Beschreibung

vor 2 Monaten

Thema: Koxarthrose (Hüftarthrose)


Chronisch progrediente Erkrankung des gesamten Hüftgelenks
(Knorpel, Kapsel, Synovialis, Bänder, Muskulatur). Radiologie und
Beschwerden korrelieren nicht zwingend: Behandle den Menschen,
nicht nur das Röntgen.





Epidemiologie & Relevanz


- Häufig ab ca. 50 Jahren, Frauen etwas häufiger


- Hüft-TEP zählt zu den häufigsten Routineoperationen


- Klinisch wichtig: konservative Therapie, OP-Indikation,
Nachbehandlung





Ursachen: primär vs. sekundär


Primär (idiopathisch):


- Alter, weibliches Geschlecht, Adipositas, genetische Faktoren





Sekundär (mit Ursache):


- Posttraumatisch (Frakturen/Verletzungen)


- Entzündlich (z.B. rheumatoide Arthritis)


- Metabolisch (z.B. Diabetes, Hyperurikämie, Hämochromatose,
Hypercholesterinämie)


- Fehlformen/strukturelle Ursachen: Hüftdysplasie, (frühere)
Luxation, Morbus Perthes, Epiphysiolysis capitis femoris,
femoroazetabuläres Impingement


- Überlastung z.B. bei ipsilateraler Knieversteifung


Merke: Bei jüngeren Patient:innen gezielt nach strukturellen
Ursachen suchen.





Klinik: typische Beschwerden


- Früh: Anlaufschmerz, Belastungsschmerz (Gehen, Treppen, Stehen)


- Spät: Ruhe- und Nachtschmerz (Hinweis auf fortgeschrittene
Erkrankung)


- Schmerzlokalisation:


- typisch: Leiste


- möglich: Oberschenkel, Gesäß, Projektion ins Knie (bei
Knieschmerz ohne Kniebefund immer Hüfte untersuchen)


- Funktion: früh oft Innenrotation eingeschränkt, später auch
Abduktion/Flexion


- Hinken, Schonhaltung, ggf. (scheinbare/echte) Beinverkürzung


- Alltagsmarker: Schuhe/Socken anziehen, Auto einsteigen





🩺 Untersuchung: was zählt


- Gangbild: Hinken, verkürzte Standphase


- ROM aktiv/passiv: Fokus Innenrotation (schmerzhaft +
eingeschränkt = hochverdächtig)


- DD mitdenken:


- Trochanterlateraler Schmerz eher trochantäres Schmerzsyndrom


- Radikulär/neurologisch LWS abklären


Diagnose bleibt klinisch-radiologisch (Symptome + Funktion +
Bildgebung).





🩻 Diagnostik


Röntgen Standard:


- Becken a.p. + axiale Hüftaufnahme


- Zeichen: Gelenkspaltverschmälerung, subchondrale Sklerose,
Geröllzysten, Osteophyten, Deformierungen


MRT: nur bei DD (Femurkopfnekrose, Tumor, Stressfraktur,
Entzündung).


Labor: kein Arthrosemarker; wichtig bei Verdacht auf
sekundäre/entzündliche/infektiöse/metabolische Ursachen.





Therapieprinzip


Indikation richtet sich nach Symptomen, Funktion, Leidensdruck
(nicht nach „Röntgengrad“ allein).





Konservativ: Basismaßnahmen


- Gewichtsreduktion (wenige kg können relevant sein)


- Dosierte Aktivität statt Schonung: Radfahren,
Schwimmen/Aquajogging, Muskeltraining


- Physio/Bewegungstherapie; Wärme bei Verspannung, Kälte bei
Reizung


- Hilfsmittel: Gehstock kontralateral (entlastet deutlich)





Take-home


- Leistenschmerz + eingeschränkte Innenrotation an Hüfte denken


- Beschwerden ≠ Röntgenbefund: klinisch führen


- Konservativ heißt: Bewegung, Gewichtsreduktion, Physio,
Hilfsmittel + rationale Analgesie


- NSAR nur mit Risiko-Check (GI/Niere/KV/Medikation)


- Nach Hüft-TEP: Frühmobilisation, Thrombose- und
Luxationsprophylaxe sind Schlüsselpunkte
15
15
Close