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  4. Umgang mit fremdaggressivem Verhalten im medizinischen Alltag
Thema der Folge

Umgang mit fremdaggressivem Verhalten im medizinischen Alltag –
relevant in Notaufnahme, Station, Psychiatrie, Rettungsdienst,
Hausarztpraxis und Intensivmedizin.

️ Grundprinzipien

Eigenschutz hat immer Priorität.

Nie allein in potenziell gefährliche Situationen gehen.

Früh Unterstützung holen: Team, Pflege, Sicherheitsdienst, ggf.
Polizei.

Immer so positionieren, dass ein Rückzug möglich bleibt.

️ Fremdaggressives Verhalten: wichtige Ursachen

Aggression ist ein Symptom, keine Diagnose.

Mögliche Hintergründe:

• Psychose, Manie, Persönlichkeitsstörung

• Intoxikation, Entzug, Alkoholentzugsdelir

• Delir, Demenz, hirnorganisches Psychosyndrom

• Hypoglykämie, Hypoxie

• Schädel-Hirn-Trauma, Enzephalitis, zerebrale Ischämie

• Massive psychosoziale Krise

Vorbereitung und Teamorganisation

Wenn möglich vorab:

• Informationen zur Vorgeschichte einholen

• gefährliche Gegenstände entfernen

• Unbeteiligte aus der Situation bringen

• Medikamente und Monitoring vorbereiten

• Rollen im Team festlegen: spricht, beobachtet, dokumentiert,
alarmiert

Ein Hauptansprechpartner ist meist am sinnvollsten.

️ Deeskalation

Deeskalation ist eine zentrale Intervention.

Wichtige Elemente:

• ruhig, klar, respektvoll, selbstsicher auftreten

• offene Körperhaltung, Hände sichtbar

• Abstand halten, nicht bedrängen, nicht umzingeln

• kurze, einfache, wiederholte Botschaften

• aktiv zuhören, Gefühle benennen, Ich-Botschaften nutzen

• Wahlmöglichkeiten anbieten, um Kontrolle zurückzugeben

🩺 Diagnostik nicht vergessen

Basisdiagnostik je nach Sicherheit der Situation:

• Eigen- und Fremdanamnese

• psychopathologischer Befund

• internistische und neurologische Untersuchung

• Vitalparameter

• Blutzucker immer mitdenken

• Labor, Drogenscreening, EKG bei Bedarf

• bei spezieller Fragestellung: cCT, MRT, EEG

Besonders wichtig: Bei älteren Menschen mit neuer Agitation immer
zuerst an Delir denken.

️ Rechtliche Aspekte

Entscheidend ist die Einordnung in einen Krankheitskontext.

• keine krankheitsbedingte Aggression: Polizei/Vollzugsbehörden

• krankheitsbedingte somatische Ursache: ggf. rechtfertigender
Notstand

• krankheitsbedingte psychiatrische Ursache: Unterbringung nach
Landesrecht prüfen

Für Maßnahmen gegen den Willen der Person braucht es eine
belastbare rechtliche Grundlage.

️ Zwangsmaßnahmen

Nur ultima ratio bei akuter Gefährdung.

Mögliche Maßnahmen:

• Festhalten

• Isolation

• Fixierung

Grundsätze:

• so kurz wie möglich

• ausreichend geschultes Personal

• kontinuierliche Überwachung

• Bauchlage vermeiden

• lückenlose Dokumentation

• Nachbesprechung mit Patient und Team

Medikamentöse Krisenintervention

Ziel: ausreichende Beruhigung für sichere Diagnostik, Therapie
und Transport – nicht Bestrafung.

Bevorzugt:

• freiwillige orale oder inhalative Gabe vor i.m./i.v.

• schnell wirksame, gut steuerbare Substanzen

Wichtige Gruppen:

• Antipsychotika: z. B. Haloperidol, Promethazin, Aripiprazol

• Benzodiazepine: z. B. Lorazepam, Midazolam, Diazepam

Wichtige Cave:

• Kombination Antipsychotikum + Benzodiazepin nur ausnahmsweise

• bei oraler Antikoagulation keine i.m.-Injektion

• nach i.v./i.m.-Sedierung engmaschiges Monitoring von
Bewusstsein, Atmung, Kreislauf

Dokumentation und Nachsorge

Dokumentiert werden sollten:

• konkretes beobachtbares Verhalten

• Deeskalationsversuche

• Alternativen

• Diagnostik

• Medikation, Wirkung, Nebenwirkungen

• Monitoring

• Begründung von Zwangsmaßnahmen

Nach dem Vorfall:

• Nachbesprechung mit der betroffenen Person

• Team-Debriefing

• bei Übergriffen auf Personal: medizinische Versorgung, Meldung,
betriebsärztliche/psychologische Unterstützung, ggf. Anzeige

Take-home-Messages

• Geh nie allein hinein.

• Deeskaliere ruhig, klar und mit Abstand.

• Denke immer auch an somatische Ursachen.

• Blutzucker und Vitalparameter nicht vergessen.

• Zwangsmaßnahmen nur als letztes Mittel.

• Gute Dokumentation schützt Patienten und Behandelnde.
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„Umgang mit fremdaggressivem Verhalten im medizinischen Alltag“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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