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🩺 Klinik: chronisch vs. akut

Chronische Anämie (oft unspezifisch):

- Müdigkeit, Leistungsabfall, Blässe, Schwindel,
Konzentrationsstörungen

- bei schwerer: Dyspnoe, Tachykardie, Palpitationen,
Angina-ähnlich

- geriatrisch: Stürze, funktioneller Abbau, „depressive“
Symptomatik

Akute Blutungsanämie (potenziell dramatisch):

- Hypotonie, Tachykardie, Kaltschweißigkeit, Synkope, Schock

- Cave: Hb/Hkt initial noch normal direkt nach akutem Blutverlust

️ Anamnese & Status: worauf achten?

- Blutungsquellen: Menorrhagie, Teerstuhl/Hämatochezie,
Hämaturie, OP, okkult GI

- Chronische Erkrankungen: Entzündung, Infektion, Tumor, Niere

- Ernährung/Malabsorption: vegan, bariatrisch, Zöliakie, Alkohol

- Medikamente: Antikoagulanzien/ASS, MTX, Hydroxyurea, Zidovudin,
PPI, Chemo

- Familien-/Herkunftsanamnese: Thalassämie, hereditäre Hämolysen

- Untersuchung: Blässe, Ikterus, Lymphknoten,
Hepatosplenomegalie, neuro. Zeichen, Herzinsuffizienzzeichen

Blutbild-Logik (MCV/MCH + Retikulozyten)

- Mikrozytär/hypochrom oft Hb-Syntheseproblem (v.a.
Eisenmangel/Thalassämie/ACD)

- Normozytär oft ACD, Niere, Blutung (breite DD)

- Makrozytär v.a. B12/Folat, Alkohol, Leber, MDS, Medikamente

Mikrozytär: Eisenmangel vs. ACD vs. Thalassämie

Eisenmangel:

- Ferritin (aber Akute-Phase!), immer mit CRP interpretieren

- typischerweise: Transferrinsättigung , Transferrin , sTfR ,
Retikulozyten-Hb

- Ursachensuche Pflicht:

- prämenopausal: häufig Menorrhagie

- Männer/postmenopausal: GI-Blutung bis zum Beweis des Gegenteils
(ggf. Gastro-/Koloskopie)

Therapie Eisen:

- oral meist 1. Wahl (z.B. ~100 mg elementares Eisen täglich oder
jeden 2. Tag; Verträglichkeit beachten)

- i.v. bei Unverträglichkeit, Malabsorption, CED, hohem Bedarf,
fortgeschrittener CKD, Bedarf an rascher Auffüllung

ACD:

- Entzündung/Hepcidin, verminderte Eisenverfügbarkeit, gedämpfte
EPO-Antwort

- häufig: Ferritin normal/, CRP , Transferrinsättigung ,
Transferrin normal/

- Therapie: Grunderkrankung behandeln, Mischbilder häufig

Thalassämie:

- ausgeprägte Mikrozytose bei oft moderater Anämie, Ferritin
meist normal, Erythrozytenzahl relativ hoch

- Diagnose: Hb-Analyse; Eisen nur bei gesichertem Mangel

Normozytär: Blutung/Hämolyse vs. Hypoproliferation

- Retikulozyten hoch Hämolyse-/Blutungsabklärung

- Hämolyse: LDH , indirektes Bilirubin , Haptoglobin , ggf.
Coombs, Ausstrich

- Retikulozyten nicht erhöht ACD, renale Anämie, endokrin,
frühes Eisenmangelstadium, KM-Erkrankungen/Medikamente

- Basislabs oft: Nierenwerte, CRP, Ferritin, Leberwerte, TSH,
B12/Folat

Makrozytär: B12/Folat & Co.

DD: Vitamin-B12-Mangel, Folatmangel, Alkohol, Leber, Medikamente,
MDS, Retikulozytose

- B12-Mangel: hämatologisch Makrozytose ± Bi-/Panzytopenie;
neurologisch (Parästhesien, Gangstörung etc.) teils irreversibel

- Diagnostik: B12, Holo-TC, ggf. Methylmalonsäure; Homocystein

- Folatmangel: Folsäure , Homocystein , Methylmalonsäure normal

- Therapie: B12 je nach Ursache oral hochdosiert oder i.m. (z.B.
Hydroxocobalamin 1000 µg initial wiederholt, dann alle 2–3
Monate); Folat oft 5 mg/d über Monate

Sicherheitsregel: Bei unklarer Makrozytose keine Folsäure ohne
B12-Ausschluss.

Red Flags (rasch/weiter abklären, ggf. Hämatologie)

- Blasten im Blut

- Bi- oder Panzytopenie

- ausgeprägte Leukozytose/Thrombozytose

- B-Symptomatik

- Hepatosplenomegalie/Lymphadenopathie

- neurologische Symptome bei Makrozytose

- schwere/rasch progrediente oder unplausible Anämie

🩸 Transfusion: pragmatisch

- Entscheidung nach Klinik, Dynamik, Komorbidität, nicht nur Hb

- häufig restriktiv: stabil oft ~7 g/dl; bei KHK/Symptomen eher
~8 g/dl (orientierend)

- nach jeder EK-Einheit re-evaluieren; immer kausal mitbehandeln
(Eisen/B12/Folat/Blutungsquelle)

Take-home

- Anämie ist meist Symptom Ursache finden.

- MCV/MCH + Retikulozyten strukturieren die Abklärung.

- Mikrozytär: Eisenmangel/ACD/Thalassämie; Normozytär:
Retikulozyten entscheiden; Makrozytär: B12 vor Folat.
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„Anämie“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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