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Akute Pyelonephritis = infektiöse Entzündung von Nierenbecken +
Nierenparenchym

Erreger & Pathophysiologie

- Meist aufsteigender bakterieller Infekt

- Häufigste Erreger: E. coli (~70%), außerdem Proteus mirabilis,
Klebsiellen (Enterobacterales, gramnegative Stäbchen)

- Patho: destruktive interstitielle Nephritis (eitrig,
Parenchym-/Tubulusschädigung)

️ Unkompliziert vs. kompliziert

Unkompliziert, wenn: Flankenschmerz/Nierenlagerklopfschmerz
und/oder Fieber >38°C ± Zystitiszeichen ohne Risikofaktoren.

Kompliziert, wenn zB:

- Anatomisch: Steine, Stenosen, Divertikel, postoperativ

- Funktionell: Restharn/Blasenentleerungsstörung, BPH

- Schwangerschaft, CKD, Immunsuppression, schlecht eingestellter
Diabetes, HIV, Leberinsuffizienz

- Fremdkörper (Katheter)

🩺 Klinik (Red Flags)

- Typisch: Fieber, Schüttelfrost, (meist einseitiger)
Flankenschmerz, Nierenlagerklopfschmerz

- Häufig vorher/parallel: Zystitiszeichen (Dysurie, Pollakisurie,
suprapubischer Schmerz)

- Diabetes: Symptome ggf. abgeschwächt (Polyneuropathie)

- Männer: bei fieberhaftem HWI häufig Prostatabeteiligung
(>90%) beeinflusst v.a. Therapiedauer

Diagnostik (Praxis)

Pflicht: Urinkultur vor Antibiotika.

- Urinstix: Leukozyturie, Mikrohämaturie

- Sediment: Leukozytenzylinder (Hinweis obere Harnwege)

- Blut: BB, CRP/Entzündungswerte, Kreatinin/Harnstoff

- Blutkulturen bei schwerem Verlauf/Sepsisverdacht (wenn ohne
relevante Verzögerung möglich)

️ Bildgebung & Fokuskontrolle

- Sono Niere/Harnblase bei Verdacht auf komplizierende
Faktoren/Obstruktion/unklarer Verlauf

- Ziel im Alltag: Obstruktion ja/nein (infizierte
Harnstauungsniere = urologischer Notfall)

- CT mit KM/Urogramm bei unklarer Genese, schwerem Verlauf oder
Fieber >72 h trotz Therapie (Abszess/Stein/Obstruktion)

Therapie – Grundsätze

- Pyelonephritis immer antibiotisch behandeln (Risiko
Urosepsis)

- Supportiv: Flüssigkeit, Analgesie

- Harnableitung: bei Restharn/Harnverhalt ggf. DK; bei oberer
Obstruktion urologisch (Schiene/Nephrostomie)

Empirische Antibiotika (Auswahl aus dem Text)

Unkompliziert, mild (ambulant):

- Fluorchinolon (nur bei passender Resistenzlage; wenn lokale
E.-coli-FQ-Resistenz >~10% eher meiden)

- Ciprofloxacin 500 mg p.o. 2×/d oder Levofloxacin 500 mg p.o.
1×/d (teils 750 mg 1×/d kurz)

- Alternative: Cephalosporin-Strategie

- Ceftriaxon 1–2 g i.v. einmalig, dann Cefpodoxim 200 mg p.o.
2×/d (gesamt meist 7–10 d)

Unkompliziert, schwer (stationär i.v.):

- Cefotaxim 2 g i.v. 3×/d oder Ceftriaxon 2 g i.v. 1×/d

- Alternativ i.v. Fluorchinolon (Nutzen-Risiko)

- Weitere Optionen: Piperacillin/Tazobactam 4,5 g i.v. 3–4×/d,
ggf. Gentamicin 5–7 mg/kg i.v. 1×/d (Spiegel, nephro-/ototoxisch)

Kompliziert:

- Oft stationär, i.v., plus Behandlung des komplizierenden
Faktors

- Bei MDR/ESBL-Risiko ggf. Carbapenem (z.B. Meropenem 1 g i.v.
3×/d) in Abstimmung (Infektiologie/Urologie)

Therapiedauer (Orientierung):

- Mild 5–10 Tage, schwer 7–14 Tage

- Männer häufig ~14 Tage (Prostata mitdenken)

️ Wenn nach 72 h kein Abfall des Fiebers

Denken an: Resistenz, Non-Adhärenz, falsche Diagnose,
Prostatitis, perinephritischer Abszess, Harnstau/Stein.

️ Komplikationen

- Urosepsis (Hypotonie, Tachykardie, Vigilanzminderung,
Laktat/Organdysfunktion) Sepsis-Algorithmus + Fokuskontrolle

- Rezidive, Narben/Shrumpfniere, Nierenversagen (v.a.
beidseitig/Einzelniere/vorgeschädigt)

Sonderfall Schwangerschaft

- Niedrige Schwelle für Diagnostik + Therapie, stationär
großzügig erwägen

- Diagnostik: Urinkultur, Labor, Sono; wenn nötig eher MRT als CT

- Therapie: v.a. Cephalosporine (z.B. Ceftriaxon i.v.; nach
Stabilisierung Cefpodoxim p.o.), ggf. Amoxicillin/Clavulansäure
nach Antibiogramm

- Fluorchinolone & Cotrimoxazol nicht empfohlen/ nur Ausnahme

- Kontroll-Urinkultur nach Therapie (Eradikationsnachweis)

Merksätze

- Immer Urinkultur. Immer früh Antibiotika.

- Obstruktion ausschließen – bei Verdacht: Sono + Harnableitung.

- Fieber + Flankenschmerz Pyelonephritis aktiv mitdenken
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„Akute Pyelonephritits“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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