg. Und Joseph hat jeden Tag auf seinem Instagram-Account von der aktuellen Strecke berichtet.

Jeden Tag rund 35.000 Armzüge, jeden Tag ein Verbrauch von 8.000 bis 10.000 Kalorien - das muss man erstmal durchhalten. 15 Kilogramm hatte Joseph vorher zugelegt, um diese Strapazen zu überstehen. Richtig Angst hatte er, als an der ukrainischen Grenze plötzlich Drohnenalarm zu hören war. Passiert ist ihm zum Glück nichts, es hätte aber auch anders kommen können. Schon sehr schade fand er, dass er zu wenig Zeit hatte, auch mal mit den Menschen am Rande des Flusses zu sprechen. Aber nach 10 Stunden im Wasser fehlte am Ende dann doch die Energie.

Trotzdem ist er froh, dass er es geschafft hat und am 01. September ins Schwarze Meer springen konnte. Dass ihn seine Partnerin Stefanie rückhaltlos unterstützt, hilft ihm bei seinen Unternehmungen sehr. Das nächste Projekt hat er auch schon im Auge: Einmal durch den Ärmelkanal schwimmen. Dann aber ohne Neopren, nur mit Kappe, Badehose, Schwimmbrille - und Vaseline.
41 Minuten
Sie sind in geheimer Mission unterwegs – die Kampfschwimmer der Bundeswehr. Über ihre Einsätze dürfen sie nicht reden. 70 Prozent schaffen schon allein die Ausbildung nicht. Ihr Motto: „Lerne leiden ohne zu klagen“. Umso mehr freuen wir uns, dass Torsten Schreiber bereit ist mit uns zu sprechen - langjähriger Kampfschwimmer und Ausbilder beim Kommando Spezialkräfte der Marine, mittlerweile vor allem für die Nachwuchsgewinnung zuständig.

Völlig fit und gut gelaunt sitzt er morgens um 7 Uhr an seinem Arbeitsplatz in Eckernförde. Todde wird er genannt, freundlich und zugewandt ist er, gar nicht so militärisch streng, wie man es von einem Kampfschwimmer vielleicht erwarten würde. Denn sein Job ist einer der härtesten, die man sich vorstellen kann - und hat null mit dem zu tun, was wir im Schwimmbad manchmal spöttisch als Kampfschwimmen bezeichnen.

Als Kind war Todde Wettkampfschwimmer und ist dann irgendwann zum Triathlon gewechselt. Mit 18 hat er dann ein Video über Kampfschwimmer gesehen und war sofort angefixt. Erstmal hat er seine Ausbildung zuende gemacht. Aber dann gab es kein Halten mehr. Auch wenn ihm am Anfang gar nicht klar war, was das bedeuten würde.

Denn wer zum Kommando Spezialkräfte der Marine gehören will, muss erstmal eine sehr harte dreijährige Ausbildung absolvieren. Und diese Ausbildung ist neben der zum Piloten eine der längsten, teuersten und körperlich forderndsten Ausbildungen der Bundeswehr. Das muss aber auch so sein, denn als Kampfschwimmer kommt man immer wieder in sehr gefährliche Situationen, sagt Todde. Und dann muss man seine Grenzen kennen.

Bilder oder gar Filme von dieser Ausbildung gibt es nicht. Eine Reportage des NDR über Minentaucher gibt aber einen guten Eindruck, was die Anwärter dort erwartet. Schon allein das Beckentraining ist eine Herausforderung: Marschieren unter Wasser mit schwerem Gerät - und das minutenlang. Entsprechend kompromisslos sind auch die Ausbilder: „Wir können die Anforderungen nicht heruntersetzen“, sagt Todde. Wer diesen Beruf ausüben wolle, müsse hier bestehen. Ein Gefühl für seinen eigenen Körper entwickeln. Und vor allem lernen, wie man sich taktisch und lautlos unter Wasser bewegt, ohne von außen wahrgenommen zu werden.

Immerhin: Seitdem es das Kommando Spezialkräfte der Marine gibt, ist noch keiner der Soldaten im Einsatz gestorben. Zur Wahrheit gehört aber auch: 70 - 80 Prozent fallen in der Ausbildung durch. Eine Frau hat es noch nie geschafft - zu hart schon allein der erforderliche körperliche Einsatz.

Dabei sind die Voraussetzungen angenommen zu werden, gar nicht mal so hoch: 1000 Meter schwimmen unter 24 Minuten, 5000 Meter laufen unter 22 Minuten - das scheint machbar. Ja, sagt Todde - aber wer gerade so besteht, wird es schwer haben. Wer wirklich eine Chance haben will, müsse diese Anforderungen schon deutlich unterbieten. Wettkampferfahrung sei nicht schlecht. Außerdem müsse man geistig sehr flexibel und ausgesprochen teamfähig sein.

Ein Jahr werden die Rekruten in der Halle ausgebildet - schon hier scheiden die meisten aus. Die Hälfte packt es mental einfach nicht, die andere Hälfte hält körperlich nicht durch, erzählt Todde. Wer es am Ende trotzdem schafft, auf den wartet die Ausbildung im Freiwassertauchen. Und ganz zum Schluss dann: 30 Kilometer schwimmen durch die Ostsee. Und die ganze Zeit immer an der Leistungsgrenze.

Über die Einsätze der fertigen Kampfschwimmer kann und will Todde nichts sagen, hier bekommt man aber einen kleinen Eindruck. Und er hat ein Buch darüber geschrieben, das erklärt, wie man sich militärisch topfit hält. „Lerne leiden und auch noch Spaß daran zu haben“ scheint ein Motto zu sein, was Todde auf jeden Fall für sich entdeckt hat. Und wer jetzt ebenfalls angefixt ist und sich für die Ausbildung zum Kampfschwimmer interessiert, kann ihm gern schreiben. Einmal im Monat bietet er für Interessierte in Eckernförde einen Truppenbesuch an. Eins sollte man allerdings wissen: Kampfschwimmer frieren immer!
49 Minuten
Sie wird dafür gefeiert, dass sie über 6 Minuten die Luft anhalten kann - das allein findet Anna von Boetticher allerdings ziemlich öde. Dass ihr diese Fähigkeit allerdings den Zugang zu spannenden neuen Welten verschafft, ist für sie sie immer wieder Herausforderung und Faszination zugleich.

Wir treffen Anna von Boetticher in einem Café in Kreuzberg und spüren von Anfang an die Energie, die sie ausstrahlt. Bereits im Alter von 17 machte sie ihren ersten Tauchschein. Zum Freitauchen - also ohne Gasflaschen - kam sie allerdings erst 20 Jahre später. Innerhalb weniger Monate entwickelte sie sich seit 2007 zur Spitzenathletin und stellte im so genannten Apnoetauchen bereits im ersten Jahr mehrere Rekorde auf. Mittlerweile ist sie Deutschlands erfolgreichste Apnoetaucherin und taucht mit nur einem Atemzug weit über 100 Meter tief.

Und das, obwohl die auch als Waterwoman bekannte gebürtige Münchnerin dafür körperlich keineswegs ideale Voraussetzung mitbringt. Ihre Lunge ist rund 25 Prozent kleiner als bei den meisten anderen Menschen, zudem lebt sie mit einer Autoimmunerkrankung.

Aber auch im Gespräch ist immer wieder spürbar - Anna hat nicht nur jede Menge Energie, sondern auch einen sehr starken Willen. Sie ist so fasziniert von der Welt unter Wasser, vom Tauchen, von den Begegnungen mit den Lebewesen im Meer, dass sie einfach immer wieder hin muss. Für sie ist klar: Erfolg ist weniger eine Frage außergewöhnlicher Talente. Vielmehr brauche es Neugierde, Training, Konzentration - und den bewussten Umgang mit Angst.

Den braucht sie auch, denn was Anna wagt, ist außergewöhnlich. Wenn sie beispielsweise durch Schiffwracks taucht und sehr genau aufpassen muss, dass sie auch den Ausgang wieder findet. Beim Eistauchen hat sie tatsächlich mal kurz die Orientierung verloren, fand unter der geschlossenen Eisdecke nicht auf Anhieb den Ausstieg.

Solche Momente sind es, die wohl definieren, was Anna ausmacht: „Nicht die Angst bestimmt, was ich dann tue“, sagt sie. „Sondern ich bestimme!“. Nicht, dass ihr in solchen Momenten nicht auch das Adrenalin durch die Adern schießt. Aber selbst dann behält sie die Übersicht. Und hat auch keine Angst vor Krokodilen, Blauhaien, Schwefelwolken oder verlassenen Bergwerken.

Neben ihrer Karriere als Leistungssportlerin hält Anna Vorträge über Stressbewältigung, Konzentration und mentale Stärke. Sie hat Kampfschwimmer, Minentaucher und Polizeitaucher trainiert. Und bereits 2019 ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben: „In die Tiefe“ ist eine Mischung aus Autobiografie, Extremsport-Erzählung und Motivation. Sie beschreibt darin aber auch ihre Rückschläge, Ängste und die Bedeutung mentaler Stärke. Wer sie in Aktion erleben will, sollte sich unbedingt Waterwoman anschauen - in zwei Staffeln hat die ARD Anna von Boetticher bei ihren Aktionen begleitet.

Am 16. September 2026 erscheint ihr zweites Buch: „Es ist nie nichts“ - Gedanken aus der Tiefe über Resilienz und Entdeckerfreude. Man kann es kaum glauben - aber eine Sache hat Waterwoman bislang noch nicht gelernt: Kraulschwimmen. Aber wir sind sicher - das wird noch!
31 Minuten
In der Schwimmgemeinde geht die Trauer um: Nach und nach schließt ein Freibad nach dem anderen, die Sommersaison neigt sich dem Ende zu. Ausgerechnet jetzt bieten Bäder in Deutschland Hundeschwimmen an. Doch worauf sich die einen schon das ganze Jahr freuen, sorgt bei anderen für großen Missmut: Hunde? Euer Ernst? Lasst doch lieber die Menschen länger schwimmen!

Wir sind für diese Folge ins Sommerbad Staaken-West gefahren, denn zum zweiten Mal überhaupt bieten auch die Berliner Bäderbetriebe Hundeschwimmen an. Doch während eine von uns sich bereits am Eingang vor Begeisterung kaum einkriegt, bleibt die andere erstmal skeptisch. Was nicht nur, aber auch mit ihrer latenten Angst vor Hunden zu tun hat.

Zurück zum Eingang - hier wird erstmal kontrolliert, ob für den mitgebrachten Hund ein aktueller Impfausweis und eine gültige Haftpflichtversicherung vorliegt, sonst kommt der Vierbeiner gar nicht erst rein. Der Eintritt wird nach der Anzahl der Beine berechnet: Hunde kosten vier, Menschen zwei Euro. Auf der großen Liegewiese dann ein einziges Gerenne und Gejage - aber alles total spielerisch, kein Hund bellt, alle tollen munter umeinander herum. Was sicher auch daran liegt, dass hier kein Hund an die Leine muss. Freie Bahn!

Die beiden Schwimmbecken dahinter sind ebenfalls ungeleint, hier passt kein Rettungsschwimmer drauf auf, dass niemand untergeht. Dafür müssen Frauchen und Herrchen schon selber sorgen. Die Hunde reagieren sehr unterschiedlich auf dieses ungewohnte Event: Während sich die eine mit gewagtem Sprung direkt ins Wasser stürzen, umrunden andere erstmal skeptisch mehrfach das Becken und halten allenfalls eine Pfote ins Wasser.

Vizsla-Besitzerin Moni hat sich schon lange auf das Hundeschwimmen gefreut. Sie geht mit ihrem Hund Kalle zwar auch sonst regelmäßg in den See, aber hier habe er einfach noch sehr viel mehr Spaß, vor allem wegen der vielen anderen Hunde. Und in der Tat: Während sie erzählt, stürzt sich Kalle zusammen mit seinem Hundefreund Balou ein ums andere Mal ins Wasser, apportiert Spielzeug oder Bälle und man hat fast den Eindruck, er würde vor Freude strahlen.

Hundeschwimmen-Organisatorin und Meisterin für Bäderbetriebe Jennifer Heide freut sich darüber, dass das Event so großen Anklang findet. Sie versteht aber auch die Skeptiker. Umso wichtiger ist es ihr, klarzustellen, dass niemand wegen des Hundeschwimmens auf einen Freibadbesuch verzichten muss. Das Badpersonal sei schon längst mit der so genannten Auswinterung beschäftigt und stünde als Aufsicht gar nicht mehr zur Verfügung. Das Wasser ist zudem nicht mehr gechlort, sonst wäre es auch für die Hunde gar nicht verträglich. Auch sei es überhaupt nicht eklig, wenn Hunde ins Beckenwasser gehen: Das wird nämlich nach dem Hundeschwimmen komplett abgelassen und die Fliesen gründlich gereinigt - ein Vorgang, der am Ende der Saison ohnehin fällig wird. Außerdem: „Auch Hundebesitzer:innen sind unsere Kunden. Und wir freuen uns, dass wir ihnen einmal im Jahr ein ganz spezielles Angebot machen können.“ In Berlin dieses Jahr übrigens noch dreimal: am 12., 13. und 19. September.

In deutschlandweit über 70 Orten wird mittlerweile Hundeschwimmen am Ende des Sommers angeboten, Berlin ist da absolut kein Vorreiter. Oft wird in den Bädern dann die Gelegenheit genutzt, Spenden für das regionale Tierheim zu sammeln. Auch in Ländern wie der Schweiz oder in Großbritannien findet am Ende der Sommersaison Hundeschwimmen in öffentlichen Bädern statt. Spanien, Italien oder Belgien gehen noch ein Stück weiter: Hier gibt es sogar spezialisierte Hunde-Wasserparks oder ganzjährige Doggy-Pools.

Die Skeptikerin von uns beiden findet das Hundeschwimmen im Sommerbad Staaken-West am Ende auch ganz amüsant. Ja, sicher - den Geruch von nassem Hund muss man mögen. Aber die Toiletten sind beim Hundeschwimmen deutlich sauberer, als wenn Menschen im Bad ihre Bahnen ziehen!
34 Minuten
Liebesbriefe hat er in diesem Sommer jetzt nicht bekommen, der Betriebsleiter der Berliner Bäderbetriebe, Ricardo Haas. Aber nichts gesagt ist bekanntlich genug gelobt und so kann man davon ausgehen, dass die Mindesttemperaturen von 22 Grad in den Berliner Freibädern überall Anklang gefunden haben. Mit Schaudern erinnern wir uns noch an letztes Jahr: Damals lag die Wassertemperatur im Olympiabad um diese Zeit bei 17 (!) Grad. Dieses Jahr waren es auch zum Schluss noch wohlige 24 Grad.

Wir haben die angenehmen Temperaturen genossen und tun das immer noch - denn sieben Freibäder sind mindestens bis Mitte September geöffnet. Mehr war nicht drin, sagt Ricardo Haas: Die Hallen müssen wieder in Betrieb genommen werden, das Schulschwimmen startet und die Vereine legen auch wieder richtig los. Dafür brauche es Personal, was bis jetzt in den Freibädern eingesetzt war.

Insgesamt war die Sommersaison aber auch für die Bäderbetriebe zufriedenstellend, rund 1, 6 Millionen Menschen sind gekommen. Allein am letzten Juni-Wochenende tummelten sich bei rund 40 Grad Außentemperatur über 120.000 Menschen in den Berliner Freibädern. Und vor allem: Es gab den ganzen Sommer keine besonderen Vorkommnisse, keine Schlägereien, keine Übergriffe - allen anderslautenden Gerüchten zum Trotz.

Ein bisschen enttäuscht sind wir allerdings davon, wie wenig die Berliner Bäderbetriebe aus ihrem 30jährigem Jubiläum dieses Jahr gemacht haben. Es gab ein paar Kinder- und Familienparties, eine Ticket-Verlosung - aber das war´s dann auch schon. Das eigentlich geplante 24-Stunden-Schwimmen Ende Oktober in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) muss auf nächstes Jahr verschoben werden, die electronic pool session im Neuköllner Columbiabad fand gar nicht erst statt. Die Gründe dafür sind vielfältig, wir hoffen aber, dass es nächstes Jahr dann umso schöner wird! Aber ein Ereignis in diesem Sommer wollen wir nicht unerwähnt lassen: Das Mittsommerschwimmen im Insulaner am 21. Juni. Bereits zum Start um 4:30 Uhr waren viele begeisterte Menschen da, bis 21:30 war das Bad geöffnet. Mehr davon!

Ein paar gute Nachrichten hat Ricardo Haas auch noch im Gepäck: Das Paracelsusbad in Reinickendorf soll nun endlich im April 2027 wieder eröffnet werden! Und das Stadtbad Schöneberg macht hoffentlich auch in diesen Tagen wieder auf. Hier erwartet die Besucher:innen dann auch in absehbarer Zeit etwas berlinweit Einzigartiges: Der Einsatz von KI, zur Unterstützung des Bäderpersonals bei der Überwachung der Wasserflächen - im fachdeutsch: Anti-Ertrinkungssysteme. Allerdings noch nicht gleich, die Kameras hängen zwar schon, aber erst muss noch der Personalrat zustimmen.

Die Sanierung der Neuen Halle in Charlottenburg nimmt ebenfalls Formen an, die Fertigstellung ist für 2031 geplant. Weniger gute Nachrichten leider aus Spandau Süd: Es gibt Komplikationen, mit der Sanierung des Freibads konnte noch gar nicht begonnen werden, das passiert erst 2027. Und dann muss dort auch noch eine zusätzliche Halle gebaut werden. Ist die fertig, können die Wassersport-Vereine vom Sachsendamm dahin umziehen - denn auch dort muss dringend saniert werden.

Zu Mariendorf wagt Ricardo Haas heute noch gar keine Prognose, aber das Kreuzberger Spreewaldbad wird hoffentlich Anfang 2028 fertig sein. Und an der Holzmarktstraße hat gerade der Spatenstich stattgefunden. Haas ist froh, dass die Berliner Bäderbetriebe im Rahmen des Klima-Pakts bis 2023 rund 204 Millionen Euro zusätzlich bekommen: 170 Millionen sollen in die (energetische) Grund- und Teilsanierung von Hallenbädern gehen, 34 Millionen sind für spezifische Einzelmaßnahmen geplant. Solarbetriebene Heizsysteme beispielsweise oder der Austausch alter Pumpensysteme. Insgesamt wollen die Bäderbetriebe bis 2030 Bauvorhaben im Wert von mehr als 600 Millionen Euro umsetzen.

Eins ist Ricardo Haas aber trotzdem klar: „Fertig werden wir nie werden. Bei über 60 Bädern gibt es auch danach noch viel zu tun!“ Und man sieht ihm an, dass er Spaß daran hat.
38 Minuten
Wenn wir in Not geraten, hoffen wir, dass wir gerettet werden. Auf der Unteren Havel in Berlin, direkt am Wannsee, sorgen Ehrenamtliche der Berliner DLRG im Sommer jedes Wochenende dafür, dass kein Unglück unbeobachtet bleibt. Deswegen beginnt unsere heutige Folge auch mit einer Fahrt im Rettungsboot: Lene, Sven und Patrick bringen uns damit zu ihrer Wasserrettungsstation, die man ansonsten nur schwimmend erreichen könnte. Macht schon Spaß, so eine kleine Spritztour! Und auch die drei sind bester Dinge. Zum Glück gab es heute noch keinen Einsatz, und so zeigen sie uns voller Begeisterung ihre Station. Alle drei sind anderweitig voll berufstätig, für die DLRG arbeiten sie ehrenamtlich - und verbringen hier an den Sommerwochenenden nicht nur ihre Tage, sondern übernachten auch in dreistöckigen Etagenbetten. Denn auch nachts können sie per Funk jederzeit alarmiert werden.

Man muss sich schon sehr gut verstehen, um es auf diesem engen Raum miteinander auszuhalten, aber das tun die drei offenbar. Oft haben sie zudem Verstärkung und das ist auch gut so: 13 Menschen sind in diesem Jahr bereits in Berliner Gewässern ertrunken, zum Glück keiner in ihrem Einsatzgebiet.

Aber natürlich kann jederzeit was passieren. Doch während wir ganz aufgeregt auf die Surfer deuten, die bereits minutenlang im Wasser liegen, bleiben die drei völlig cool. Sie haben mittlerweile ein Auge dafür, wann jemand tatsächlich in Not ist oder im Wasser einfach mal eine Pause braucht. Patrick kennen wir ja schon aus unserem Rettungsschwimmerkurs, er hat seit vielen Jahren Erfahrung in der DLRG und ist zudem Ausbildungs-Rettungsschwimmer. Sven ist der Leiter Einsatz und Lene die Jugendvorsitzende der DLRG Friedrichshain-Kreuzberg.

Sie hatte gerade erst am letzten Wochenende einen Einsatz, da wurde eine Person am Ufer vermisst, die dann aber glücklicherweise wieder aufgetaucht ist. Das sei schon immer aufregend, aber noch dramatischer findet Lene es, wenn im Wasser Personen vermisst werden, dann zählt wirklich jede Sekunde.

Sven ist als Leiter Einsatz dafür verantwortlich, dass die Technik funktioniert, veranlasst entsprechende Reparaturen und sorgt dafür, dass die Wasserrettungsstation immer mit genügend Menschen besetzt ist. Das ist nicht immer einfach, leider zeigt sich auch hier ziemlich deutlich der Nachwuchsmangel. Da ist es schon praktisch, dass alle gut befreundet sind und gern ihre Zeit miteinander verbringen. Außerdem finden hier regelmäßig Jugendeinsatzteam-Tage statt, um Jugendliche für die DLRG zu begeistern - da kommt auch schon mal jede Menge Kunstblut zum Einsatz!

Was an so einem Wochenende los sein wird, ist nie wirklich abzusehen. Bei viel Wind gibt es mehr Segelboot-Unfälle, an heißen Tagen eher vermisste Personen, erzählen die drei.

Schließlich ist die Crew auf der Wasserrettungsstation Rettungsdienst, Feuerwehr und ADAC zugleich. Von Personensuche, medizinischen Notfällen bis hin zum Motorschaden ist alles möglich. Koordiniert werden die Einsätze von der DLRG-Leitstelle. Die wiederum wird von der Feuerwehr informiert wird, wenn die DLRG mit dem Boot einfach schneller vor Ort sein kann, beispielsweise an der Pfaueninsel, wo kein Auto hinkommt.

Um hier im Einsatz zu sein, braucht einen Rettungsschwimmerschein und eine Zusatzausbildung für offene Gewässer. Außerdem muss immer ein ausgebildeter Bootsführer dabei sein, der dann auch den Einsatz vor Ort koordiniert. Und es braucht Leidenschaft: Fürs Schwimmen, für Menschen und vor allem dafür, ehrenamtlich für andere da zu sein!

Transparenzhinweis: Auch wir sind (passive) Mitglieder der DLRG. Wir sind eingetreten, als wir den Rettungsschwimmer-Kurs gemacht haben, anders wäre das nicht gegangen. Aber wir sind Mitglieder geblieben - weil wir es ausgesprochen wichtig finden, dass es diese Organisation gibt!
40 Minuten
Der Sommer ist schon deutlich fortgeschritten, wir machen gerade Urlaub - aber während wir dort so unsere Bahnen ziehen, wollen wir gern mal daran erinnern, wie es eigentlich andere Länder mit dem Schwimmen so handhaben. Deshalb wiederholen wir unsere Folge über Israel. Wir reden hier mit Jörg Poppendieck, der seit 2024 als Korrespondent der ARD immer wieder über das Land im Nahen Osten berichtet und dort regelmäßig schwimmen geht.

Für ihn ist es ein Ausgleich zu der doch sehr anstrengenden Arbeit dort. Oft geht er schon früh am Morgen schwimmen, am liebsten in den ⁠Gordon Pool in Tel Aviv⁠, ein 50-Meter-Schwimmbecken mit Aussicht aufs Mittelmeer. Aber warum braucht es einen Pool, wenn man doch auch im Meer schwimmen könnte? Das hat sich Jörg auch gefragt und herausgefunden, dass beim Bau des Gordon Pools in den 1950er Jahren das Wasser im Meer längst nicht die Qualität hatte wie heute. Damals flossen die Abwässer noch ungeklärt ins Mittelmeer, was heute nur noch bei sehr starken Regenfällen vorkommt, wenn die Kanalisation überlastet ist.

Der Gordon Pool hat das ganze Jahr über geöffnet, bei einer Wassertemperatur von stabilen 24 Grad, leicht salziges Wasser, das jeden Tag frisch aus 150 Meter Tiefe gepumpt wird. Ein öffentliches Bad, von denen es in Israel allerdings nur sehr wenige gibt. Und wenn, dann sind sie sehr teuer, umgerechnet 20 Euro kann man für den Eintritt dort locker loswerden.

Viele gehen deshalb auch lieber ins Mittelmeer - wenn sie denn dort leben. Hier herrscht ein reges Treiben, es gibt Strandspielzeug, das allen zur Verfügung steht, Rettungsschwimmer haben das Geschehen im Auge und Wellenbrecher parallel zur Küste sorgen dafür, dass die Strömung auch für unsichere Schwimmer:innen beherrschbar ist. Quallen und Haie soll es dort zwar auch geben, aber zumindest Jörg hat noch keine gesehen. Für orthodoxe Israelis gibt es getrennte Bereiche für Frauen und Männer am Strand.

Der ⁠Talmud⁠ sagt übrigens, das Erlernen des Schwimmens sei eine lebenswichtige Fertigkeit und ⁠elterliche Pflicht⁠, diese ihren Kindern beizubringen - womit allerdings nur die Söhne gemeint sind. Verpflichtenden Schwimmunterricht an Schulen gibt es nur in Orten, die in der Nähe der Küste liegen. Während in Westjerusalem seit 1967 immerhin 18 kommunale Schwimmbäder gebaut wurden, gibt es in Ostjerusalem kein einziges. 2022 sollte hier endlich ⁠ein modernes Sportzentrum⁠ mit drei Schwimmbecken entstehen, doch dieses Vorhaben wurde durch die Ereignisse am und seit dem ⁠7. Oktober 2023 ⁠erstmal auf Eis gelegt.

Jörg war auch schon mal im ⁠Toten Meer,⁠ mit 30 Prozent Salzgehalt allerdings weniger zum Schwimmen als zum Schweben geeignet. Außerdem gibt es in der Negev-Wüste kleine Oasen, in denen man schwimmen kann - allerdings eher was für Hartgesottene.

Im Spitzensport hat Israel durchaus Erfolge - ⁠Anastasia Gorbenko⁠ gewann 2024 als erste israelische Schwimmerin überhaupt eine Medaille bei Weltmeisterschaften, Silber über 400 Meter Lagen. Seit einiger Zeit gibt es zudem einen großen Olympiastützpunkt nördlich von Tel Aviv.

Jörg erzählt auch, wie es ist, wenn in Israel plötzlich der Alarm ertönt, weil es zu Luftangriffen kommt. Beim Schwimmen ist ihm das noch nicht passiert, allerdings gibt es mittlerweile viele Menschen, die sich so an den Alarm gewöhnt haben, dass sie trotzdem im Meer schwimmen gehen.

Wenn Jörg in Israel ist, berichtet er auch über das Westjordanland und den Gaza-Streifen, auch wenn er dort als Journalist zur Zeit nicht reinkommt. Aber er weiß von Kollegen, dass die wenigen Schwimmbäder und Pools im Gaza-Streifen durch den Krieg zerstört wurden und das Mittelmeer nicht ungefährlich ist. Die Kläranlagen sind ebenfalls kaputt, zudem ist dort die israelische Marine häufig mit Schnellbooten unterwegs.

Im besetzten Westjordanland gibt es zwar Schwimmbäder, aber aufgrund der vielen Checkpoints ist es schwer, dorthin zu gelangen. Und von ⁠Ramallah⁠ aus kann man zwar direkt aufs Mittelmeer schauen - aber hin kommt man nicht.
36 Minuten
Wir machen Urlaub - und wiederholen deshalb eine Folge über ein Land, in dem man nicht nur gut Urlaub machen, sondern auch schwimmen kann. Was allerdings nicht immer ganz einfach ist. Gesprochen haben wir mit Jenny Barke, die ⁠für die ARD ⁠aus Mexiko-Stadt über die Länder der Karibik, Mittelamerika und natürlich Mexiko berichtet. Für ihre Leidenschaft zum Schwimmen ist das Land aber eher suboptimal, obwohl das Land 11.000 Kilometer Küste hat und als große Freischwimmer-Nation gilt. ⁠Mexiko-Stadt⁠ allerdings liegt in einem Tal mitten im Festland - doch von den vielen Seen, die es hier mal gab, ist praktisch nichts mehr übrig. Auch öffentliche Schwimmbäder sind hier Mangelware, Freibäder gibt es gar nicht.

Die Schwimmhalle ⁠Alberca Olímpica Francisco Márquez⁠, einst gebaut für die Olympischen Spiele 1968, wurde zwar 2008 saniert und sieht wirklich beeindruckend aus, um hier schwimmen zu können, muss man allerdings Vereinsmitglied sein. Doch die Wartezeiten sind lang und man braucht nicht nur eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Arzt - das ist auch in Deutschland durchaus üblich - sondern muss auch seine Geburtsurkunde vorlegen. Und dann ist man an feste Slots gebunden. Für Jenny keine Option, weiß sie doch als Korrespondentin nie, wann sie worüber gerade berichten muss.

Bleibt ihr nur einer der recht teuren privaten Fitnessstudios, die sich die meisten Mexikaner allerdings nicht leisten können. Aber auch hier sind die Bedingungen ganz anders, als Jenny es von Berlin her kennt, wo sie im Verein Seitenwechsel regelmäßig trainiert hat (⁠Folge 31⁠). Das Wasser ist um die 30 Grad warm, unter Wasser läuft laute Musik, das Becken ist in der Regel nicht tiefer als 1,20 Meter und eine Bahn meist abgesperrt für Menschen, die gehend ihre Bahnen ziehen, um auf diese Art ihre Muskeln zu trainieren. Bikini ist hier nicht erlaubt und nackt unter der Dusche stehen geht gar nicht.

Jenny macht das Beste draus - und wenn sich die Gelegenheit ergibt, fährt sie an natürliche Gewässer, wie die zahlreichen ⁠Cenoten⁠ - diese Kalksteinhöhlen sind regelrechte Naturpools, die von Wasserfällen mit Süßwasser gespeist werden, zu finden insbesondere auf der Halbinsel Yucatán. Allerdings: Schwimmwesten sind hier Pflicht, das Wasser ist tief und die Gefahr groß, dass sich die Schwimmer:innen überschätzen. In den weit verzweigten Höhlen ist es schwierig, Menschen zu retten, deshalb baut man vor.

Rettungsschwimmer, die das Treiben beobachten und im Zweifel eingreifen, sieht man allerdings selten, hat Jenny beobachtet, auch nicht am Meer. So etwas wie die DLRG gibt es in Mexiko nicht, aber auch keinen verpflichtenden Schwimmunterricht an den Schulen. Wer es sich leisten kann, zahlt seinen Kindern teuren privaten Schwimmunterricht, alle anderen müssen sich das Schwimmen selber beibringen, wenn sie nicht das Glück haben, zufällig von einem sozialen Projekt gefördert zu werden. Und das in einem Land, das zwischen zwei Meeren, dem Atlantik und dem Pazifik liegt.

Und dort ist das Wasser zwar in der Regel für Schwimmer:innen angenehm warm, dafür lauern andere Gefahren: Die Wellen sind mitunter meterhoch, jährlich ertrinken hunderte Menschen, die die Gefahr unterschätzen. Hinzu kommen an der mexikanischen Karibikküste riesige Sargassum-Algenteppiche, in diesem Jahr ist der Befall ⁠besonders groß⁠. Als Hauptursachen gelten Düngemittel aus der Landwirtschaft sowie steigende Wassertemperaturen. Und noch was anderes hat Jenny beim Schwimmen und Tauchen beobachtet: Vor der Küste Mexikos, insbesondere im Karibischen Meer und dem Pazifik, findet eine massive ⁠Korallenbleiche⁠ statt. Anhaltend extreme Wassertemperaturen von bis zu 33 Grad Celsius infolge des Klimawandels führen dazu, dass ganze Riffe absterben.

Trotzdem: Mexiko hat für Schwimmer:innen viel zu bieten. Wenn man entsprechend vorsichtig ist. Und Rücksicht auf die Umwelt nimmt.
25 Minuten
Wir machen Urlaub - allerdings: Während für die eine die Ferien schon vorbei sind, gehen sie für die andere erst los. Aber zwischendurch haben wir uns nochmal gesehen - schließlich gibt es einiges zu besprechen! Und das haben wir getan, während wir im Freibad in aller Ruhe nebeneinander her geschwommen sind (Aufgezeichnet haben wir diese Folge dann allerdings doch erst danach)!

Am Strand von Kreta war jedenfalls genug Zeit, mal ein bisschen zu recherchieren, was in diesem Sommer alles so los ist. Schwer beeindruckt hat uns eine Geschichte aus Anröchte, einer Gemeinde in Soest (NRW). Dort hat eine anonyme Bürgerin nämlich während der gesamten Sommerferien im Waldfreibad die Eintrittsgelder für alle Kinder und Jugendlichen übernommen. Ebenfalls eine herrliche Geschichte ist die von Erpel Emil: Er ist seit Mitte Juli Stammgast im Karlsruher Freibad Rüppurr und angeblich auch ein ständiger Begleiter beim Bahnen ziehen.

Aber Karlsruhe ist ja auch für Tiere im Freibad bekannt - da haben sich auch schon mal Wildschweine hin verirrt.

Was wir auch entdeckt haben - wussten wir halt noch nicht - in Gladbeck gibt es ein 100-Meter-Becken! Coole Sache, müssen wir auch mal ausprobieren! Habt ihr hier vielleicht schon Erfahrung?

Außerdem freuen wir uns schon jetzt auf das Volksbad vor der Berliner Volksbühne. Zur Zeit wird es noch aufgebaut, aber seit dem 4. August kann man sich bereits online zweistündige Zeitslots sichern. Der Eintritt ist kostenfrei, los geht´s am 7. August und dann immer Dienstags, Mittwochs, Freitags und Samstags von 12-20 Uhr, Donnerstags von 13-21 Uhr.

Aber Achtung, auch wenn Rettungsschwimmer:innen am Rand stehen: Der Pool ist 1,30 m tief, man sollte also schon gut schwimmen können. Es gibt Umkleiden, Duschen und Toiletten, Schließfächer, einen Trinkwasserbrunnen - und natürlich Pommes! Wir sind echt gespannt, wie das Ganze ankommt und werden auf jeden Fall hingehen!

Über unseren Urlaub haben wir natürlich auch geredet. Darüber, dass es einem auch im Meer ein wirklich gutes Gefühl gibt, wenn man mit Boje oder dem Restube-Gürtel unterwegs ist. Vor allem frühmorgens, wenn keiner am Strand ist, der einen womöglich untergehen sieht.

Aber auch hierzulande kann man Abenteuer erleben, zum Beispiel wenn man morgens am Strandbad Wannsee vorbei schwimmt. Oder in der Uckermark Wasserwandern macht. Wie auch immer es passieren konnte - das klang so begeisternd, dass wir jetzt zu einer gemeinsamen Tour verabredet sind …

Am Ende reden wir dann noch ein bisschen über den Sinn und Unsinn von Hydrohex-Kursen, worüber wir aber noch ein bisschen nachdenken müssen - bis dahin machen wir erstmal eine kleine Sommerpause. Die nächste aktuelle Folge kommt am 26. August!
29 Minuten
Man kann es nicht anders sagen - es ist einfach ein Elend: Rund 60 Prozent der Grundschulkinder in Deutschland können nicht sicher schwimmen, 20 Prozent können es gar nicht. Wir haben hier im Podcast schon mehrfach darüber berichtet, darüber, dass es zu wenig Schwimmlehrer:innen gibt, zu wenig Kurse und vor allem viel zu wenig Wasserflächen. Zwar ist Schwimmunterricht in Deutschland in der 3. Klasse Pflicht - aber das reicht hinten und vorne nicht, besonders, wenn die Grundschulkinder bis dahin mit Wasser praktisch gar nicht in Berührung gekommen sind (außer zum Waschen natürlich). Hinzu kommt, dass der Unterricht nicht überall verlässlich stattfindet oder stattfinden kann, weil es an Lehrkräften fehlt oder kein Bus zum Schwimmbad fährt - und das, obwohl der Schwimmunterricht in allen Bundesländern fest im Lehrplan verankert ist.

Die Stiftung „Deutschland schwimmt“ will das ändern und setzt sich dafür ein, dass Schwimmen lernen ein Grundrecht wird. Mit dem Gründer der Stiftung, Alexander Gallitz haben wir in Folge 90 schon mal gesprochen, er ist zudem der Präsident des Deutschen Schwimmlehrerverbandes, ihm liegt besonders am Herzen, dass auch Kinder mit Beeinträchtigungen sicher und angstfrei schwimmen lernen. Zudem ist für unseren Podcast auch Sabine Kurz zur lieb gewonnenen Gesprächspartnerin geworden, nach 30 Jahren als Managerin bei Siemens steuert sie nun die Geschicke von „Deutschland schwimmt“.

Heute haben wir aber einen ganz besonderen Anlass, um zu viert miteinander zu sprechen - „Deutschland schwimmt“ und die Chlorgesänge sind nämlich ab sofort Kooperationspartner! Völlig gemeinnützig und nicht kommerziell, aber gemeinsam wollen wir die Themen Schwimmsicherheit und Schwimmen lernen noch viel stärker an die Öffentlichkeit tragen.

Bei der Gelegenheit erzählt Sabine von ihrer aktuellen Aktion „Planschen, lernen, sicher werden, die zur Zeit bundesweit in 500 Kindergärten stattfindet. Mit dabei: Die Schwimmpuppe Lizzie, mit der wir uns auch schon ganz herrlich vergnügt haben!

Alex wiederum freut sich darüber, dass die Stiftung immer mehr Inklusions-Schwimmlehrer:innen ausbilden kann, erst kürzlich allein 60 in Hamburg. 400 ausgebildete Schwimmlehrer:innen sind es mittlerweile insgesamt, und das in einem Zeitraum von gut drei Jahren. Da ist die Stiftung zu recht sehr stolz drauf. In Planung ist zudem, eine Plattform zu schaffen, auf der Eltern mit beeinträchtigten Kindern gezielt weitergeholfen wird, wenn sie einen Schwimmkurs für ihr Kind suchen.

Auch pädagogisches Fachpersonal wird von der Stiftung in Sachen Wassergewöhnung ausgebildet - und dafür braucht man noch nicht mal ein Schwimmbad! Schwimmen im Freiwasser ist ebenfalls ein Thema für die Stiftung. Und dass der Speaker und Para-Schwimmer Janis McDavid durch die Stiftung überhaupt erst schwimmen gelernt hat und mittlerweile Weltrekorde erzielt, ist für uns alle immer noch der Wahnsinn!

Ende Oktober soll zusammen mit Round Table 44 ein Charity-24-Stunden-Schwimmen stattfinden, Schirmherrin wird Britta Steffen sein. Das Ziel: Schwimmsicherheit für Berliner Kinder, mit den Spenden soll Schwimmunterricht finanziert werden. Aber auch so freut sich die Stiftung immer über Spenden - jeder Euro zählt.

Denn das Ziel ist am Ende immer, dass ein weiteres Kind schwimmen lernt.
30 Minuten
Martin Tschepe liebt das Freiwasser - und ganz besonders den Neckar. So sehr, dass er vor einigen Jahren zusammen mit seinem Freund Volker den ganzen Fluss entlang geschwommen ist - über 300 Kilometer in knapp zwei Wochen. Von Sulz durch Stuttgart und Ludwigsburg bis nach Mannheim. Und das, obwohl in dem Fluss das Baden streckenweise verboten ist - in Stuttgart zum Beispiel. Aber das hat die beiden nicht gestört: Sie wollten zeigen, was für ein großartiges Naherholungsgebiet so ein Fluss sein kann - und haben nebenher noch Spenden gesammelt, damit Menschen mit Behinderung Schwimmtraining bekommen können.

Genannt hat Martin das Projekt „Bahn neun“. Denn wenn der Bademeister in seiner Jugend das Freibad direkt neben dem Neckar schloss, sagte er immer: „Jetzt habt ihr nur noch Bahn neun“.

Allerdings - in den 1970er Jahren kam das noch überhaupt nicht in Frage, zu verdreckt war der Neckar, der immerhin der zwölftgrößte Fluss Deutschlands ist. Aber offenbar hat Martin dieser Gedanke nicht mehr losgelassen.

Heute ist der Fluss an vielen Stellen deutlich sauberer, zum Baden freigegeben ist er trotzdem nicht überall. Dabei wäre diese kostenlose Möglichkeit in Zeiten des Klimawandels gerade in Großstädten wie Stuttgart so wichtig, findet Martin. Er selber schwimmt das ganze Jahr über im Neckar, auch bei knapp zwei Grad Wassertemperatur. Möglichst nie allein und immer mit Boje. Früher im Neoprenanzug, heute auch ohne - denn Martin ist mittlerweile Weltmeister im Eisschwimmen, erst im März dieses Jahres hat er sich im finnischen Oulu zweimal den Titel geholt, in 200 und 450 Meter Freistil.

Überhaupt - der Mann hat eine echte Seen-Sucht: Vom Bodensee bis zur Müritz hat er schon sehr viele Seen in Deutschland durchschwommen und auch Salzwasser ist für ihn kein Problem: Er hat am Sylter Küstenschwimmen teilgenommen, ist nicht nur von Föhr nach Sylt gekrault, sondern war auch im Mittelmeer und im Atlantik unterwegs.

Wenn Martin nicht gerade schwimmend unterwegs ist, schreibt er als freier Journalist unter anderem für den Staatsanzeiger oder swim.de. Was er beim Schwimmen schon so alles erlebt hat, hat er in seinem Buch „Im Element - Geschichten vom Schwimmen“ beschrieben. Und er arbeitet für die Stuttgarter Josef Wund Stiftung, die sich für sauberes Wasser und fürs Schwimmen lernen einsetzt.

An dem Morgen unseres Gesprächs ist er auch schon startbereit: Allerdings geht es diesmal weder in den Fluss noch in einen See, sondern ganz bodenständig ins Freibad. Denn wer ein guter Schwimmer im Freiwasser sein will, sagt Martin, der muss dafür im Becken trainieren.
45 Minuten
Dass er vermutlich als Eiswürfel zur Welt gekommen ist, hat der österreichische Extremsportler Josef Köberl mal im Scherz gesagt - aber wenn man seine Geschichte kennt, hat man schon den Eindruck, dass da was dran sein könnte. Josef hat als erster Österreicher die Eismeile geschafft, also 1609 Meter in unter fünf Grad kaltem Wasser, er ist Präsident des österreichischen Eisschwimmverbandes und in seinem Schlafzimmer steht tatsächlich eine Gefriertruhe, in die er sich zu Trainingszwecken immer wieder reinsetzt.

Klingt super, wenn man gerade unter der Hitze ächzt - ist aber natürlich ganz und gar nicht ungefährlich. Um solch niedrige Temperaturen aushalten zu können, muss man trainieren, auch Josef Köberl. Er hat einst mit dem Langstreckenschwimmen begonnen, aber nach dem Schwimmen durch den Ärmelkanal im Jahr 2015 war ihm klar - kalte Temperaturen sind sein Ding. Auch wenn es bis heute eine Art Hassliebe ist. Denn wenn er in sehr kaltes Wasser steigt, also um die null Grad, hat er bis heute sehr große Schmerzen.

Aber, sagt Josef - dieser Schmerz dauert vielleicht 20 Sekunden. Und dann sei es einfach nur großartig. Während des Schwimmens und auch danach, Dopamin sei Dank!

Aber auch er stellt fest - es geht nicht immer. Deshalb achtet Josef ständig darauf, wie es ihm tatsächlich geht. Wenn sich irgendwas komisch anfühlt, bricht er das Schwimmen auch wieder ab.

Er schwimmt immer mit Boje - und gibt den wichtigen Hinweis, gerade im Eiswasser immer mit offener Boje zu schwimmen, also nicht mit einer, wo man erst noch die Reißlinie ziehen muss. Wenn der Körper reagiert, dann geht es meist zu schnell, als dass man noch auf das Sichaufblasen der Boje warten könnte.

Josef trainiert nicht nur seine eigenen Fähigkeiten, sondern auch andere Menschen, die sich ins kalte Wasser trauen. Im Natureispalast am Hintertuxer Gletscher kann man Eisbaden mit Josef buchen. Allerdings - ein bisschen Erfahrung sollte man schon haben, hier liegt die Wassertemperatur eigentlich immer rund um den Gefrierpunkt oder niedriger. Vor allem der so genannte Afterdrop ist gefährlich, wenn das kalte Blut aus den Extremitäten zurück in den Rumpf fließt.

Josef war Hochalpinist beim Militär, er hat Erfahrung mit den Bergen, deshalb kann er viele Situationen sehr gut einschätzen. Wenn er nicht gerade im Eiswasser ist, arbeitet er als verbeamteter Qualitätsmanager für Luftfahrtsicherheit im österreichischen Klimaschutzministerium.

Josef hat nicht nur österreichische Rekorde aufgestellt, sondern auch einen Weltrekord:

Dass er es geschafft hat, zu Beginn der Corona-Zeit zweieinhalb Stunden in einer Tonne mit Eiswürfeln zu verbringen, hat ihm einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde verschafft.

Gerade ist er einmal rund um Manhattan geschwommen - da war das Wasser für seine Verhältnisse mit 17 bis 20 Grad ziemlich warm. Sein nächstes Ziel: Die Ocean´s Seven zu vollenden. Im August ist der Santa-Catalina-Kanal dran, voraussichtlich in diesem Jahr auch noch die Tsugura-Straße in Japan. Dann fehlt ihm nur noch der Kaiwi-Kanal in Hawai - aber davor hat er großen Respekt. Das Wasser ist rund 30 Grad warm, zu kälteren Jahreszeiten schwimmen aber auch keine Alternative. Denn dann ist dort der sogenannte Cooki Cutter Shark unterwegs. Was lieblich klingt, ist sehr gefährlich: Der Hai heißt nämlich deshalb so, weil er beim Angriff mit Hilfe seines Gebisses ganze Stücke aus dem Fleisch des anderen reißt.

Am Ende wird Josef aber auch das nicht abhalten. Seine eigenen Grenzen immer wieder zu verschieben - das findet er einfach großartig. Die größte Hürde ist für ihn eher das Geld, denn all diese Unternehmungen kosten Tausende von Euro. Warum er auf Spenden angewiesen ist und warum seine Lebensgefährtin für ihn bei all seinen Unternehmungen die größte Stütze ist - auch davon erzählt er in dieser Folge.