đź«€ Thema & Definition
AV-Knoten-Reentrytachykardie (AVNRT): häufigste paroxysmale
supraventrikuläre Tachykardie (SVT), anfallsartig, meist
regelmäßig, abrupt beginnend und abrupt endend.
Pathophysiologie (Reentry im AV-Knoten)
- Funktionelle Doppelbahn im AV-Knoten: „schnelle“ und „langsame“
Leitungsbahn
- Reentry-Schleife im AV-Knotenbereich hält die Tachykardie
aufrecht
Abgrenzung: AVNRT vs. AVRT
- AVNRT: Reentry innerhalb des AV-Knotens (dual pathways)
- AVRT: akzessorische Bahn auĂźerhalb des AV-Knotens (z.B. WPW)
klinisch/therapeutisch relevant
Klinik: typische Symptome
- Plötzliches, regelmäßiges Herzrasen (Minuten bis Stunden)
- Palpitationen, Thoraxenge/-druck, Unruhe, Schwindel,
Leistungsminderung, Dyspnoe
- Synkope möglich (v.a. hohe Frequenzen/vulnerable Patient:innen)
- Prüfungsdetail: Harndrang während/nach Attacke durch
ANP-AusschĂĽttung
🩺 Anamnese: Schlüsselfragen
- Abrupter Beginn/Ende? Regelmäßig oder unregelmäßig?
- Dauer, Trigger (Extrasystolen; Koffein, Alkohol, Stimulanzien)
- Begleitsymptome: Thoraxschmerz, Dyspnoe, Schwindel, Synkope
- Vorerkrankungen, Medikation
EKG-Merkmale
- Zwischen Attacken oft unauffällig (normales Ruhe-EKG schließt
AVNRT nicht aus)
- In der Attacke: regelmäßige schmale QRS-Tachykardie, ca.
150–220/min
- P-Wellen häufig nicht sichtbar (atriale/ventrikuläre
Aktivierung nahezu gleichzeitig), ggf. direkt nach/kurz vor QRS
Differenzialdiagnosen
- AVRT (QRS schmal oder breit je nach Leitung)
- Atrialer Tachykardie
- Sinustachykardie (meist nicht abrupt; oft Trigger wie Fieber,
Schmerz, Hypovolämie, Hyperthyreose, Angst)
- Grundsatz: regelmäßige Breitkomplextachykardie bis zum Beweis
des Gegenteils als ventrikuläre Tachykardie behandeln
Akutmanagement: zuerst Hämodynamik
Instabil (Hypotonie, Ischämiezeichen/Brustschmerz, Lungenstauung,
schwere Dyspnoe, Bewusstseinsstörung/Synkope):
- Sofort synchronisierte elektrische Kardioversion (typisch
initial 100 J, ggf. eskalieren), wenn möglich Analgosedierung
Stabil (regelmäßig, schmal):
1) Vagusmanöver
- bevorzugt: modifiziertes Valsalva (15 s pressen, dann rasch
RĂĽckenlage + Beine hoch)
- Karotissinusmassage nur bei fehlenden Kontraindikationen (keine
Karotisstenose/-geräusche, keine TIA/Apoplex-Anamnese)
2) Adenosin (AV-knoten-abhängige SVT)
- schneller i.v.-Bolus über großlumigen, möglichst herznahen
Zugang + rasche NaCl-SpĂĽlung
- häufiges Schema: 6 mg 12 mg 12 mg (lokale Standards
beachten)
- Aufklärung: kurzzeitig sehr unangenehm (Flush, Thoraxdruck,
Luftnot, „Herz bleibt stehen“)
- Kontraindikationen/Vorsicht: höhergradiger AV-Block/Sick-Sinus
ohne Schrittmacher, schweres Asthma (Bronchospasmus)
- Interaktionen: Dipyridamol Wirkung;
Methylxanthine/Theophyllin, viel Koffein Wirkung
3) Alternativen: Verapamil oder Betablocker (z.B. Metoprolol)
unter Monitoring
- Cave: Hypotonie, HFrEF, Kombi Verapamil + Betablocker
(Bradykardie/AV-Block)
Langzeittherapie
- Therapie der Wahl bei Rezidiven/Leidensdruck:
elektrophysiologische Untersuchung + Katheterablation
(Slow-Pathway-Ablation)
- Sehr hohe Erfolgsrate; wichtiges Risiko: (selten) höhergradiger
AV-Block ggf. Schrittmacher
- Medikamente (Betablocker/Verapamil) eher bei seltenen Episoden
oder wenn Ablation nicht gewünscht/möglich
đź§Ť Psychokardiologie & Alltag
- Wiederholte Attacken können Angst/Vermeidungsverhalten triggern
ggf. psychokardiologische Mitbetreuung
- Fahrtauglichkeit aktiv ansprechen und dokumentieren, v.a. bei
Schwindel/Synkopen und unkontrollierten Anfällen
Merksätze
- „Plötzlich + regelmäßig + schmaler QRS + P-Wellen kaum
sichtbar“ typisch AVNRT.
- Stabil: Vagusmanöver Adenosin Verapamil/Betablocker.
- Instabil: sofort synchronisierte Kardioversion.
- Definitiv/kurativ: Slow-Pathway-Ablation.
Kommentare (0)
Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben.