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Beschreibung
vor 3 Monaten
Titel: Darmpathogene E. coli – Diagnostik, Therapie, Dosierungen
kompakt
- Meist harmlos, aber darmpathogene Subtypen verursachen Diarrhö.
- Diagnostik gezielt per PCR/Toxinnachweis anfordern.
- Therapie primär supportiv; Antibiotika nur selektiv, bei EHEC
vermeiden.
Kurzüberblick
- Gramnegatives, begeißeltes Stäbchen; Adhärenz + Toxine je nach
Subtyp.
- Standard-Stuhlkultur reicht nicht; Virulenzgene (PCR) bzw.
Toxine (ELISA) nachweisen.
Wann testen?
- Blutige Diarrhö, schwere/prolongierte Verläufe, Hospitalisation
(v. a. Kinder)
- Immunsuppression, passende Reiseanamnese, Cluster,
Lebensmittelberufe
- Erst Stuhl sichern, dann über Antibiotika entscheiden.
Diagnostik im Labor
- Anforderung: „Darmpathogene Escherichia coli inkl.
Toxinnachweis (Shiga-Toxin)/PCR“
- EHEC-Verdacht explizit angeben; ggf. Anreicherungskultur.
Supportivtherapie
- Rehydratation: ORS in kleinen, häufigen Schlucken.
- Kinder: 50–100 mL/kg in 4 h; schwere Dehydratation: 20 mL/kg
isoton kristalloid als Bolus, eng reevaluieren.
- Antiemese: Ondansetron 4–8 mg p.o./i.v. (bei Kindern
alters-/gewichtsbasiert).
- Spasmolyse: Butylscopolamin 10 mg p.o. 3–5×/d oder 20 mg i.v.
(KI: Engwinkelglaukom).
- Motilitätshemmer: Loperamid nur zurückhaltend bei Erwachsenen,
nicht bei Fieber/blutigem Stuhl/Kindern.
- Dosis: 4 mg Start, dann 2 mg nach jedem ungeformten Stuhl, max.
16 mg/24 h.
Antibiotika – selektiv einsetzen
- Keine Routine-Antibiotika bei E. coli-Diarrhö; bei EHEC
kontraindiziert.
- Indikation: schwere/protrahierte Verläufe, Risikopatient:innen,
extraintestinale/generalisierte Infektionen (nach
Stuhldiagnostik).
- Regime:
- Azithromycin: 1 g einmalig ODER 500 mg p.o. 1×/d für 3 Tage.
- Ciprofloxacin: 500 mg p.o. 2×/d für 3 Tage (Resistenzen/UF
beachten; nicht in SS/Stillzeit).
- Rifaximin: 550 mg p.o. 2×/d für 3 Tage (nur nichtinvasiv).
- Extraintestinal/septisch: Carbapenem, z. B. Meropenem 1–2 g
i.v. q8h oder Imipenem/Cilastatin 0,5–1 g i.v. q6–8h; Dosis an
Nierenfunktion anpassen, Blutkulturen vorab.
Subtypen kompakt
- EHEC (H wie HUS) 🩸
- Shiga(-like)-Toxine; oft wässrig teils blutig, Risiko HUS
(Anämie, Thrombozytopenie, akutes Nierenversagen).
- Quellen: Rohmilch, unzureichend gegartes Fleisch,
kontaminiertes Gemüse, Wiederkäuer, M2M.
- Diagnostik: Shiga-Toxin-PCR/ELISA. Therapie: strikt supportiv;
kein Loperamid, keine Antibiotika. Extraintestinal: Carbapenem
erwägen.
- Erinnerung: O104-Ausbruch 2011 (Sprossen).
- ETEC (T wie Travel) ️
- Hitzelabiles/-stabiles Toxin sekretorische, wässrige Diarrhö.
- Therapie: supportiv; bei schweren Verläufen Azithromycin
bevorzugt; Alternativen s. oben. Keine Routineprophylaxe.
- EPEC (P wie Pädiatrie)
- Adhärenz am Dünndarm, Resorptionsstörung; breiig-wässrige,
meist nichtblutige Diarrhö bei Säuglingen/Kleinkindern.
- Therapie: Rehydratation, Ernährung sichern; Antibiotika i. d.
R. nicht empfohlen; ggf. Zink 10–20 mg/d für 10–14 Tage.
- EIEC
- Shigellen-ähnlich, invasiv; wässrige bis blutig-schleimige
Diarrhö, Fieber, Krämpfe.
- Basis supportiv; bei schweren Verläufen Azithromycin bevorzugt;
Loperamid bei Blut/Fieber meiden.
- EAEC
- Aggregative Fimbrien, Biofilm; akut oder
chronisch-rezidivierend, teils blutig/Fieber.
- Supportiv; bei protrahiert/vulnerabel: Azithromycin oder
(nichtinvasiv) Rifaximin.
Hygiene & Organisation
- Strikte Händehygiene, separate Toilette wenn möglich, keine
Speisenzubereitung bis symptomfrei.
- Lebensmittelberufe: lokale Wiederzulassungsregeln (oft negative
Stuhlkontrollen).
- Laborkontrollen bei schweren Verläufen: BB, Kreatinin,
Harnstoff, Elektrolyte, Gerinnung (HUS-Screen).
- Meldepflicht prüfen: v. a. HUS, gesicherter EHEC.
Praxis-Checkliste
1) Stuhlprobe gezielt sichern
2) Hydratationsstatus/Schweregrad bewerten
3) Konsequente Supportivtherapie starten
Merkhilfen
- EHEC – H wie HUS
- ETEC – T wie Travel
- EPEC – P wie Pädiatrie
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