Beschreibung

vor 1 Monat

Titel


Urozystitis – was du in der Praxis wirklich wissen musst





Definition & Erregerspektrum


Urozystitis = meist bakterielle Entzündung der Harnblase (untere
Harnwegsinfektion), typischerweise aszendierend aus der
Darmflora.


Häufigster Erreger: Escherichia coli (~80 Prozent), außerdem
Proteus mirabilis, Klebsiella spp., Enterokokken, Staphylococcus
saprophyticus.





Risikofaktoren


- Weibliches Geschlecht (kurze Urethra, Nähe zur Analregion)


- Restharn/Miktionsstörung, strukturelle Harnwegsanomalien


- Dauerkatheter, Obstipation


- Sexualassoziierte Episoden, Harneinhalten, Unterkühlung;
übertriebene Intimhygiene eher ungünstig





Klinische Einteilung (therapieentscheidend)


- Asymptomatische Bakteriurie ≠ behandlungsbedürftige Infektion
(meist keine Antibiotika)


- Untere HWI (Zystitis/Urethritis) vs. obere HWI (Pyelonephritis)


- Unkompliziert vs. kompliziert (Anatomie/Funktion,
Nierenfunktion, relevante Komorbidität)





‍️ Besonderheit Mann


Zystitis beim Mann = immer Ursachenklärung (Restharn/Prostata,
Obstruktion, Steine, Anatomie, STI).





Diagnostik pragmatisch


- Typische Beschwerden bei junger, nicht schwangerer Frau:
Diagnose oft klinisch plausibel


- Urinstix (Leukozyten/Nitrit) als Hilfe; Nitrit negativ schließt
nicht aus


- Urinkultur sinnvoll/indiziert bei: kompliziert,
Therapieversagen, Rezidiv, Mann, Schwangerschaft, V. a.
Pyelonephritis





🩻 Bildgebung


Bei V. a. Obstruktion, Steine, Restharn, schwerem/unklarem
Verlauf. Sonografie meist Methode der ersten Wahl (auch in der
Schwangerschaft).





Therapie: symptomatisch vs. antibiotisch


Bei milder unkomplizierter Zystitis: initial symptomatisch
möglich (mit Sicherheitsnetz).


- Flüssigkeit (nur wenn keine Kontraindikation wie
Herz-/Niereninsuffizienz)


- Analgesie: Ibuprofen 400–600 mg p.o. bis zu 3×/Tag oder
Paracetamol 500–1.000 mg p.o. (Maximaldosis beachten)





Antibiotika (leitlinien- und resistenzgerecht):


- Fosfomycin-Trometamol 3 g p.o. einmalig (häufige Praxisoption)


- Nitrofurantoin (Dosis je Präparat; nicht bei V. a.
Pyelonephritis; Nierenfunktion beachten)


- Trimethoprim/Cotrimoxazol nur bei günstiger
Resistenzlage/Empfindlichkeit





Rezidivierende HWI (Definition & Prävention)


Rezidivierend: ≥2/6 Monate oder ≥3/Jahr. Fokus auf Prävention vor
„nächstes Antibiotikum“.


Nicht-antibiotisch: Trinkmenge, regelmäßige Miktion, Obstipation
behandeln, Intimhygiene moderat, Sexualtrigger/Verhütung
besprechen.


Optionen: D‑Mannose (oft 2 g/Tag), Cranberry, Immunstimulation
OM‑89 (Uro‑Vaxom) für 3 Monate (vor Langzeitantibiose erwägen).


Postmenopause: topische Östrogenisierung vor antibiotischer
Langzeitprophylaxe anbieten.


Antibiotische Langzeitprophylaxe (3–6 Monate) erst bei hohem
Leidensdruck und nach Ausschöpfen anderer Maßnahmen; Substanzwahl
u. Dosierung individuell/leitliniengerecht.


Postkoital: gezielte Einmalprävention (z. B.
Nitrofurantoin/Cotrimoxazol nach Standard).





Schwangerschaft


- Bei Verdacht: Urinkultur obligat (Stix allein nicht
ausreichend), möglichst vor Antibiotika


- Mögliche Optionen: Pivmecillinam, Cephalosporine (z. B.
Cefuroxim), Fosfomycin-Granulat einmalig (leitliniengerecht;
Embryotox/FI beachten)


- Kontroll-Urinkultur nach Therapie zur Eradikationsbestätigung
nicht vergessen


- Asymptomatische Bakteriurie: individualisieren
(Risikokonstellationen berücksichtigen)





Differenzialdiagnosen


Vaginale/vulvovaginale Ursachen (Fluor/Juckreiz/Dyspareunie), STI
(Chlamydien/Gonokokken), Steine, Tumor, Reizblase/interstitielle
Zystitis, selten Ketamin-assoziiertes Blasensyndrom.





Take-home


- Typische Symptome ohne Warnzeichen oft unkomplizierte
Zystitis


- Fieber/Flankenschmerz an Pyelonephritis denken


- Mann immer Ursachenklärung


- Schwangerschaft Kultur + Kontrolle nach Therapie


- Rezidive Prävention strukturiert angehen, Antibiotika sparsam
und gezielt einsetzen
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