Achillessehnenruptur

Achillessehnenruptur

vor 1 Monat
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Beschreibung

vor 1 Monat

Thema & Relevanz


Achillessehnenruptur (Achillessehnenriss) = häufigste
Sehnenruptur des Menschen, relevant v. a. Notaufnahme,
Hausarztpraxis, Orthopädie/Unfallchirurgie. Meist akute komplette
Ruptur in der Sehnenmitte.





Anatomie & Belastung


Achillessehne verbindet M. triceps surae (Gastrocnemius + Soleus)
mit dem Calcaneus und überträgt hohe Zugkräfte (Gehen, Sprint,
Sprung, Richtungswechsel). Rupturanfällig v. a. bei degenerativen
Veränderungen.





Epidemiologie


- Männer > Frauen ca. 5:1


- Häufigkeitsgipfel 30–50 Jahre


- Inzidenz ca. 20/100.000/Jahr, in DE ~16.000 Fälle/Jahr, Tendenz
steigend





Pathomechanismus & Risikofaktoren


Meist indirekte Krafteinwirkung: explosiver Antritt (Fußball,
Tennis, Squash, Badminton, Basketball). Typische
Patientenschilderung: „Tritt von hinten gegen die Ferse“.





🩺 Klinik: Leitsymptome


- „Peitschenknall“, plötzlich einschießender Schmerz


- sofortiger Funktionsverlust: Abstoßen kaum möglich


- Ein-Bein-Zehenstand nicht möglich hochverdächtig für
komplette Ruptur


- Atypisch (degenerativ): weniger Schmerz, schleichender
Kraftverlust/Unsicherheit, Wadenatrophie Diagnostik tückisch





Präklinik & Erste Maßnahmen


- Ruhigstellen, entlasten, hochlagern, kühlen


- Möglichst provisorisch in leichter Spitzfußstellung
immobilisieren





Diagnostik im Akutsetting


Untersuchung


- Inspektion: Schwellung/Hämatom


- Palpation: ggf. tastbare Delle/Dehiszenz


- Funktion: Zehenspitzenstand, Plantarflexion (nicht allein
darauf verlassen)


- Thompson-Test (Bauchlage, Wadenkompression):
fehlende/abgeschwächte Plantarflexion = Hinweis auf komplette
Ruptur





Bildgebung


- Sonografie (Key!): Kontinuitätsverlust, Stümpfe,
Hämatom/Flüssigkeit; dynamisch zur Beurteilung der
Stumpfadaptation in ~20° Plantarflexion


- Röntgen OSG/Rückfuß (2 Ebenen): Ausschluss knöcherner
Begleitverletzungen (z. B. knöcherner Ausriss); indirekt:
unscharfes Kager-Dreieck


- MRT nur bei unklarer Lage/chronischer Ruptur/schlechten
Schallbedingungen/OP-Planung





Differenzialdiagnosen


Knöcherner Ausriss, Insertionstendinopathie, Achillodynie ohne
Ruptur, muskuläre Wadenverletzung, OSG-Bandverletzung, Fraktur.
Sonografie klärt meist rasch.





Notaufnahme-Algorithmus (praktisch)


- Schienung: Unterschenkel-Spaltgips/ventrale Schiene in ca. 20°
Plantarflexion, UAG-Stützen, initial entlasten


- Analgesie (Beispiele)


- Ibuprofen 400–600 mg p.o. bis 3×/d (KI beachten)


- Metamizol 500–1000 mg p.o./i.v. bis 4×/d


- bei starken Schmerzen kurzfristig Opioid (z. B. Piritramid i.v.
titriert)


- Thromboseprophylaxe bei Immobilisation: z. B. Enoxaparin 40 mg
s.c. 1×/d (alternativ UFH je nach Situation)





Therapie: konservativ-funktionell vs. operativ


Entscheidend: Akutität + Adaptation der Sehnenenden in
Spitzfußstellung + Aktivitätsniveau + Compliance.





Nachbehandlung & Prognose


Standard: funktionelle Nachbehandlung (kurz ruhigstellen frühe
Mobilisation in Orthese/Spezialschuh). Lange Gipsimmobilisation
(3–6 Wo) nur Ausnahme (z. B. schlechte Compliance).


Rückkehr Sport: grob 3–6 Monate, Stop-and-go/Sprung/Sprint oft
später.





️ Komplikationen


- Reruptur (konservativ etwas häufiger)


- Sehnenelongation persistierende Kraftminderung


- Thrombose bei Immobilisation, Bewegungseinschränkung, Atrophie;
postoperativ zusätzlich Wundprobleme/N.-suralis-Schaden





Take-home Messages


- „Knall + Schmerz + Funktionsverlust“ + Zehenspitzenstand nicht
möglich + Thompson positiv komplette Ruptur hochwahrscheinlich.


- Sonografie ist entscheidend (inkl. Stumpfadaptation in
Spitzfußstellung).


- Akutablauf: Ruhigstellen in Spitzfuß, Analgesie,
Thromboseprophylaxe, Sono + Röntgen, dann definitive Therapie
planen.


- Merksatz: Nicht jede „Wadenzerrung“ ist eine Wadenzerrung –
Achillessehne aktiv mituntersuchen.
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