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Definitionen

- Divertikulose: Pseudo­divertikel (Muko-/Submukosa) v. a. im
Sigma; „loci minoris resistentiae“ an Gefäßeintrittsstellen.

- Echte Divertikel selten im Zäkum.

- Divertikulitis: akute Entzündung eines Divertikels +
Perikolitis („Linksappendizitis“).

Epidemiologie & Risiken

- Prävalenz mit Alter; westlicher Lebensstil.

- Modifizierbar: ballaststoffarm, Bewegungsmangel, Adipositas,
Rauchen, Alkohol, NSAR, Steroide, Opioide.

- Komplikationsrisiko: Immunsuppression, schwere Komorbiditäten,
SIRS (Fieber, CRP, Leukozytose), arterielle Hypertonie, CKD.

Pathophysiologie

- Erhöhter intraluminaler Druck, Muskeldickenzunahme,
Matrixveränderungen Ausstülpung.

- Komplikationen: Mikro-/freie Perforation, Abszess, Fistel
(kolovesikal Pneumaturie), Stenose/Ileus, Blutung.

🩺 Klinik

- Leitsymptome: akuter, progredienter linker Unterbauchschmerz +
Fieber.

- Weitere: Stuhlveränderung, Meteorismus, Übelkeit/Erbrechen,
Abwehrspannung.

- Rechtsunterbauchschmerz bei Zäkumdivertikulitis.

- Fisteln: Luft/Stuhl im Urin, vaginaler Abgang.

- Ältere/immunsupprimierte: oft milde Symptome.

Diagnostik

- Anamnese (NSAR, Antikoagulanzien, Immunsuppression, Opioide),
körperlich, DRU.

- Labor: CRP, Leukozytose; Urinstatus.

- Bildgebung:

- Sonographie first (Wandverdickung >5 mm, perikolische
Fettreaktion, freie Flüssigkeit/Abszess).

- CT mit KM bei unklar/kompliziert (Fettgewebsimbibierung, Luft,
Abszesse/Fisteln).

- Keine Koloskopie in der Akutphase! Intervall-Koloskopie nach
6–8 Wochen.

Differenzialdiagnosen

Appendizitis, ischämische Kolitis, IBD, RDS, CRC,
Urolithiasis/Zystitis, Adnexitis, Ovarialzystenruptur, EUG.

Divertikulose (ohne Entzündung)

- Ziel: Stuhlregulation/Schubprävention.

- Ballaststoffe, Flüssigkeit, Bewegung.

- Flohsamenschalen: 1–2 TL (≈3–6 g) 1–3×/d mit reichlich Wasser.

Unkomplizierte akute Divertikulitis (ambulant)

- Leichte/flüssige Kost initial, engmaschige Kontrolle.

- Analgesie:

- Metamizol p.o. 500–1000 mg bis 4×/d (max. 4 g); i.v. 1–2 g
langsam.

- NSAR zurückhaltend.

- Opioid bei Bedarf: Pethidin 50–100 mg i.v./i.m.; Piritramid
7,5–15 mg i.v. titriert.

- Spasmolyse: Butylscopolamin 10–20 mg i.v. q6–8h (max. 80 mg),
nicht bei paralytischem Ileus.

Antibiotika – wann und was

- Nicht zwingend bei unkomplizierter Divertikulitis ohne SIRS.

- Indiziert bei Fieber, hoher CRP/Leuko, starkem Schmerz,
Komorbiditäten, Immunsuppression, fehlender Besserung.

Stationäre Aufnahme/CT

- SIRS, hohes Fieber, starker Schmerz, reduzierte orale Aufnahme,
erhebliche Leuko/CRP, Immunsuppression, schwere Komorbiditäten,
Verdacht auf Abszess/Fistel/Perforation/Ileus, Therapieversagen
ambulant.

️ Komplizierte Verläufe/Chirurgie

- Kleine Mikroabszesse: i.v. AB, engmaschig.

- ≥3–4 cm: perkutan drainieren + AB.

- Gedeckte Perf./Fistel/Stenose: elektive Sigmaresektion.

- Freie Perforation/Peritonitis: Notfall-OP zeitnah.

- Operativ: laparoskopische einzeitige Sigmaresektion + primäre
Anastomose ggf. protektiv; Hartmann selektiv; Lavage nur strikt
selektiert.

🩸 Divertikelblutung

- Stabilisierung, Koloskopie mit Hämostase; Reserve:
Embolisation/Chirurgie.

- Antithrombotika strukturiert managen.

Nachsorge

- Intervall-Koloskopie 6–8 Wochen nach Akutphase.

Praxis

- Akut: 1–2 Tage leichte/flüssige Kost, dann Steigerung.

- Warnzeichen schulen: zunehmende Schmerzen,
Fieber/Schüttelfrost, Erbrechen, Distension, Stuhl-/Windverhalt.

️ Prävention

- Normalgewicht, Rauchstopp, Bewegung, viel
Gemüse/Vollkorn/Hülsenfrüchte, rotes Fleisch reduzieren.

Take-home

1) Linksseitiger Unterbauchschmerz + Fieber Divertikulitis;
Sonographie zuerst, CT bei Bedarf.

2) Keine Koloskopie in der Akutphase; Intervall nach 6–8 Wochen.

3) Unkompliziert ≠ automatisch Antibiotika; gezielt bei
Risiko/SIRS/fehlender Besserung.
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„Divertikulose & akute Divertikulitis“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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