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Beschreibung
vor 3 Monaten
Definitionen
- Divertikulose: Pseudodivertikel (Muko-/Submukosa) v. a. im
Sigma; „loci minoris resistentiae“ an Gefäßeintrittsstellen.
- Echte Divertikel selten im Zäkum.
- Divertikulitis: akute Entzündung eines Divertikels +
Perikolitis („Linksappendizitis“).
Epidemiologie & Risiken
- Prävalenz mit Alter; westlicher Lebensstil.
- Modifizierbar: ballaststoffarm, Bewegungsmangel, Adipositas,
Rauchen, Alkohol, NSAR, Steroide, Opioide.
- Komplikationsrisiko: Immunsuppression, schwere Komorbiditäten,
SIRS (Fieber, CRP, Leukozytose), arterielle Hypertonie, CKD.
Pathophysiologie
- Erhöhter intraluminaler Druck, Muskeldickenzunahme,
Matrixveränderungen Ausstülpung.
- Komplikationen: Mikro-/freie Perforation, Abszess, Fistel
(kolovesikal Pneumaturie), Stenose/Ileus, Blutung.
🩺 Klinik
- Leitsymptome: akuter, progredienter linker Unterbauchschmerz +
Fieber.
- Weitere: Stuhlveränderung, Meteorismus, Übelkeit/Erbrechen,
Abwehrspannung.
- Rechtsunterbauchschmerz bei Zäkumdivertikulitis.
- Fisteln: Luft/Stuhl im Urin, vaginaler Abgang.
- Ältere/immunsupprimierte: oft milde Symptome.
Diagnostik
- Anamnese (NSAR, Antikoagulanzien, Immunsuppression, Opioide),
körperlich, DRU.
- Labor: CRP, Leukozytose; Urinstatus.
- Bildgebung:
- Sonographie first (Wandverdickung >5 mm, perikolische
Fettreaktion, freie Flüssigkeit/Abszess).
- CT mit KM bei unklar/kompliziert (Fettgewebsimbibierung, Luft,
Abszesse/Fisteln).
- Keine Koloskopie in der Akutphase! Intervall-Koloskopie nach
6–8 Wochen.
Differenzialdiagnosen
Appendizitis, ischämische Kolitis, IBD, RDS, CRC,
Urolithiasis/Zystitis, Adnexitis, Ovarialzystenruptur, EUG.
Divertikulose (ohne Entzündung)
- Ziel: Stuhlregulation/Schubprävention.
- Ballaststoffe, Flüssigkeit, Bewegung.
- Flohsamenschalen: 1–2 TL (≈3–6 g) 1–3×/d mit reichlich Wasser.
Unkomplizierte akute Divertikulitis (ambulant)
- Leichte/flüssige Kost initial, engmaschige Kontrolle.
- Analgesie:
- Metamizol p.o. 500–1000 mg bis 4×/d (max. 4 g); i.v. 1–2 g
langsam.
- NSAR zurückhaltend.
- Opioid bei Bedarf: Pethidin 50–100 mg i.v./i.m.; Piritramid
7,5–15 mg i.v. titriert.
- Spasmolyse: Butylscopolamin 10–20 mg i.v. q6–8h (max. 80 mg),
nicht bei paralytischem Ileus.
Antibiotika – wann und was
- Nicht zwingend bei unkomplizierter Divertikulitis ohne SIRS.
- Indiziert bei Fieber, hoher CRP/Leuko, starkem Schmerz,
Komorbiditäten, Immunsuppression, fehlender Besserung.
Stationäre Aufnahme/CT
- SIRS, hohes Fieber, starker Schmerz, reduzierte orale Aufnahme,
erhebliche Leuko/CRP, Immunsuppression, schwere Komorbiditäten,
Verdacht auf Abszess/Fistel/Perforation/Ileus, Therapieversagen
ambulant.
️ Komplizierte Verläufe/Chirurgie
- Kleine Mikroabszesse: i.v. AB, engmaschig.
- ≥3–4 cm: perkutan drainieren + AB.
- Gedeckte Perf./Fistel/Stenose: elektive Sigmaresektion.
- Freie Perforation/Peritonitis: Notfall-OP zeitnah.
- Operativ: laparoskopische einzeitige Sigmaresektion + primäre
Anastomose ggf. protektiv; Hartmann selektiv; Lavage nur strikt
selektiert.
🩸 Divertikelblutung
- Stabilisierung, Koloskopie mit Hämostase; Reserve:
Embolisation/Chirurgie.
- Antithrombotika strukturiert managen.
Nachsorge
- Intervall-Koloskopie 6–8 Wochen nach Akutphase.
Praxis
- Akut: 1–2 Tage leichte/flüssige Kost, dann Steigerung.
- Warnzeichen schulen: zunehmende Schmerzen,
Fieber/Schüttelfrost, Erbrechen, Distension, Stuhl-/Windverhalt.
️ Prävention
- Normalgewicht, Rauchstopp, Bewegung, viel
Gemüse/Vollkorn/Hülsenfrüchte, rotes Fleisch reduzieren.
Take-home
1) Linksseitiger Unterbauchschmerz + Fieber Divertikulitis;
Sonographie zuerst, CT bei Bedarf.
2) Keine Koloskopie in der Akutphase; Intervall nach 6–8 Wochen.
3) Unkompliziert ≠ automatisch Antibiotika; gezielt bei
Risiko/SIRS/fehlender Besserung.
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