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️ Thema: Morbus Dupuytren

Gutartige, aber funktionell relevante Fibrosierung der
Palmaraponeurose (Hohlhandfaszie) mit Knoten Strängen
Kontraktur und Extensionsdefizit. Häufig Ring- und Kleinfinger,
oft bilateral.

Epidemiologie & Verlauf

- Prävalenz weltweit ca. 8%

- Männer > Frauen, meist > 50 Jahre

- Sehr variabler Verlauf: von stabilen Knoten bis rasch
progrediente Kontrakturen

- Rezidive häufig (pathophysiologisch bedingt) – auch nach
erfolgreicher Therapie

Risikofaktoren & Dupuytren-Diathese

Assoziationen:

- Genetik/Familienanamnese (auch Ledderhose, Peyronie)

- Diabetes mellitus (v. a. Typ 1)

- Alkohol, Nikotin

- Lebererkrankungen, Epilepsie

- ggf. Mikrotraumata (vibrierende Werkzeuge)

Dupuytren-Diathese ( Progression/Rezidiv):

- frühes Erkrankungsalter (< 50)

- bilateral

- positive Familienanamnese

- ektoper Befall

Pathophysiologie (Kernpunkte)

- Fibroblasten-/Myofibroblasten-Proliferation (α-smooth muscle
actin)

- extrazelluläre Matrix, v. a. Kollagen Typ III

- zentraler Mediator: TGF-β

- Ergebnis: narbig verdickte, kontrakte Palmarfaszie

Phasenmodell

- Proliferativ: Knoten, meist noch geringe Funktionseinbuße

- Involution: Stränge, Beginn Kontraktur

- Residual: Knoten teils rückläufig, Stränge bleiben, Kontraktur
progredient

🩺 Klinik & ektope Manifestationen

Typisch:

- Hautverdickung, Einziehungen, tastbare Knoten/Stränge

- zunehmende Beugekontraktur (funktionell: fehlende Extension)

- Schmerzen nicht führend (bei starker Schmerz-/Entzündung eher
DD bedenken)

Ektope Manifestationen:

- Knuckle Pads (Garrod-Knoten) über PIP-Streckseite

- Morbus Ledderhose (Plantarfibromatose)

- Peyronie-Krankheit (Induratio penis plastica)

Diagnostik (v. a. klinisch)

Anamnese: Verlauf, Funktion, Beruf (Vibration), Familienanamnese,
Begleiterkrankungen, Alltagseinschränkungen.

Hueston-Tabletop-Test: Hand flach auf Tisch? wenn nicht
möglich: positiv (praktisch & gut für Aufklärung).

Apparativ (selektiv):

- Röntgen (präop/zusätzliche Pathologien)

- Sonografie bei früher/unklarer Klinik

Differenzialdiagnosen (Auswahl)

Tendovaginitis stenosans („schnellender Finger“), RA, Arthrose,
Ganglion, Narbenkontraktur, Hyperkeratose, Weichteiltumoren
(selten z. B. Epitheloidsarkom), Ulnarisparese, Kamptodaktylie
(kongenital, PIP-betont).

Konservativ (früh, begrenzte Evidenz):

- Orthesen/Schienen (symptomatisch)

- Ergotherapie (Funktion/Narbe, ADL)

- Steroidinjektionen/Vitamin E: nicht etabliert, ggf. Off-label
mit Risiken

- Strahlentherapie in frühen Stadien möglich (ca. 21–30 Gy
fraktioniert), Nutzen/Risiken abwägen

Interventionell/operativ:

- Perkutane Nadelfasziotomie: schnell, aber hohe Rezidivrate;
Risiken inkl. neurovaskulär/CRPS

- Fasziektomie (offen): gute initiale Korrektur, längere Heilung,
Rezidive/Komplikationen (Wundheilung, Nerven/Gefäße, CRPS)

- Dermatofasziektomie + Vollhauttransplantat: v. a.
aggressiv/Rezidiv, mehr Reha/Nebenwirkungen

- Amputation: Ultima Ratio (selten)

Kollagenase (C. histolyticum): aktuell in Deutschland nicht
verfügbar; Rezidive/Komplikationen möglich.

️ Wann zum Handchirurgen?

Bei Progression, positivem Tabletop-Test, funktioneller
Einschränkung. Orientierend:

- MCP-Streckdefizit ~ ≥ 30°

- relevante PIP-Defizite (früh adressieren)

Praxis-Tipps

- Knoten ohne Defizit ≠ sofort OP-Indikation

- Sauber dokumentieren: Finger, Knoten/Stränge, MCP/PIP-Defizite
in Grad

- Tabletop-Test für Verlauf

- aktiv nach bilateralem Befall & ektopen Manifestationen
fragen

- Rezidive vorab klar kommunizieren

Medikamente (Realität)

Keine etablierte medikamentöse Standardtherapie gegen Dupuytren.
Analgesie perioperativ nach Standard (z. B. Paracetamol/Ibuprofen
unter Beachtung üblicher Kontraindikationen) = symptomatisch,
nicht krankheitsmodifizierend.

Take-Home

1) Klinische Diagnose (Tabletop-Test hilft).

2) Therapierelevanz = Kontraktur/Funktion, nicht der Knoten.

3) Rezidive häufig realistisch aufklären & gut
dokumentieren.
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„Morbus Dupuytren“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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