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Kernbotschaft

- Häufiges Krankheitsbild (v. a. Frauen); echte Beschwerden trotz
oft unauffälliger Befunde

- Ausschlussdiagnose: Red Flags zügig abklären

- Multimodal, individuell, symptombezogen behandeln

Definition

- ≥3 Monate Bauchschmerzen/Blähungen/verändertes Stuhlverhalten

- Spürbare Beeinträchtigung der Lebensqualität

- Keine bessere Erklärung (Ausschlussdiagnose)

Red Flags

- Nächtliche Diarrhö, Fieber, Hämatochezie

- Gewichtsverlust, Neuauftreten im höheren Alter

- Anämie/Entzündung, familiäre CED/Malignome

- Ausgeprägte anhaltende Diarrhö

Pathophysiologie

- Störung der Darm‑Hirn‑Achse; Motilitätsänderung,
Barrierestörung

- Viszerale Hypersensitivität; low‑grade‑Inflammation

- Mikrobiomveränderungen, Gallensäure‑Malabsorption

- Psychosoziale Faktoren (Stress/Angst/Depression)

🩺 Klinik

- Diffuse Bauchschmerzen, Druck/Völlegefühl postprandial,
Blähungen

- Diarrhö/Obstipation/Wechsel, Stuhldrang, inkomplette Entleerung

- Besserung nach Defäkation; Red Flags s. o.

Diagnostik

- Anamnese inkl. Trigger, psychosozial; KU inkl. DRU

- Sono Abdomen

- Labor: Basis + tTG‑IgA + Gesamt‑IgA

- Stuhl: Calprotectin; bei Diarrhö Erreger (v. a. Giardia)

- Diarrhö-dominant: Koloskopie mit Stufenbiopsien; ggf. ÖGD mit
Duodenalbiopsien

- H2‑Atemtests bei Laktose/Fruktose/Sorbit

- CT nur bei klarer Indikation

- Vermeide Wiederholungsdiagnostik ohne neue Signale

Therapieprinzipien

- Schweregrad klären, Psychoedukation (Darm‑Hirn‑Achse,
realistische Ziele)

- Probefenster 4–8 Wochen; beenden, was nicht hilft

️ Ernährung

- Low‑FODMAP 2–6 Wochen + strukturierte Re‑Einführung,
ernährungsmedizinisch begleitet

- Obstipation: lösliche Ballaststoffe (Flohsamen 5–10 g 2×/d +
viel Wasser)

- Probiotika stammabhängig (4–8 Wochen); Vorsicht bei
Immunsuppression/Herzklappenerkrankung

Bewegung & Psyche

- Ausdauersport; PMR, Atemtechniken, Yoga, Achtsamkeit

- KVT, psychodynamische Therapie, darmzentrierte Hypnotherapie

- Digitale Programme als Ergänzung

Medikamente (symptomorientiert, zeitlich begrenzt)

- Krämpfe/Schmerz: Mebeverin 135 mg 3×/d; Pfefferminzöl 200 mg
3×/d vor Mahlzeiten (Sodbrennen möglich)

- Schmerz ohne Obstipation: Amitriptylin 10–25 mg abends, ggf.
bis ~50 mg; Off‑Label, anticholinerge NW

- Diarrhö: Loperamid 4 mg, dann 2 mg nach ungeformtem Stuhl, max.
16 mg/d; 2–4 mg abends bei Früh‑Diarrhö

- Gallensäuren: Colestyramin 4 g 1×/d, bis 4 g 2–4×/d;
Colesevelam 1875 mg 2×/d (Abstand zu anderen Meds)

- Obstipation: Macrogol 1–3 Beutel/d (≈13 g/Beutel); Flohsamen s.
o.

- Reserve: Prucaloprid 2 mg 1×/d (1 mg geriatr./Nieren);
Lubiproston 8 µg 2×/d (Off‑Label DE); Linaclotid 290 µg 1×/d
(häufig Diarrhö)

IBS‑M (Wechseltyp)

- Plan nach Phase: Diarrhö niedrig dosiertes Loperamid bei
Bedarf; Obstipation Macrogol + Flohsamen

- „Klammer“: Mebeverin oder Pfefferminzöl gegen Krämpfe

Praxis

- Symptom‑/Ernährungstagebuch (≥4 Wochen)

- Trigger‑Meds prüfen: Metformin, Magnesium, Opioide, Eisen,
bestimmte Antidepressiva

- Basics: ausreichend trinken, regelmäßige Bewegung, feste
Mahlzeiten, Toilettenzeit, Hocker für anorektalen Winkel

Kinder & Jugendliche

- Prävalenz 5–9 %; Rom‑IV‑Kriterien

- Alarmsymptome: Gewichtsabnahme/Wachstumsstillstand, GI‑Blut,
starkes Erbrechen, anhaltende schwere Diarrhö, persistierende
rechtsseitige Schmerzen, Fieber, CED‑Familienanamnese

- Basis: BB, CRP/BSG, Lipase, Leber, TSH, Kreatinin, Glukose;
tTG‑IgA + Gesamt‑IgA; Stuhl (Giardia, Dientamoeba, Wurmeier,
Calprotectin); Urinstatus

- Therapie: Aufklärung, KVT/Hypnotherapie; Probiotika bei
Diarrhö‑Phänotyp/nach Gastroenteritis; Macrogol 0,4 g/kg/d
(Erhaltung), 1–1,5 g/kg/d kurzzeitig zur Entleerung;
Ernährungsumstellungen selten nötig, Low‑FODMAP nur eng begleitet

Verlauf

- Chronisch‑rezidivierend, oft Besserungen; psychische
Komorbiditäten häufiger

- Keine erhöhte Mortalität oder Häufung schwerer GI‑Erkrankungen

- Regelmäßige Nachsorge, Plan anpassen, Kernbotschaften
wiederholen
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„Reizdarmsyndrom“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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