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Ziel der Folge

Strukturierter, klinisch hilfreicher Zugang zu
Nierenerkrankungen: Befunde einordnen, Urin richtig
interpretieren, Leitsymptome pathophysiologisch verstehen.

Kernaussage: Überlappungen sind die Regel – systematisch statt
„Schubladen“.

Grundbegriffe & Einordnung

- Glomeruläre Erkrankungen

- Glomerulonephritis: immunvermittelt, entzündlich,
typischerweise beidseitig

- Glomerulopathie: strukturelle Glomerulusschädigung, nicht
zwingend entzündlich

- Tubulo-interstitielle Erkrankungen

- Interstitium + Tubuli betroffen; rein tubulo-interstitiell eher
selten

- Mischformen häufig; wechselseitige Schädigung glomerulär
tubulo-interstitiell

Klinisch sinnvolle Klassifikationen

1) Primär renal vs. systemisch

- Primär: IgA-Nephropathie, Minimal-Change, primäre FSGS,
medikamentenassoziierte AIN

- Systemisch: diabetische/hypertensive Nephropathie,
Lupusnephritis, Vaskulitiden

2) Nach Struktur

- Endothelschaden eher Hämaturie/nephritisches Bild (z.B. GPA)

- Basalmembran/Podozyten starke Proteinurie/nephrotisch (z.B.
Minimal-Change)

- Mesangium wichtig z.B. bei IgA-Nephropathie

Merke: Bei Proteinurie oder Hämaturie zuerst glomerulär denken.

3) Nach Ätiologie (Auswahl)

- Entzündlich/autoimmun: SLE, Vaskulitiden, Sjögren

- Infektiös: infektassoziierte GN, Hantavirus, Pyelonephritis

- Vaskulär: Nierenarterienstenose, Embolie/Thrombose,
Cholesterinembolien, TMA

Red flag: Flankenschmerz + Hämaturie + Kreatininanstieg
Niereninfarkt (v.a. bei VHF)

- Malignom: Leichtketten (Myelom)
Cast-Nephropathie/AL-Amyloidose

- Substanzinduziert: NSAID, Antibiotika, Lithium, PPI,
Zytostatika; auch allergische AIN

- Metabolisch: Diabetes, Gicht; genetisch: Alport, polyzystische
Nieren

Nephritisch vs. nephrotisch (Urinmuster)

Nephritisch (Kapillarwandschaden)

- glomeruläre Hämaturie: dysmorphe Erythrozyten, Akanthozyten

- Erythrozytenzylinder = starker Glomerulus-Hinweis

- oft mäßige Proteinurie, häufig GFR/Kreatinin

Nephrotisch (Filterselektivität verloren, Filtration erhalten)

- starke Proteinurie (v.a. Albumin/Transferrin)

- initial oft keine Hämaturie, Kreatinin anfangs häufig normal

- bei Vollbild: Hypalbuminämie + Ödeme

Praktisches Vorgehen im Alltag

Erste Leitfrage: Proteinurie? Hämaturie? GFR-Abfall?

- Teststreifen als Einstieg, aber: Blut+ ≠ immer Erythrozyten
(auch Hb/Myoglobin)

- Bei Blut+ und GN-Verdacht: Urinsediment (Akanthozyten,
Ery-Zylinder)

- Protein+ Quantifizierung: ACR/PCR im Spontanurin (ggf.
24h-Urin)

Therapie- und Akut-Orientierung (klinische Muster)

- Nephrotisches Syndrom/Ödeme: Kochsalzrestriktion +
Schleifendiuretika (z.B. Furosemid), engmaschige Kontrollen
(Gewicht, RR, Kreatinin, Elektrolyte)

- Proteinurie: ACE-Hemmer/Sartane (z.B. Ramipril, Losartan)

nach Start/Dosissteigerung Kreatinin & Kalium nach Tagen
bis 1–2 Wochen

- Nephritisches Sediment + rascher Kreatininanstieg/Oligurie
Verdacht RPGN = Notfall

Nephrologie + zügige Biopsie, ggf. hochdosierte
Steroide/Immunsuppression (nicht „im Alleingang“)

- Medikamenteninduzierte AIN: auslösendes Medikament stoppen;
ggf. Steroide bei ausbleibender Besserung

🩺 Hypertonie & Elektrolyte

- RR-Kontrolle essenziell; bei Proteinurie ACEi/ARB first line;
add-on z.B. Amlodipin

- Bei Volumenüberladung: Diuretika oft effektiver als weiteres
Antihypertensivum

- Hyperkaliämie als Gefahr (ACEi/ARB, K-sparende Diuretika, AKI):
Management nach Schweregrad/EKG, ggf. i.v. Kalzium,
Insulin/Glukose, Dialyse

Take-Home

- Denke systematisch: glomerulär vs. tubulo-interstitiell;
nephritisch vs. nephrotisch

- Sediment + Proteinquantifizierung + Verlauf (Kreatinin, RR,
Volumenstatus, Medikamente) schlagen „Zebra-Diagnosen“

- Chronische Proteinurie ist nicht nur Marker, sondern Treiber
tubulo-interstitieller Progression.
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„Grundlagen nephrotischer Krankheitsbilder“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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