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Überblick

- Infektiöse Endokarditis: Endokard-/Klappenentzündung mit
Bakteriämie; hohe Letalität

- Häufige Erreger: S. aureus (akut), Viridans-Streptokokken,
Enterococcus faecalis (lenta), HACEK, Candida (immunsupprimiert).

Risikofaktoren

- Klappenfehler/Prothesen, CIED, vorausgegangene Endokarditis

- Höheres Alter, männlich, i.v.-Drogen, Immunsuppression,
Hämodialyse, zentrale Katheter

- Schlechter Zahnstatus/rezente Zahnbehandlung

- 10 % Spondylodiszitis aktiv nach Rücken-/Nachtschmerz fragen

Pathophysiologie

- Transiente Bakteriämie Adhärenz am vorgeschädigten Endokard
Biofilm/Vegetationen Klappendestruktion, Embolien, systemische
Infektion.

🩺 Klinik

- Akut (meist S. aureus): hohes Fieber, Schüttelfrost,
Sepsis/Schock, rasches Klappenversagen

- Lenta: subakuter Verlauf, Fieber, Abgeschlagenheit,
Gewichtsverlust, Myalgien/Arthralgien

- Zeichen: neues/verändertes Herzgeräusch, Herzinsuffizienz (~25
%), Embolien (zerebral>pulmonal>Milz/niere/peripher),
Petechien, Splitterblutungen, Roth-Flecken, Osler-Knötchen,
Janeway-Läsionen

- Ältere/immunsupprimierte: oft afebril

Diagnostik

- Immer denken bei Fieber/Sepsis unklarer Genese + Risikofaktoren

- Blutkulturen vor Antibiotika: ≥3 Paare (aerob/anaerob), 30 min
Abstand, peripher punktiert, Gesamtvolumen 40–60 ml

- Echo: TTE + regelhaft TEE (bei hohem Verdacht TEE wiederholen
nach 5–7 Tagen)

- Befunde: Vegetationen, neue Insuffizienz, Segelverdickung,
Perforation, paravalvuläre Abszesse/Pseudoaneurysmen/Fisteln,
Prothesendehiszenz

- EKG: neuer AV-Block Abszessverdacht

- Duke-Kriterien; ggf. FDG-PET/CT (Prothesen/Devices),
Serologien/PKR; bei Rückenschmerz MRT WS

Kalkulierte Therapie (nach Blutkulturen)

- Native Klappe, ambulant erworben: Ampicillin 2 g i.v. q4h +
Ceftriaxon 2 g i.v. q24h

- Starker Staph-Verdacht: Flucloxacillin 2 g i.v. q4h ± kurz
Gentamicin (3 mg/kg/Tag, Einmaldosis, Nierenfunktion/Spiegel)

- Nosokomial/Frühprothese/MRSA-Risiko: Vancomycin
(AUC-/Tal-gesteuert) + Cefepim 2 g i.v. q8–12h ± Gentamicin;
Rifampicin 300–400 mg q8h erst nach Bakteriämiekontrolle

- CIED-IE: vollständige Device-Entfernung + 6 Wochen AB

Oralisierung

- Nach stabiler i.v.-Phase (~7–10 Tage), bekannter
Erreger/Resistenzen, hoher Bioverfügbarkeit, Adhärenz und engem
Follow-up

️ Chirurgie – Indikationen

- Akute schwere Klappeninsuffizienz/Herzinsuffizienz, Ödem,
kardiogener Schock

- Unkontrollierte Infektion: persistierende Bakteriämie, große
Vegetationen, Abszesse/Pseudoaneurysmen/Fisteln, neuer
höhergradiger AV-Block

- Embolieprävention: große Vegetationen (≥10 mm) + Embolie(n)

- Niedrige Schwelle: PVE durch S. aureus, VRE, Pilze,
nicht-HACEK-Gramnegative

Querschnitt & Monitoring

- Zugänge entfernen/wechseln; Fokussanierung (Zahn, Haut,
Harntrakt, WS)

- Drug-Monitoring: Vancomycin/Gentamicin-Spiegel; Nieren eng
kontrollieren

- Assoziationen: S. gallolyticus/E. faecalis Koloskopie

- Antikoagulation: keine Routine; individuell, perioperativ
parenteral steuerbar

Komplikationen

- Kardial: akute HI, AV-Block, paravalvulärer Abszess,
Perforation/Fistel, Thrombosen

- Extrakardial: Sepsis/Schock, ischämischer Schlaganfall,
Milz-/Nieren-/Lungeninfarkt, Hirnabszess, GN

️ Prävention & Prophylaxe

- Zahnhygiene, Hauthygiene, Wunddesinfektion, invasive Maßnahmen
minimieren; keine unnötigen Katheter

- AB-Prophylaxe (Hochrisiko + Eingriff mit Bakteriämierisiko,
v.a. Zahn): 30–60 min vorab

- Standard: Amoxicillin 2 g p.o. (alternativ: Ampicillin 2 g
i.v./i.m., Cefazolin 1 g i.v., Ceftriaxon 2 g i.v.)

- Penicillinallergie: Azithromycin 500 mg, Clarithromycin 500 mg,
Doxycyclin 100 mg p.o.

Take-Home

- Früh denken, Blutkulturen richtig abnehmen, TTE+TEE zügig,
kalkuliert starten, gezielt fortführen (meist 6 Wo.), frühzeitig
Herzchirurgie erwägen, Foci sanieren, Spiegel/Nieren monitoren,
Abschluss-Echo planen.

- S. aureus-Bakteriämie = Endokarditis bis zum Beweis des
Gegenteils.
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„Infektiöse Endokarditis“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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