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Überblick

- Erythema nodosum (Knotenrose): häufigste Pannikulitis

- Akuter Beginn, meist junge Erwachsene, Frauen > Männer

- Klinische Diagnose; Biopsie nur bei atypischem Verlauf

‍️ Klinik

- Druckschmerzhafte, rötlich‑violette Knoten an beiden
Unterschenkelstreckseiten, symmetrisch

- Keine Ulzerationen; Abheilung in 2–8 Wochen ohne Narben

- Farbverlauf wie Hämatom (gelb‑braun/blau‑grün)

- Begleitsymptome: Abgeschlagenheit, subfebrile Temp.,
Arthralgien (v. a. Sprunggelenke), Husten

Pathophysio/Histologie

- Verzögerte Überempfindlichkeitsreaktion

- Septale Pannikulitis ohne ausgeprägte Vaskulitis;
Miescher‑Granulome

Ursachen (2/3 mit Auslöser)

- Infektionen: Streptokokken (Rachen!) • TB •
Yersinien/Shigellen/Salmonellen/Campylobacter •
Mykoplasmen/Chlamydien • EBV, CMV, HSV, VZV, HBV/HCV, HIV •
COVID‑19 • Mykosen • Parasitosen

- Immunologisch: Sarkoidose (Löfgren‑Syndrom) • CED (MC/CU) •
seltener Behçet, Zöliakie, RA, Sweet

- Malignome (selten, hämatologisch)

- Medikamente: OAK, Penicilline, Sulfonamide, Iodide,
Cephalosporine, Ciprofloxacin, Sulfonylharnstoffe,
ACE‑Hemmer/ARB, PPI, ASS, Antikonvulsiva, BRAF‑Inhibitoren

- Schwangerschaft (v. a. 2. Trimenon)

Diagnostik (zielgerichtet, schlank)

- Anamnese: Akutbeginn, Fieber, Arthralgien, Husten, GI‑Symptome,
Reisen, Medikamente/Impfungen, Schwangerschaft

- Untersuchung: Rachen, Lunge, LK, Gelenke

- Basis: BB, CRP, BSG; Rachenabstrich/Antigen, ggf. ASL‑Titer

- Röntgen‑Thorax bei jedem EN (Sarkoidosis/TB)

- Kontextabhängig: IGRA (v. a. vor Steroiden), Stuhl (Erreger,
fäkales Calprotectin), Schwangerschaftstest

- Biopsie erwägen bei: atypischer Lokalisation, >6 cm, >8
Wochen, Ulzera

Differenzialdiagnosen

- Erysipel/Phlegmone (einseitig, heiß, hohe Entzündung)

- Hämatom (Trauma‑Anamnese)

- Chronisch‑venöse Insuffizienz (Ödeme, Stau, Ulzera)

- Thrombophlebitis (strangförmig)

- IgA‑Vaskulitis (tastbare Purpura)

- Erythema induratum (Waden, ulzerierend, lobuläre Pannikulitis
mit Vaskulitis, TB‑Assoziation)

- Subkutanes T‑Zell‑Lymphom (Stamm, weniger schmerzhaft,
B‑Symptome)

Therapie

- Supportiv: Schonung, Hochlagern, Kühlung, Kompressionsstrümpfe
(15–20 mmHg)

- NSAR: Ibuprofen 400–600 mg alle 8 h (max. ~2400 mg/d) oder
Naproxen 250–500 mg 1–2×/d (max. 1000 mg/d); PPI‑Schutz bei
Risiko

- Kaliumiodid (off‑label): 200–300 mg 3×/d; vermeiden bei
Schwangerschaft/Schilddrüse; TSH‑Kontrolle

- Kausal:

- Streptokokken: Phenoxymethylpenicillin (z. B. 1 Mio. IE 3×/d,
10 d) oder Amoxicillin 500 mg 3×/d; bei Penicillinallergie
Makrolid (Resistenzen beachten)

- TB: keine Steroide vor Abklärung; an Spezialambulanz

- Yersinia: meist selbstlimitierend; bei schwerem Verlauf
Doxycyclin 100 mg 2×/d 5–7 d (lokale Empfehlungen)

- CED/Sarkoidose: leitliniengerechte Grunderkrankungstherapie

- Systemische Glucocorticoide (bei starken/refraktären Verläufen,
erst nach Infekt‑Ausschluss): Prednisolon 20–40 mg 1×/d ~1 Woche,
dann Ausschleichen über 2–4 Wochen

Schwangerschaft

- Primär supportiv (Schonung, Kühlung, Hochlagern)

- Analgesie: Paracetamol 500–1000 mg bis 3–4×/d (max. 3–4 g/d je
nach Leitlinie)

- NSAR: vermeiden im 3. Trimenon; im 1.–2. Trimenon kurzzeitig
abwägen

- Kaliumiodid kontraindiziert; systemische Therapien
interdisziplinär

Praxis‑Tipps

- Typisches Bild erkennen; fast immer klinische Diagnose

- Immer nach Auslösern suchen; Röntgen‑Thorax „mitlaufen lassen“

- Schmerzen früh und konsequent behandeln

- Steroide nur gezielt und nach Infekt‑Ausschluss

- Bei untypischem Verlauf: Dermatologie, ggf. Biopsie

Prognose & Take‑home

- Meist selbstlimitierend in 2–8 Wochen, narbenlos

- Rezidive bei ~1/3, häufig getriggert durch neue Auslöser

- Kernbotschaft: Klinik erkennen, Ursache suchen, symptomatisch
behandeln, Steroide zurückhaltend einsetzen
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„Erythrema nodosum“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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