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Polyzystische Nierenerkrankungen (Zystennieren):
klinisch-praktische Einteilung statt historischer
Potter-Klassifikation.

Die 4 wichtigsten Konstellationen (Merkschema)

- ARPKD: früh, beidseitig, viele kleine gleichförmige Zysten,
obligate Leberfibrose

- ADPKD: spät, beidseitig, Zysten variabler Größe, häufig
extrarenal (v. a. Leberzysten, intrakranielle Aneurysmen)

- Multizystische Nierendysplasie: meist sporadisch, oft
einseitig, unterschiedlich große Zysten

- Zystische Nierendysplasie bei fetaler Obstruktion: sekundär
durch Druck/Abflussstörung (keine primäre Zystenerkrankung)

ARPKD (autosomal-rezessiv)

- Genetik: meist PKHD1 (Chr. 6) Fibrocystin,
Zilienmembran-Störung

- Klinik: Neugeborene/Kinder, Hypertonie, Hämaturie/Proteinurie,
frühe CKD

- Leber: obligate Leberfibrose portale Hypertension, ggf.
Leberzysten

- Pränatal/Neonatal: Oligohydramnion, große Nieren
Lungenhypoplasie/resp. Insuffizienz

- Sono: diffus echogene (scheinbar „zu helle“) vergrößerte Nieren
durch viele Mikrozysten

Multizystische Nierendysplasie (meist sporadisch)

- Patho: gestörte Interaktion Ureteranlage–Nierenanlage
Fehlentwicklung der Nephrone

- Morphologie: Zysten unterschiedlich groß

- Typisch: einseitig, oft wenig Symptome bei gesunder Gegenseite

- Management: Verlaufskontrollen (Involution möglich), Fokus auf
Funktion der Gegenseite/CKD-Risiko

ADPKD (autosomal-dominant) ‍

- Genetik: PKD1 (Chr. 16) / PKD2 (Chr. 4) Polycystin 1/2
(Zilienproteine)

- Klinik: Erwachsene, Hypertonie oft früh, Flankenschmerz,
Hämaturie/Proteinurie, CKD über Jahrzehnte

- Extrarenal (prüfungs- & praxisrelevant):

- Leberzysten (sehr häufig)

- Zysten: Pankreas, Milz, Ovar/Hoden

- intrakranielle Aneurysmen (SAB-Risiko)

- Herzklappenfehler, LVH; außerdem Divertikel, Hernien

- Sono/CT: beidseits vergrößerte Nieren, multiple Zysten
verschiedener Größe; „dichte“ Zyste Einblutung denken

Sekundäre Zysten bei fetaler Obstruktion (Potter IV)

- Mechanismus: fetale Abflussstörung (z. B. Stenose) Druck
sekundäre Zysten/Dysplasie

- Therapieprinzip: Obstruktion beseitigen (kausal, ggf. kurativ)

Diagnostisches Vorgehen

- Anamnese: Familienanamnese (Dialyse/Niereninsuffizienz, Zysten,
SAB/Aneurysmen, schwere Hypertonie, unklare Todesfälle)

- Sonografie: Größe, Seite, Anzahl/Größe der Zysten, Echogenität

- Labor/Monitoring: Kreatinin/eGFR, Urin (Hämaturie/Proteinurie),
Blutbild (renale Anämie), (Langzeit‑)RR

- Genetische Beratung bei hereditären Formen

- Aneurysma-Screening bei ADPKD: risikobasiert (Fam.-Anamnese,
Symptome, besondere Risikosituationen)

Therapie – gemeinsame Basis

- Ziel: Organfunktion schützen (nicht „Zysten jagen“)

- RR-Kontrolle (oft ACE-Hemmer/ARB; Kreatinin & K+ nach
Start/Dosisanpassung kontrollieren)

- Nephrotoxika meiden: v. a. NSAR; Analgesie oft eher Paracetamol
(Leber mitdenken)

- CKD-Management, Komplikationen früh erkennen; ggf.
Dialyse/Transplantation

Spezifisch bei ADPKD: Tolvaptan

- V2-Rezeptor-Antagonist verlangsamt Progression bei
geeigneten/progredienten Verläufen

- UAW: Aquarese Polyurie, Nykturie, Durst; Risiko
Hepatotoxizität

- Pflicht: regelmäßige Leberwertkontrollen + klare
Trink-/Nebenwirkungsaufklärung

Differenzialdiagnosen (kurz)

- Markschwammniere: papilläres Sammelrohrproblem,
Nephrolithiasis/Infekte; ggf. Thiazid zur Steinprophylaxe

- Einfache Nierenzyste: meist harmlos; Warnzeichen: Binnenechos,
Septen, verdickte Wand weiter abklären

Take-home

- ARPKD: früh + klein/gleichförmig + Leberfibrose

- ADPKD: spät + variabel groß + extrarenal (Leberzysten,
Aneurysmen)

- Einseitig eher multizystische Dysplasie

- Druckproblem Obstruktion (sekundär)

- Entscheidend im Alltag: RR messen, Verlauf kontrollieren,
Nephrotoxika vermeiden, Leber mitdenken
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„Polyzystische Nierenerkrankungen“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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