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Beschreibung
vor 4 Monaten
Überblick
- Thema: Polymyalgia rheumatica (PMR) – häufige
entzündlich‑rheumatische Erkrankung im höheren Alter
- Kern: Proximale Myalgien, lange Morgensteifigkeit, rasches
Ansprechen auf Glucocorticoide
Klinisches Bild
- Beidseitiger Schulterschmerz, Nacken‑/Beckengürtelbeteiligung
- Morgensteifigkeit >45 Min, nächtliche Schmerzen
- Allgemeinsymptome: Müdigkeit, subfebrile Temp., Nachtschweiß,
Gewichtsverlust
- Neurologisch keine echte Muskelschwäche
Riesenzellarteriitis (RZA) – Red Flags
- Neue einseitige Kopfschmerzen, Kopfhautschmerz,
Kiefer‑Claudicatio, Sehstörungen
- Notfall bei Sehstörungen: sofort hochdosierte Glucocorticoide,
rheumatologische Abklärung
Diagnostik
- Labor: CRP, BSG (oft >50 mm/h), ggf. Anämie,
Leuko‑/Thrombozytose
- RF, ACPA, ANA, ANCA meist negativ
- Diagnose primär klinisch, Labor stützt
🩻 Bildgebung
- Sono Schulter/Hüfte: Bursitis (subdeltoidal),
Bizeps‑Tenosynovitis, Synovitis
- MRT bei untypischem Verlauf (z. B. Interspinalbursen)
- FDG‑PET bei komplexen Fällen/VA RZA
Differenzialdiagnosen
- Rheumatoide Arthritis (periphere Gelenke)
- Myositiden (echte Schwäche, CK)
- Arthrosen, Rotatorenmanschette, Frozen Shoulder, Kalkschulter
- Hypothyreose, Eisenmangel, Infektionen (TB/HIV),
Statin‑Myopathie
- Fibromyalgiesyndrom, Neoplasien
Therapie – Glucocorticoide
- Start: Prednisolon ca. 15 mg/Tag (10–20 mg je nach
Schwere/Fragilität)
- Rasche Besserung in Tagen erwartet (stützt Diagnose)
Taper
- Ziel: innerhalb 4–8 Wochen auf ~10 mg/Tag
- Danach langsam: −1 mg alle 4 Wochen
- Rezidiv: auf letzte wirksame Dosis zurück, dann erneut langsam
reduzieren
- Gesamtdauer meist 9–12 Monate (variabel)
️ Begleitmaßnahmen unter GC
- Osteoporoseprophylaxe: Vitamin D 800–1000 IE/Tag + Calcium
~1000 mg/Tag (falls indiziert)
- Bei Risiko: Bisphosphonat (z. B. Alendronat 70 mg 1×/Woche),
Knochendichte messen
- Blutdruck/Blutzucker, Augen (Katarakt/Glaukom)
- PPI bei GI‑Risiko (NSAR, Antikoagulation, Ulkusanamnese)
Steroid‑sparende Optionen
- Methotrexat (MTX): 15 mg 1×/Woche (bei Bedarf 20–25 mg), s.c.
bei GI‑Problemen
- Folsäure: 5–10 mg/Woche (nicht am MTX‑Tag)
- Monitoring: BB, Leber‑/Nierenwerte; Alkoholreduktion,
Kontrazeption
- IL‑6‑Blockade: Sarilumab 200 mg s.c. alle 2 Wochen (CRP
suppression beachten: Aktivität klinisch/Sono)
- Tocilizumab off‑label (s.c./i.v.), Einsatz mit Rheumatologie
klären
Verlauf und Kontrollen
- Initial bis Remission: alle 1–4 Wochen (Klinik, Funktion,
CRP/BSG)
- Stabil: alle 3–6 Monate
- Bei GC‑Reduktion: zeitnahe Kontrolle/Telefoncheck
- MTX‑Labore: erst 2–4‑wöchentlich, später 8–12‑wöchentlich
- IL‑6: BB, Transaminasen, Lipide; TB‑Screening; Impfungen
(Influenza, Pneumokokken, Zoster)
Praxistipps
- Erkläre raschen GC‑Effekt und das rationale Taper
- Nicht allein vom CRP leiten (v. a. unter IL‑6); Klinik zählt
- Dosisänderungen und Symptome eng dokumentieren
Prognose & Take‑Home
- Meist schnelle Besserung; Remission häufig binnen 6–24 Monaten
- Hauptlast: GC‑Nebenwirkungen strukturierte Steuerung, früh
steroid‑sparend
- Merke: Ältere mit bilateralen Schulter‑/Beckenschmerzen +
langer Morgensteifigkeit; immer nach RZA‑Zeichen fragen; bei
Sehstörungen sofort handeln; GC zügig wirksam starten, auf ~10 mg
in 4–8 Wochen, dann langsam ausschleichen, Rezidive proaktiv
managen.
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