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🩺 Thema & Definition

Nephrotisches Syndrom = klinisches Syndrom (keine
Einzelkrankheit) als Hinweis auf glomeruläre Erkrankung.

Diagnostische Trias

- Schwere Proteinurie (typisch > 3,5 g/Tag)

- Hypalbuminämie

- Ă–deme

Wichtig: Isolierte starke Proteinurie allein ist kein
nephrotisches Syndrom.

Proteinurie: praktische Messung

- 24-h-Sammelurin oder

- Protein/Kreatinin-Quotient bzw. Albumin/Kreatinin-Quotient im
Spontanurin

Pathophysiologie (glomerulärer Filter)

- Schädigung der Filtrationsbarriere, v. a. Podozyten
Albuminverlust im Urin

- Leber kompensiert mit Proteinsynthese, aber auch
Lipoproteine Hyperlipidämie

- Bei Überschreiten der Synthesekapazität ausgeprägte
Hypalbuminämie Ödeme verstärken sich

Ă–deme: zwei Modelle

- Overfill (häufig dominierend): renale Na+/Wasser-Retention
VolumenĂĽberladung

- Underfill: Hypalbuminämie kolloidosmotischer Druck
Flüssigkeit ins Interstitium „intravasal leer“
RAAS-Aktivierung zusätzliche Retention

Praxis: Ödem ≠ automatisch hypervoläm; Diuretika vorsichtig bei
möglicher intravasaler Hypovolämie.

️ Folgen des Proteinverlusts

- Infektanfälligkeit: Verlust von Immunglobulinen

- Hyperkoagulabilität: Verlust u. a. von Antithrombin
Thrombosen/Embolien (TVT, LE, Nierenvenenthrombose)

Red flags: neue Flankenschmerzen, Makrohämaturie, akute
Nierenfunktionsverschlechterung.

Häufige Ursachen

- Kinder: Minimal-Change-Glomerulopathie (MCG)

- Erwachsene: membranöse Glomerulopathie (häufig), zudem FSGS

- Sekundär/systemisch: diabetische Nephropathie, Lupusnephritis,
Amyloidose u. a.

Krankheitsbilder im Ăśberblick

Minimal-Change (MCG)

- LM meist unauffällig; EM: Podozytenfußfortsatz-Verschmelzung

- Oft selektive Proteinurie, blandes Sediment; Nierenfunktion bei
Kindern meist erhalten

- Therapie: hochdosierte Steroide; bei Steroidresistenz/Rezidiven
CNI (Ciclosporin/Tacrolimus), ggf. Cyclophosphamid

FSGS

- Fokal/segmental sklerosierte Glomeruli; primär, genetisch oder
sekundär (Hyperfiltration, Viren, Medikamente/Toxine)

- Häufig schlechteres Steroidansprechen; ggf. CNI oder
Mycophenolat-Mofetil

- Sekundäre Formen: Ursache behandeln, Immunsuppression oft wenig
hilfreich

Membranöse Glomerulopathie

- Autoantikörper, v. a. Anti-PLA2R (Hinweis auf primäre Form)

- Verlauf variabel: von Proteinurie bis ausgeprägtes Syndrom;
teils Spontanremission, teils Progress

- Therapie nach Risiko: konservativ vs. Immunsuppression
(Rituximab; alternativ Steroide + Cyclophosphamid)

Diagnostisches Vorgehen

Anamnese/Untersuchung

- Gewichtszunahme, schaumiger Urin, Bein-/Lidödeme (morgens),
Dyspnoe, Aszites/Pleuraerguss, Blutdruck

Pädiatrischer Merksatz: beidseitige Lidödeme ≠ automatisch
Allergie Urinstix niedrigschwellig.

Labor & Zusatzdiagnostik

- Urin: Quantifizierung der Proteinurie, ggf.
Protein-Differenzierung (selektiv vs. unselektiv), Sediment

- Blut: Albumin/GesamteiweiĂź, Lipide,
Immunglobuline/Antithrombin, Kreatinin/eGFR, Elektrolyte

- Ursachenabklärung: HbA1c, HBV/HCV/HIV, ANA/anti-dsDNA,
Anti-PLA2R (bei V. a. membranös)

- Sonografie: Basisdiagnostik (Größe, Parenchym, chronische
Zeichen, ErgĂĽsse/Aszites)

- Goldstandard: Nierenbiopsie (meist beim Erwachsenen
erforderlich; Kinder mit typischem steroid-sensiblem Verlauf oft
zunächst ohne)

Therapie: Prinzipien & SupportivmaĂźnahmen

Ziel: Proteinurie senken (prognostisch entscheidend)

- RAAS-Blockade: ACE-Hemmer/ARB (Kontrolle von Kreatinin &
Kalium nach Start/Steigerung)

- SGLT2-Hemmer (z. B. Dapagliflozin/Empagliflozin) bei geeigneter
Indikation/ Nierenfunktion

Take-home

- Nephrotisches Syndrom = Proteinurie + Hypalbuminämie + Ödeme

- Häufige Ursachen: Kinder MCG; Erwachsene membranös und FSGS

- Komplikationen: Ödeme, Hyperlipidämie, Infekte, Thrombosen

- Diagnostik: Quantifizierung der Proteinurie + Blutlabor; beim
Erwachsenen meist Biopsie

- Therapie: Proteinurie senken (ACE/ARB ± SGLT2), Ödeme steuern,
Ursache gezielt behandeln (ggf. Immunsuppression)
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„Nephrotisches Syndrom“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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