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Beschreibung
vor 1 Monat
Urolithiasis (Harnsteine)
Der echte Notfall
Nicht der Stein allein, sondern infizierter Harnstau.
Alarmzeichen:
- Stein + Fieber/Schüttelfrost/Infektzeichen
- Einzelniere mit Obstruktion
sofort Antibiotika + Harnableitung (DJ-Katheter oder perkutane
Nephrostomie), definitive Steinentfernung nach Stabilisierung.
Ursachen & Risikoprofil
Häufig in Wohlstandsgesellschaften: wenig Trinken, viel
Salz/tierisches Eiweiß, metabolische Faktoren (z. B.
Hyperparathyreoidismus), Infekte, genetische Ursachen,
Abflussstörungen.
Gipfel 30–60 J., Männer häufiger. Steine bei
Kindern/Jugendlichen: an genetisch/metabolisch denken.
🪨 Steinarten – klinisch relevante Highlights
- Kalziumoxalat (häufigste): normale Kalziumzufuhr sinnvoll
(bindet Oxalat im Darm); reduzieren: Salz, exzessives tierisches
Eiweiß, stark oxalatreiche Kost (z. B.
Spinat/Rhabarber/Nüsse/Schokolade).
- Kalziumphosphat: u. a. Hyperparathyreoidismus, distal
renal-tubuläre Azidose bei Hyperkalzämie aktiv PTH prüfen.
- Struvit (Infektsteine): ureasebildende Keime, alkalischer Urin
Teufelskreis InfektStein; Ziel: vollständige Steinentfernung +
gezielte AB-Therapie.
- Harnsäure: oft röntgennegativ, im nativem CT gut sichtbar;
Therapie-Plus: orale Chemolitholyse via Urinalkalisierung
(Citrate/NaHCO₃); Allopurinol bei Hyperurikämie/-urikosurie;
Urikosurika (z. B. Benzbromaron) können Steine fördern.
- Zystin: genetisch, früh rezidivierend; sehr hohe Trinkmenge +
Alkalisierung, Ziel pH > 7,5.
- Medikamentensteine: z. B. Aciclovir, Indinavir, Sulfonamide,
Ceftriaxon; außerdem Risikomodifikation durch z. B.
Topiramat/Acetazolamid/hoch dos. Vit. C/Vit. D
Medikamentenanamnese!
🩺 Klinik
Nierenkolik: wellenförmiger stärkster Flankenschmerz mit
Ausstrahlung (Leiste, Labien/Hoden), Unruhe, Übelkeit/Erbrechen.
Hämaturie häufig, aber: fehlende Hämaturie schließt Stein nicht
aus.
Diagnostik (praktisch)
- Urin: Erythrozyten, Leukozyten, Nitrit, pH
- Blut: Kreatinin, Entzündungswerte, Elektrolyte, Harnsäure,
Kalzium (± Gerinnung)
- Bildgebung:
- Sonografie zuerst (Stauungsgrad, Steingröße/Lokalisation,
Parenchymdicke)
- Natives CT bei unklarem US, V. a. Ureterstein,
Komplikationen/Sepsis/Einzelniere
- Röntgen nur ergänzend (Kalziumsteine sichtbar, Harnsäure nicht)
- Steinanalyse (abgegangen/entfernt) als Basis der Metaphylaxe.
Akuttherapie
- Analgesie: Metamizol i. v., alternativ NSAR (z. B. Diclofenac
bei geeigneter Nierenfunktion), Paracetamol i. v. (z. B.
Schwangerschaft), ggf. Opioide titriert.
- Butylscopolamin: nicht routinemäßig empfohlen.
- Konservativ bei kleinen, unkomplizierten Uretersteinen (≈ bis 7
mm): Analgesie, Bewegung, Flüssigkeit, Kontrollen; Tamsulosin 0,4
mg (Off-Label), v. a. distal.
️ Interventionen – wann & wie
Indikationen: anhaltende Obstruktion, Therapieversagen,
Komplikationen, hoher Leidensdruck, Einzelniere, infizierter
Harnstau.
Verfahren:
- URS (häufig): Bergung/Laserlithotripsie, ggf. DJ; Risiken:
Verletzung, Blutung, Infekt/Urosepsis.
- PCNL bei großen Nierensteinen (>2 cm): effektiv, invasiver.
- ESWL für geeignete kleinere Steine; KI u. a. Schwangerschaft,
Gerinnungsstörung, Infekt; Komplikation: Steinstraße.
Nachsorge & Metaphylaxe
Kontrollen: meist sonografisch (≈ innerhalb 3 Monate), bei
Verdacht auf Restfragmente Low-Dose-CT; nach ESWL häufig 6–12
Wochen.
Grundprinzipien: viel trinken (Ziel meist ≥2,5 L/Tag),
Salz/tierisches Eiweiß reduzieren, keine „Kalzium-Null-Diät“,
Softdrinks meiden.
Steinspezifisch: Thiazid bei Hyperkalziurie, Citrate bei
Hypozitraturie; Harnsäure: Alkalisierung (pH ca. 6,2–6,8);
Zystin: Urinmenge hoch + pH >7,5, ggf. Tiopronin.
Risikopatienten: erweiterte Abklärung inkl. (zweifach)
24h-Sammelurin + Urin-pH-Tagesprofil.
️ Merksätze/Fallstricke
- Fieber + Harnstau = urologischer Notfall
- Keine Hämaturie ≠ kein Stein
- Unauffälliges Röntgen schließt Harnsäurestein nicht aus
- Bei Hyperkalzämie an Hyperparathyreoidismus denken
- Nach Akutphase: Steinanalyse + Metaphylaxe (Rezidivprophylaxe)
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