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️ Thema: Akutes Koronarsyndrom (ACS) in der Akutmedizin

ACS ist häufig eine notfallmedizinische Arbeitsdiagnose bei
unklaren thorakalen Beschwerden – bleibt relevant, bis sicher
bestätigt oder ausgeschlossen.

ACS-Definition: 3 Entitäten

- STEMI (ST-Hebungsinfarkt)

- NSTEMI (Nicht-ST-Hebungsinfarkt)

- Instabile Angina pectoris

Klinisch oft nicht trennscharf frühe apparative Diagnostik
entscheidend.

Schlüsselregel: EKG sofort

Bei jedem möglichen ACS: so schnell wie möglich ein 12-Kanal-EKG.

- ST-Hebungen in benachbarten Ableitungen STEMI bis zum Beweis
des Gegenteils Reperfusion (meist primäre PCI)

- Keine ST-Hebungen NSTE-ACS (NSTEMI/instabile AP/andere
Ursachen) keine Entwarnung

🩺 Symptome: typisch und atypisch

Typisch:

- retrosternaler Druck/Brennen, >20 min

- Ausstrahlung: Arm(e), Hals, Unterkiefer, Rücken, Oberbauch

Atypisch (häufig bei Frauen, Älteren, Diabetes):

- Dyspnoe, Übelkeit/Erbrechen, Oberbauchschmerz, Schwindel,
Kaltschweißigkeit, Angst, Leistungsknick

️ Anamnese: fokussiert

- Beginn, Charakter, Dauer, Ausstrahlung, Trigger,
Begleitsymptome

- Risikofaktoren: Rauchen, Hypertonie, Diabetes, Dyslipidämie,
Familienanamnese

- Vorerkrankungen/Prozeduren: KHK, Infarkt, Stent, Bypass, HI,
VHF, Niereninsuffizienz

- Medikation inkl. PDE-5-Hemmer (Sildenafil/Tadalafil!) wegen
Nitrat-Kontraindikation

Diagnostik: EKG + Troponin (mit Verlauf)

EKG: ST-Hebungen, ST-Senkungen, T-Negativierungen, (neuer)
Schenkelblock, Rhythmus, R-Verlust, Q-Zacken.

Wichtig:

- Unauffälliges Erst-EKG schließt ACS nicht aus Verlauf-EKGs

Labor:

- hs-Troponin zentral, immer im Kontext von Klinik/EKG und
Dynamik interpretieren

- Troponin = Myokardschaden, nicht automatisch Typ-1-Infarkt

- Algorithmen: 0/1h, 0/2h, 0/3h (assay-spezifische Grenzwerte!)

- Bei neuen Beschwerden: sofort erneut EKG + Troponin, unabhängig
vom Algorithmus

Basismaßnahmen am Bett

- Monitoring (EKG, RR, SpO2), i.v.-Zugang (oft 2),
Reanimationsbereitschaft

- O2 nicht routinemäßig, nur bei Hypoxämie (z.B. SpO2 < ~90%),
schwerer Dyspnoe oder Schock

Akuttherapie: praktikable Bausteine

- ASS früh: 150–300 mg p.o. (kauen) oder 250–500 mg i.v. (lokaler
Standard)

- Nitrate zur Symptomkontrolle (z.B. Glyceroltrinitrat 0,4 mg
Spray 1–2 Hübe)

Kontraindikationen: Hypotonie, RV-Infarkt/Preload-Abhängigkeit,
PDE-5-Hemmer

- Opioid (z.B. Morphin 2–5 mg i.v. langsam titriert) bei starken
nitrorefraktären Schmerzen

Cave: Übelkeit, verzögerte Resorption oraler P2Y12-Hemmer

- Sedierung bei starker Agitation: Midazolam 1–2 mg i.v. langsam,
vorsichtig titrieren

- Betablocker selektiv (z.B. Metoprolol i.v. niedrig dosiert),
nur stabil

KI: akute HI, Bradykardie, Schock, AV-Block, relevante
Bronchospastik

🫀 STEMI: “Zeit ist Myokard”

- Sofort Reperfusionsstrategie: primäre PCI

- DAPT:

- Ticagrelor 180 mg p.o. oder

- Prasugrel 60 mg p.o. (KI u.a. Z.n. Stroke/TIA; Vorsicht >75
J./niedriges KG)

- Clopidogrel als Alternative (meist 600 mg p.o.)

- Cangrelor i.v. bei fehlender oraler Option (katheterlabornahe
Anwendung)

- Antikoagulation:

- UFH 70–100 IE/kg i.v. Bolus (protokollabhängig)

- Alternativen: Enoxaparin i.v. (z.B. 0,5 mg/kg), Bivalirudin bei
HIT

- Fondaparinux nicht für primäre PCI beim STEMI

- Statin früh hochintensiv: Atorvastatin 80 mg oder Rosuvastatin
20–40 mg p.o.

NSTE-ACS: Risikostratifizierung steuert Tempo und Therapie

Hochrisikomerkmale:

- Ruheschmerz/Rezidive, Hypotonie/Tachykardie

- akute Herzinsuffizienzzeichen

- ST-Senkungen/dynamische EKG-Veränderungen

- Troponin positiv, ggf. Echo: Wandbewegungsstörungen/EF

Scores: GRACE (präziser), TIMI (einfacher) – ergänzen, ersetzen
nicht Klinik.

Therapie (hochrisiko):

- ASS wie oben

- P2Y12 differenziert, keine pauschale sehr frühe Vorbehandlung:

- Ticagrelor 180 mg p.o. möglich unabhängig von Strategie

- Prasugrel eher, wenn PCI-Entscheidung gefallen + keine KI

- Antikoagulation:

- UFH (z.B. 60–70 IE/kg i.v. Bolus)

- Enoxaparin 1 mg/kg s.c. 12-stündlich (renal anpassen)
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„Akutes Koronarsyndrom (ACS) in der Praxis“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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