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Beschreibung
vor 2 Tagen
Thema der Folge
Echinokokkose ist eine parasitäre Erkrankung durch Bandwürmer:
• Echinococcus granulosus zystische Echinokokkose
• Echinococcus multilocularis alveoläre Echinokokkose
Klinisch entscheidend: Beide Formen unterscheiden sich deutlich
in Wachstum, Prognose und Therapie.
Merksatz
• E. granulosus: eher singuläre, gut abgrenzbare Zyste
• E. multilocularis: infiltratives, destruierendes Wachstum,
tumorähnlich
Übertragung und Lebenszyklus
Der Mensch ist ein Fehlwirt und infiziert sich durch orale
Aufnahme von Wurmeiern:
• direkt über Kontakt mit infiziertem Tierkot oder Fell
• indirekt über kontaminierte Erde oder Hände
Wichtig für die Aufklärung:
• Infektion nicht durch Verzehr von Zysten im Fleisch
• Leber ist am häufigsten betroffen, da Ausbreitung über die
Pfortader erfolgt
Klinische Manifestation
Zystische Echinokokkose:
• meist einzelne Leberzyste
• Leberbefall in ca. 70 Prozent
• Lungenbefall in ca. 20 Prozent
• oft lange asymptomatisch
• Symptome: Oberbauchschmerz, Druckgefühl, Husten, Dyspnoe
• Ruptur kann Anaphylaxie oder akute Komplikationen auslösen
Alveoläre Echinokokkose:
• fast immer initial Leberbefall
• infiltratives Wachstum mit Gewebszerstörung
• mögliche Folgen: Cholestase, portale Hypertension, Zirrhose
• Ausbreitung in andere Organe möglich
Epidemiologie
• E. granulosus: weltweit verbreitet, in Europa v. a.
Mittelmeerraum und Südosteuropa
• E. multilocularis: Nordhalbkugel, in Europa v. a. Mitteleuropa
• Deutschland: jeweils etwa 50 Fälle pro Jahr, bei E. granulosus
teils auch 50 bis 100
Diagnostik
Entscheidend ist, früh an die Diagnose zu denken.
Labor:
• Eosinophilie oder erhöhtes IgE möglich
• auch Leukopenie, Thrombozytopenie, Leberwerterhöhung
• insgesamt unspezifisch
Serologie:
• ELISA, indirekte Hämagglutination, Immunfluoreszenz
• wichtig: negative Serologie schließt Echinokokkose nicht aus
Bildgebung:
• Ultraschall ist meist der erste Schritt
• zystische Form: unilokuläre Zyste, Tochterzysten, Septen,
Wandverkalkungen
• alveoläre Form: unscharfe, infiltrative Läsionen, Nekrosen,
irreguläre Verkalkungen
• CT/MRT zur Ausdehnungsdiagnostik und Therapieplanung
️ Wichtiger Praxispunkt
Bei Verdacht auf Echinokokkose keine unüberlegte diagnostische
Punktion:
• Risiko der Erregerverschleppung
• Risiko schwerer allergischer Reaktionen bis zur Anaphylaxie
Therapieplanung gehört in erfahrene Zentren.
Therapie
Zystische Echinokokkose:
• häufig operative Resektion kurativ
• in ausgewählten Fällen interventionelles Vorgehen möglich
• bei Inoperabilität oder Streuung: medikamentöse Therapie
Alveoläre Echinokokkose:
• nur ein Teil der Fälle kurativ resezierbar
• nach Resektion langfristig Albendazol
• bei inoperablen Fällen: Albendazol als palliative
Standardtherapie
• oft sehr langfristig, teils lebenslang
Medikamente
Albendazol:
• Mittel der ersten Wahl
• 10 bis 15 mg/kgKG/Tag
• bei Erwachsenen oft 400 mg zweimal täglich
• Einnahme mit fettreicher Mahlzeit
• wirkt v. a. parasitostatisch
Mebendazol:
• zweite Wahl
• 40 bis 50 mg/kgKG/Tag
Kontrollen unter Therapie:
• Transaminasen
• Bilirubin
• Blutbild
• besonders zu Beginn engmaschig
Take-home-Punkte
• Unklare Leberzyste oder infiltrative Leberläsion? Immer an
Echinokokkose denken
• Tochterzysten und Verkalkungen sind wichtige
Bildgebungshinweise
• Negative Serologie beruhigt nicht sicher
• Keine reflexhafte Punktion
• Albendazol ist Standard, oft als Langzeittherapie
• Die alveoläre Form ist prognostisch deutlich ernster als die
zystische
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