Umgang mit fremdaggressivem Verhalten im medizinischen Alltag

Umgang mit fremdaggressivem Verhalten im medizinischen Alltag

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Beschreibung

vor 1 Tag

Thema der Folge


Umgang mit fremdaggressivem Verhalten im medizinischen Alltag –
relevant in Notaufnahme, Station, Psychiatrie, Rettungsdienst,
Hausarztpraxis und Intensivmedizin.





️ Grundprinzipien


Eigenschutz hat immer Priorität.


Nie allein in potenziell gefährliche Situationen gehen.


Früh Unterstützung holen: Team, Pflege, Sicherheitsdienst, ggf.
Polizei.


Immer so positionieren, dass ein Rückzug möglich bleibt.





️ Fremdaggressives Verhalten: wichtige Ursachen





Aggression ist ein Symptom, keine Diagnose.





Mögliche Hintergründe:


• Psychose, Manie, Persönlichkeitsstörung


• Intoxikation, Entzug, Alkoholentzugsdelir


• Delir, Demenz, hirnorganisches Psychosyndrom


• Hypoglykämie, Hypoxie


• Schädel-Hirn-Trauma, Enzephalitis, zerebrale Ischämie


• Massive psychosoziale Krise





Vorbereitung und Teamorganisation


Wenn möglich vorab:


• Informationen zur Vorgeschichte einholen


• gefährliche Gegenstände entfernen


• Unbeteiligte aus der Situation bringen


• Medikamente und Monitoring vorbereiten


• Rollen im Team festlegen: spricht, beobachtet, dokumentiert,
alarmiert





Ein Hauptansprechpartner ist meist am sinnvollsten.





️ Deeskalation


Deeskalation ist eine zentrale Intervention.





Wichtige Elemente:


• ruhig, klar, respektvoll, selbstsicher auftreten


• offene Körperhaltung, Hände sichtbar


• Abstand halten, nicht bedrängen, nicht umzingeln


• kurze, einfache, wiederholte Botschaften


• aktiv zuhören, Gefühle benennen, Ich-Botschaften nutzen


• Wahlmöglichkeiten anbieten, um Kontrolle zurückzugeben





🩺 Diagnostik nicht vergessen


Basisdiagnostik je nach Sicherheit der Situation:


• Eigen- und Fremdanamnese


• psychopathologischer Befund


• internistische und neurologische Untersuchung


• Vitalparameter


• Blutzucker immer mitdenken


• Labor, Drogenscreening, EKG bei Bedarf


• bei spezieller Fragestellung: cCT, MRT, EEG





Besonders wichtig: Bei älteren Menschen mit neuer Agitation immer
zuerst an Delir denken.





️ Rechtliche Aspekte


Entscheidend ist die Einordnung in einen Krankheitskontext.


• keine krankheitsbedingte Aggression: Polizei/Vollzugsbehörden


• krankheitsbedingte somatische Ursache: ggf. rechtfertigender
Notstand


• krankheitsbedingte psychiatrische Ursache: Unterbringung nach
Landesrecht prüfen





Für Maßnahmen gegen den Willen der Person braucht es eine
belastbare rechtliche Grundlage.





️ Zwangsmaßnahmen


Nur ultima ratio bei akuter Gefährdung.


Mögliche Maßnahmen:


• Festhalten


• Isolation


• Fixierung





Grundsätze:


• so kurz wie möglich


• ausreichend geschultes Personal


• kontinuierliche Überwachung


• Bauchlage vermeiden


• lückenlose Dokumentation


• Nachbesprechung mit Patient und Team





Medikamentöse Krisenintervention


Ziel: ausreichende Beruhigung für sichere Diagnostik, Therapie
und Transport – nicht Bestrafung.





Bevorzugt:


• freiwillige orale oder inhalative Gabe vor i.m./i.v.


• schnell wirksame, gut steuerbare Substanzen





Wichtige Gruppen:


• Antipsychotika: z. B. Haloperidol, Promethazin, Aripiprazol


• Benzodiazepine: z. B. Lorazepam, Midazolam, Diazepam





Wichtige Cave:


• Kombination Antipsychotikum + Benzodiazepin nur ausnahmsweise


• bei oraler Antikoagulation keine i.m.-Injektion


• nach i.v./i.m.-Sedierung engmaschiges Monitoring von
Bewusstsein, Atmung, Kreislauf





Dokumentation und Nachsorge


Dokumentiert werden sollten:


• konkretes beobachtbares Verhalten


• Deeskalationsversuche


• Alternativen


• Diagnostik


• Medikation, Wirkung, Nebenwirkungen


• Monitoring


• Begründung von Zwangsmaßnahmen





Nach dem Vorfall:


• Nachbesprechung mit der betroffenen Person


• Team-Debriefing


• bei Übergriffen auf Personal: medizinische Versorgung, Meldung,
betriebsärztliche/psychologische Unterstützung, ggf. Anzeige





Take-home-Messages


• Geh nie allein hinein.


• Deeskaliere ruhig, klar und mit Abstand.


• Denke immer auch an somatische Ursachen.


• Blutzucker und Vitalparameter nicht vergessen.


• Zwangsmaßnahmen nur als letztes Mittel.


• Gute Dokumentation schützt Patienten und Behandelnde.
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