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Thrombotische Mikroangiopathien (TMA): selten, aber zeitkritisch
– „Zeit ist Organfunktion“.

Definition & TMA-Trias

TMA ist definiert durch:

- Mikroangiopathische hämolytische Anämie (MAHA)

- Thrombozytopenie (Verbrauch)

- Organschaden durch Mikrothromben (v. a. Niere, Gehirn, Herz)

Merksatz: Hämolyse + Thrombozytopenie + Organschaden = an TMA
denken.

MAHA: typische Befunde

- Blutausstrich: Fragmentozyten (Schistozyten)

- Labor: LDH, Haptoglobin, indirektes Bilirubin, oft
Retikulozytose

- Direkter Coombs-Test meist negativ (Abgrenzung zur
Immunhämolyse)

TTP (thrombotisch-thrombozytopenische Purpura)

Hämatologischer Notfall: unbehandelt meist letal, mit schneller
Therapie >95% Überleben.

Pathomechanismus

Meist schwere ADAMTS13-Defizienz ultralange vWF-Multimere
plättchenreiche Mikrothromben.

- Erworben (~95%): Autoantikörper gegen ADAMTS13

- Angeboren: genetisch; Trigger u. a. Infektionen,
Schwangerschaft, Stress

🩺 Klinik (typisch, Pentade oft unvollständig)

- Ausgeprägte Thrombozytopenie

- Neurologische Symptome (fluktuierend): Kopfschmerz,
Verwirrtheit, Defizite, Krämpfe, Schlaganfall, Koma

- Herzbeteiligung möglich (Troponin = ungünstig)

- Niere oft weniger prominent als bei HUS

HUS (hämolytisch-urämisches Syndrom)

Ursachen

- STEC-HUS (Shigatoxin-bildende E. coli), häufig Kinder (2–5 J.),
oft nach Diarrhö

- Komplementvermitteltes HUS: Dysregulation des Komplements
Endothelschaden

🩺 Klinik

- Niere im Vordergrund: AKI, Oligo-/Anurie, Hypertonus, Ödeme,
Hämaturie/Proteinurie

- Oft GI-Prodrom: (blutige) Diarrhö, Bauchschmerz,
Übelkeit/Erbrechen

Diagnostik im Akutsetting

1. Trias bestätigen: BB, Hämolyseparameter, Ausstrich
(Fragmentozyten), Coombs

2. Organe: Kreatinin, Urinstatus; bei Bedarf Troponin/EKG,
Neuro-Assessment ± Bildgebung

3. TTP-Abklärung: ADAMTS13-Aktivität (≤10% spricht stark für TTP)
± Antikörper

4. PLASMIC-Score zur Einschätzung schwerer ADAMTS13-Defizienz

- ≥6 hoch, 5 mittel, ≤4 niedrig

Wichtige Differenzialdiagnosen

- DIC (Gerinnung oft pathologisch; bei TTP PT/aPTT häufig
normal/nur leicht verändert)

- Sepsis, SLE/APS, maligne Hypertonie

- Medikamenten-/Transplantationsassoziierte TMA

- Schwangerschaft: HELLP

Therapie: TTP (sofort starten bei hohem Verdacht)

Nicht auf ADAMTS13 warten.

- Täglicher Plasmaaustausch (PEX) + FFP

- Glukokortikoide (z. B. Prednisolon ~1 mg/kg; bei schwerem
Verlauf i.v. Pulse)

- Caplacizumab früh erwägen (vWF-Blockade; Blutungsrisiko
beachten)

- Start: 10 mg i.v. vor PEX, dann 10 mg s.c. täglich (inkl. nach
PEX), meist +30 Tage nach PEX-Ende

- Rituximab bei unzureichendem Ansprechen/hoher
Autoimmunaktivität (klassisch 375 mg/m² wöchentlich ×4)

- Supportiv: Organmonitoring, ggf. Dialyse, Thromboseprophylaxe
individuell

Stolperstein: Keine routinemäßige Thrombozytentransfusion (nur
bei lebensbedrohlicher Blutung/Notfalleingriff).

Angeborene TTP

- ADAMTS13-Substitution (rekombinant oder Plasma ~10–15 ml/kg je
nach Situation)

- Kein vWF-Konzentrat

Rezidiv

Erworbene TTP: ~40% Rezidivrisiko ADAMTS13-Verlauf; ggf.
präemptiv Rituximab.

🩺 Therapie: HUS

- STEC-HUS: primär supportiv (Flüssigkeit/Elektrolyte, Blutdruck,
ggf. Dialyse); Antibiotika zurückhaltend, keine Antimotilität bei
blutiger Diarrhö

- Komplementvermitteltes HUS: Eculizumab (C5-Inhibition)

- wichtig: Meningokokken-Impfung (wenn möglich vor Start) bzw.
Antibiotikaprophylaxe bei Soforttherapie

Praxis-Merker (Nachtdienst-tauglich)

- TMA denken bei: Thrombozytopenie + Hämolyse + Organschaden

- Fragmentozyten aktiv anfordern

- Coombs-negativ unterstützt TMA

- Neuro eher TTP, Niere eher HUS (nicht absolut)

- ADAMTS13 abnehmen, TTP-Therapie nicht verzögern

- Früh interdisziplinär:
Hämatologie/Nephrologie/Transfusionsmedizin ± Neuro/ITS

Organisatorisches

STEC-HUS: namentliche Meldepflicht (Verdacht, Erkrankung, Tod).
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„Thrombotische Mikroangiopathien“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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