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Beschreibung
vor 4 Monaten
Kernbotschaft
- Häufiges Krankheitsbild (v. a. Frauen); echte Beschwerden trotz
oft unauffälliger Befunde
- Ausschlussdiagnose: Red Flags zügig abklären
- Multimodal, individuell, symptombezogen behandeln
Definition
- ≥3 Monate Bauchschmerzen/Blähungen/verändertes Stuhlverhalten
- Spürbare Beeinträchtigung der Lebensqualität
- Keine bessere Erklärung (Ausschlussdiagnose)
Red Flags
- Nächtliche Diarrhö, Fieber, Hämatochezie
- Gewichtsverlust, Neuauftreten im höheren Alter
- Anämie/Entzündung, familiäre CED/Malignome
- Ausgeprägte anhaltende Diarrhö
Pathophysiologie
- Störung der Darm‑Hirn‑Achse; Motilitätsänderung,
Barrierestörung
- Viszerale Hypersensitivität; low‑grade‑Inflammation
- Mikrobiomveränderungen, Gallensäure‑Malabsorption
- Psychosoziale Faktoren (Stress/Angst/Depression)
🩺 Klinik
- Diffuse Bauchschmerzen, Druck/Völlegefühl postprandial,
Blähungen
- Diarrhö/Obstipation/Wechsel, Stuhldrang, inkomplette Entleerung
- Besserung nach Defäkation; Red Flags s. o.
Diagnostik
- Anamnese inkl. Trigger, psychosozial; KU inkl. DRU
- Sono Abdomen
- Labor: Basis + tTG‑IgA + Gesamt‑IgA
- Stuhl: Calprotectin; bei Diarrhö Erreger (v. a. Giardia)
- Diarrhö-dominant: Koloskopie mit Stufenbiopsien; ggf. ÖGD mit
Duodenalbiopsien
- H2‑Atemtests bei Laktose/Fruktose/Sorbit
- CT nur bei klarer Indikation
- Vermeide Wiederholungsdiagnostik ohne neue Signale
Therapieprinzipien
- Schweregrad klären, Psychoedukation (Darm‑Hirn‑Achse,
realistische Ziele)
- Probefenster 4–8 Wochen; beenden, was nicht hilft
️ Ernährung
- Low‑FODMAP 2–6 Wochen + strukturierte Re‑Einführung,
ernährungsmedizinisch begleitet
- Obstipation: lösliche Ballaststoffe (Flohsamen 5–10 g 2×/d +
viel Wasser)
- Probiotika stammabhängig (4–8 Wochen); Vorsicht bei
Immunsuppression/Herzklappenerkrankung
Bewegung & Psyche
- Ausdauersport; PMR, Atemtechniken, Yoga, Achtsamkeit
- KVT, psychodynamische Therapie, darmzentrierte Hypnotherapie
- Digitale Programme als Ergänzung
Medikamente (symptomorientiert, zeitlich begrenzt)
- Krämpfe/Schmerz: Mebeverin 135 mg 3×/d; Pfefferminzöl 200 mg
3×/d vor Mahlzeiten (Sodbrennen möglich)
- Schmerz ohne Obstipation: Amitriptylin 10–25 mg abends, ggf.
bis ~50 mg; Off‑Label, anticholinerge NW
- Diarrhö: Loperamid 4 mg, dann 2 mg nach ungeformtem Stuhl, max.
16 mg/d; 2–4 mg abends bei Früh‑Diarrhö
- Gallensäuren: Colestyramin 4 g 1×/d, bis 4 g 2–4×/d;
Colesevelam 1875 mg 2×/d (Abstand zu anderen Meds)
- Obstipation: Macrogol 1–3 Beutel/d (≈13 g/Beutel); Flohsamen s.
o.
- Reserve: Prucaloprid 2 mg 1×/d (1 mg geriatr./Nieren);
Lubiproston 8 µg 2×/d (Off‑Label DE); Linaclotid 290 µg 1×/d
(häufig Diarrhö)
IBS‑M (Wechseltyp)
- Plan nach Phase: Diarrhö niedrig dosiertes Loperamid bei
Bedarf; Obstipation Macrogol + Flohsamen
- „Klammer“: Mebeverin oder Pfefferminzöl gegen Krämpfe
Praxis
- Symptom‑/Ernährungstagebuch (≥4 Wochen)
- Trigger‑Meds prüfen: Metformin, Magnesium, Opioide, Eisen,
bestimmte Antidepressiva
- Basics: ausreichend trinken, regelmäßige Bewegung, feste
Mahlzeiten, Toilettenzeit, Hocker für anorektalen Winkel
Kinder & Jugendliche
- Prävalenz 5–9 %; Rom‑IV‑Kriterien
- Alarmsymptome: Gewichtsabnahme/Wachstumsstillstand, GI‑Blut,
starkes Erbrechen, anhaltende schwere Diarrhö, persistierende
rechtsseitige Schmerzen, Fieber, CED‑Familienanamnese
- Basis: BB, CRP/BSG, Lipase, Leber, TSH, Kreatinin, Glukose;
tTG‑IgA + Gesamt‑IgA; Stuhl (Giardia, Dientamoeba, Wurmeier,
Calprotectin); Urinstatus
- Therapie: Aufklärung, KVT/Hypnotherapie; Probiotika bei
Diarrhö‑Phänotyp/nach Gastroenteritis; Macrogol 0,4 g/kg/d
(Erhaltung), 1–1,5 g/kg/d kurzzeitig zur Entleerung;
Ernährungsumstellungen selten nötig, Low‑FODMAP nur eng begleitet
Verlauf
- Chronisch‑rezidivierend, oft Besserungen; psychische
Komorbiditäten häufiger
- Keine erhöhte Mortalität oder Häufung schwerer GI‑Erkrankungen
- Regelmäßige Nachsorge, Plan anpassen, Kernbotschaften
wiederholen
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