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Beschreibung
vor 3 Tagen
🩸 Hämochromatose auf einen Blick
Häufigste genetische Eisenspeicherkrankheit, meist gut
behandelbar – wenn sie früh erkannt wird. Die Kernbotschaft:
früh daran denken, richtig diagnostizieren, konsequent entleeren.
Definition und Pathophysiologie
Hämochromatose gehört zu den Siderosen, also Eisenüberladungen
des Körpers. Überschüssiges Eisen wird gewebetoxisch und lagert
sich in Organen ab.
Wichtig:
• primäre Siderose = angeboren, v. a. hereditäre Hämochromatose
• sekundäre Siderose = erworben, z. B. bei Transfusionen oder
ineffektiver Erythropoese
Zentraler Mechanismus der HFE-Hämochromatose:
zu wenig bzw. unangemessen niedriges Hepcidin gesteigerte
intestinale Eisenaufnahme.
Genetik
Meist gemeint: HFE-Hämochromatose
• häufigste Mutation: C282Y
• weitere Variante: H63D
Klinisch am relevantesten:
• homozygote C282Y-Mutation
Wichtig:
Genetik allein reicht nicht zur Diagnose. Wegen unvollständiger
Penetranz braucht es zusätzlich den laborchemischen Nachweis der
Eisenüberladung.
Wann daran denken?
Frühsymptome sind oft unspezifisch:
• Fatigue, Leistungsminderung
• Arthralgien
• leicht erhöhte Leberwerte
Typisch:
Beschwerden an den MCP-Gelenken II und III.
Auch denken bei:
• unklarer Hyperferritinämie
• frühem Diabetes
• Kardiomyopathie unklarer Ursache
• endokrinen Störungen wie Libidoverlust, Amenorrhö,
Hypogonadismus
Diagnostik
Erster Schritt:
• Ferritin
• Transferrinsättigung
Verdächtig:
• Transferrinsättigung > 45 %
• Ferritin > 300 µg/l bei Männern und postmenopausalen Frauen
• Ferritin > 200 µg/l bei prämenopausalen Frauen
Merksatz:
Erhöhtes Ferritin allein ist keine Hämochromatose.
Spricht für Eisenüberladung:
• Ferritin erhöht
• Transferrinsättigung erhöht
Spricht eher dagegen:
• isolierte Hyperferritinämie bei normaler Transferrinsättigung
Dann an andere Ursachen denken:
Entzündung, Infektion, Alkohol, Lebererkrankung, metabolisches
Syndrom, Autoimmunerkrankungen, hämatologische Erkrankungen.
Diagnosesicherung
Gesichert ist die HFE-Hämochromatose durch:
laborchemische Eisenüberladung + homozygote C282Y-Mutation
Ergänzend:
• Transaminasen
• großes Blutbild, ggf. Retikulozyten
• organspezifische Diagnostik je nach Manifestation
Organabklärung
Leber:
• MRT zur Eisenquantifizierung bevorzugt
• Sonografie, ggf. Elastografie
Weitere Abklärung:
• Nüchternglukose / Diabetesdiagnostik
• EKG, Echokardiografie, ggf. kardiale MRT
• endokrine Achsen bei klinischem Verdacht
Auch wichtig:
Screening von Verwandten ersten Grades.
Therapie
Therapie der ersten Wahl: Aderlass (Phlebotomie)
Typisch:
• 400–500 ml pro Sitzung
• in der Induktionsphase meist alle 1–2 Wochen
• Ziel-Ferritin: ca. 50 µg/l
Kontrollen:
• Hämoglobin vor jedem Aderlass
• Ferritin regelmäßig zur Steuerung
Begleitmaßnahmen
Sinnvoll, aber nicht ersetzend:
• keine Eisenpräparate ohne Indikation
• Vitamin-C-Präparate meiden
• Alkohol reduzieren, v. a. bei Leberbeteiligung
• rohe Meeresfrüchte meiden
• Ernährung unterstützt, ersetzt aber nie die Entleerungstherapie
Prognose und Nachsorge
Bei frühem Therapiebeginn ist eine normale Lebenserwartung
möglich. Bereits entstandene Schäden – besonders Arthropathie und
Zirrhose – sind oft nicht vollständig reversibel.
Nachsorge:
• Ferritin und Transferrinsättigung meist alle 6 Monate
• organbezogene Kontrollen je nach Befund
• bei Zirrhose: HCC-Screening alle 6 Monate
Take-home-Messages
• Hämochromatose ist die häufigste genetische
Eisenspeicherkrankheit.
• Diagnostisch entscheidend sind Transferrinsättigung + Ferritin,
nicht Ferritin allein.
• Gesicherte Diagnose: Eisenüberladung im Labor plus passende
HFE-Genetik.
• Therapie der Wahl ist der Aderlass.
• Nicht jedes hohe Ferritin ist eine Hämochromatose – aber ohne
Transferrinsättigung wird sie leicht übersehen.
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