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Beschreibung
vor 4 Tagen
Morbus Wilson auf einen Blick
Seltene, autosomal-rezessive Störung des Kupferstoffwechsels
durch Mutationen im ATP7B-Gen. Entscheidend: behandelbar – aber
nur, wenn früh daran gedacht wird.
Wann daran denken?
Morbus Wilson immer mitdenken bei:
• jungen Patientinnen und Patienten mit unklar erhöhter
Transaminase
• unklarer Hepatitis, Zirrhose oder akutem Leberversagen
• extrapyramidalen Bewegungsstörungen vor dem 45. Lebensjahr
• Tremor, Dysarthrie, Dystonie, Ataxie oder Dysphagie
• psychiatrischen Auffälligkeiten plus Leberwertveränderungen
oder neurologischen Symptomen
Pathophysiologie
Gestörte biliäre Kupferausscheidung und verminderter Einbau in
Coeruloplasmin führen zu Anstieg von freiem Kupfer. Ablagerung v.
a. in:
• Leber
• Hornhaut
• ZNS, besonders Basalganglien
• Erythrozyten
• weiteren Organen
️ Multisystemerkrankung mit oft unscharfem klinischem Bild
🫀 Klinik
Hepatisch:
• asymptomatische Transaminasenerhöhung
• Hepatomegalie, Splenomegalie, Fettleber
• akute, chronische oder fulminante Hepatitis
• Leberzirrhose
• Ikterus, Aszites, Pruritus
• hepatische Enzephalopathie, Asterixis
Neurologisch:
• akinetisch-rigides Parkinson-Syndrom
• Tremor
• Chorea, Dystonien
• Dysarthrie, Dysphagie
• Ataxie, Nystagmus
• Feinmotorik- und Gangstörungen
Psychiatrisch:
• Reizbarkeit, Impulsivität, affektive Labilität
• Depression, Psychose
• kognitive Defizite bis Demenz
️ Typische Befunde
• Kayser-Fleischer-Kornealring: stark hinweisend, aber nicht
obligat
• selten Sonnenblumenkatarakt
Diagnostik
Die Diagnose ergibt sich aus der Gesamtkonstellation, nicht aus
einem Einzelwert.
Wichtige Bausteine:
• Anamnese inkl. Familienanamnese
• klinische Untersuchung
• Spaltlampenuntersuchung
• Leberwerte, Gerinnung, Albumin, Blutbild, Kreatinin
• Serum-Coeruloplasmin: oft erniedrigt, aber nicht beweisend
• 24-Stunden-Urin-Kupfer: bei Erwachsenen >100 µg/24 h
pathologisch
• relatives austauschbares Kupfer (REC): >15 % pathologisch,
>18,5 % stark verdächtig
• Molekulargenetik: ATP7B
• cMRT bei neurologischer Symptomatik
• Sonographie Abdomen
• ggf. Leberbiopsie mit hepatischer Kupferbestimmung
️ Wichtige Stolpersteine
• Coeruloplasmin kann trotz Wilson normal sein
• falsch gesammelter 24-Stunden-Urin verfälscht Ergebnisse
• fehlender Kayser-Fleischer-Ring schließt die Diagnose nicht aus
Therapie
Drei Säulen:
• kupferarme Ernährung
• medikamentöse Therapie
• Lebertransplantation im Extremfall
Chelattherapie:
• D-Penicillamin: wirksam, aber nebenwirkungsreich
• langsam einschleichend über Monate, um neurologische
Verschlechterung zu vermeiden
• Pyridoxin-Substitution beachten
• Trientine als Alternative, oft besser verträglich
Zink:
• vermindert intestinale Kupferresorption
• besonders bei asymptomatischen Verläufen, Schwangerschaft,
Erhaltungstherapie
Ernährung:
• kupferreiche Lebensmittel meiden: Innereien, Schalentiere,
Nüsse, Kakao, Schokolade, Pilze, manche Trockenfrüchte
• auf kupferhaltiges Trinkwasser achten
Monitoring
Regelmäßig kontrollieren:
• Klinik und Adhärenz
• Blutbild
• Leberwerte
• Nierenfunktion
• Urinstatus
• Kupferstoffwechselparameter, v. a. 24-Stunden-Urin-Kupfer
Therapie ist lebenslang. Absetzen kann zu schwerer
Verschlechterung führen.
Take-home
• Junge Menschen mit Leber + Neuro/Psyche: immer an Morbus Wilson
denken
• Nie auf einen Einzelwert verlassen
• Früh behandeln, konsequent kontrollieren
• Selten, aber hochrelevant – weil behandelbar
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