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Diabetes insipidus – wenn Wasser nicht gehalten werden kann

Thema & Abgrenzung

Diabetes insipidus (DI) ist keine Zuckerkrankheit: Störung des
Wasserhaushalts durch fehlendes oder unwirksames ADH
(Vasopressin) hypotone Polyurie und kompensatorische
Polydipsie.

Pathophysiologie (Kurz)

ADH bindet an V2-Rezeptoren (distaler Tubulus/Sammelrohr)
Aquaporin‑2-Einbau Wasserrückresorption.

- Zentraler DI: zu wenig ADH
(Hypothalamus/Hypophysenhinterlappen)

- Renaler (nephrogener) DI: ADH vorhanden, Niere antwortet nicht

- Wichtige DD: primäre Polydipsie (zu viel Trinken als Ursache)

Epidemiologie & Ursachen

Selten (≈ 4/100.000), m:w ähnlich.

- Zentraler DI (häufiger): idiopathisch, postoperativ
(Hypophyse), SHT, Entzündung, Tumoren; bei Kindern u.a.
Kraniopharyngeom/Germinom

- Renaler DI (seltener): v.a. Lithium; auch Amphotericin B,
Aminoglykoside, Cisplatin, Foscarnet, Clozapin;
Hyperkalzämie/Hypokaliämie; genetisch (V2R/AQP2)

🩺 Klinik: Leitsymptome & Red Flags

Polyurie + Polydipsie + (fast immer) Nykturie.

- Merksatz: DI ohne Nykturie ist praktisch ausgeschlossen

- Dehydratationszeichen: Müdigkeit, Hypotonie, Schwindel,
Desorientierung bis Krampfanfälle

- Tumorhinweise: Kopfschmerz, Sehstörungen

- Sonderfall: Adipsie (fehlender Durst) hohes Risiko für
Hypernatriämie

Differenzialdiagnosen (immer zuerst prüfen)

Diabetes mellitus, Diuretika, CKD, Hyperkalzämie, Hypokaliämie,
Medikamente (v.a. Lithium), primäre Polydipsie.

Diagnostik: pragmatischer Ablauf

1) Hypotone Polyurie nachweisen

- 24h-Sammelurin: Polyurie bei > ca. 3 L/Tag oder > 50
ml/kg/24h

- Urin: Osmolalität < 300 mOsm/kg spricht dafür

2) Serum: Natrium/Serumosmolalität (oft hochnormal/erhöht bei DI)

3) Spezialdiagnostik

- Durstversuch (überwacht; Abbruch bei
Gewichtsverlust/Natriumanstieg/Orthostase)

- Desmopressin-Test: deutlicher Anstieg der Urinosmolalität
eher zentral; ausbleibend eher renal

- Copeptin (stabiler ADH‑Marker): hoher basaler Wert eher
renal; stimulierte Tests (NaCl/Arginin) zur Abgrenzung zentral
vs. primäre Polydipsie

4) Bei zentralem DI: MRT Hypothalamus-Hypophyse + Mitbeurteilung
anderer Hypophysenachsen

Akuttherapie & Monitoring

Priorität: freies Wasser ersetzen (oral wenn möglich).

- Bei Hypernatriämie: langsame, kontrollierte Korrektur
(Hirnödem-Risiko bei zu schneller Senkung)

- IV oft Glukose 5% (sofern kein Schock); bei hypovolämischem
Schock zuerst Volumen mit balancierter Lösung

- Stationär: Bilanz, Gewicht, Dokumentation DDAVP; Natrium bei
instabilen Verläufen anfangs engmaschig (z.B. q4h)

Spezifische Therapie

- Zentraler DI: Desmopressin (IV/SC/intranasal/oral/sublingual);
langsam eindosieren, zwischen Gaben Diurese zulassen

- Hauptgefahr: Hyponatriämie/Wasserintoxikation bei Übertherapie
+ weiter hohem Trinken

- Renaler DI: Ursache behandeln (v.a. Lithium
reduzieren/absetzen)

- Amilorid bei Lithium-induziertem DI möglich

- Natriumarme Kost, Thiazide (paradoxe Polyurie-Senkung), ggf.
selektiv NSAR (Nebenwirkungen beachten)

- Primäre Polydipsie: Grunderkrankung behandeln; kein
unkritisches Desmopressin (Wasserintoxikationsrisiko)

️ Komplikationen & Sicherheitsmerksätze

- Unterbehandelt/unkontrolliert: Hypernatriämie, Dehydratation,
Thromboserisiko

- Überbehandelter zentraler DI (DDAVP): Hyponatriämie

- Hyponatriämie unter DDAVP: nicht „blind“ abrupt absetzen
(Risiko rascher Gegenkorrektur) früh Expertise hinzuziehen

Besondere Situationen

- Kinder: streng überwachte Diagnostik, rasche Dekompensation;
pädiatrisch-endokrinologisches Zentrum

- Schwangerschaft: DI kann neu auftreten/verschlechtern
(Vasopressinase); Desmopressin meist wirksam; Durst-/NaCl-Tests
nicht routinemäßig

Take-Home

- DI = Wasserproblem, nicht Zucker.

- Polyurie + Polydipsie + Nykturie sind zentral.

- Erst hypotone Polyurie belegen und häufige Ursachen
ausschließen.

- Copeptin gewinnt diagnostisch an Bedeutung.

- Therapie steht und fällt mit Flüssigkeitsmanagement und
Vermeidung von Hypo-/Hypernatriämie.
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„Diabetes insipidus“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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