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Beschreibung
vor 1 Monat
Thema & Relevanz
Mittelfußfrakturen (Frakturen der Metatarsalia I–V) sind häufig –
v. a. in Notaufnahme, Unfallchirurgie, Hausarzt- und
Sportmedizin. Viele heilen konservativ gut, aber basisnahe,
multiple, dislozierte Frakturen und v. a. Lisfranc-assoziierte
Verletzungen sind potenziell folgenreich.
Definition & Einteilung
- Fraktur eines/mehrerer Ossa metatarsalia (I–V)
- Frakturformen: Quer-, Schräg-, Spiral-, Trümmer-,
Mehrfachfraktur
- Lokalisation: Basis – Schaft – (sub)kapital/Köpfchen
- Immer prüfen: Dislokation, Gelenkbeteiligung
Klinik
- Belastungsschmerz, Schwellung, Hämatom (oft auch plantar),
Druckschmerz
- Plantarseitiges Hämatom = Warnsignal (v. a. Richtung Lisfranc)
- ggf. abgeflachtes Längsgewölbe, Achsabweichung,
Zehenfehlstellung, Weichteilschaden
Akut wichtig: Kompartmentsyndrom
Verdacht bei unverhältnismäßigem Schmerz, Schmerz bei passiver
Dehnung, gespannter Fuß, neurologische Symptome.
Operativer Notfall, Druckentlastung möglichst < 6 h.
🩹 Präklinik / Erstversorgung
- Mechanismus klären, Analgesie, Weichteilschutz, Transport
- Maßnahmen: steril abdecken (offen), ggf. Kompression,
Hochlagerung/Kühlung, Schonung
- Analgesie-Beispiele (kontextabhängig): Ibuprofen, Metamizol,
bei starken Schmerzen titriertes Opioid (Monitoring), Antiemese
z. B. Dimenhydrinat
Notaufnahme: Untersuchung & Basisstandard
- Anamnese: Mechanismus, Gehfähigkeit, Schmerzlokalisation
(lateral/proximal vs. zentral)
- Untersuchung: Inspektion, Palpation, Fehlstellung/offen,
Krepitation
- pDMS vor & nach Reposition/Ruhigstellung kontrollieren und
dokumentieren
- Bei Opioiden/starken Schmerzen: ggf. Monitoring
️ Bildgebung
- Röntgen: mind. 2, besser 3 Ebenen (a.-p., schräg ~45°,
seitlich)
- CT: bei basisnahen Frakturen, Gelenkbeteiligung,
Lisfranc-Verdacht (oft obligat)
- Belastungsaufnahmen (Stehen) bei Verdacht auf Lisfranc, wenn
vertretbar
- MRT: bei Stressfraktur oft sensitiver als frühes Röntgen
Besonderheit: proximales 5. Metatarsale
- Avulsionsfraktur Tuberositas: oft konservativ bei geringer
Dislokation
- Metaphysär-diaphysärer Übergang: höheres Risiko delayed
union/Pseudarthrose
- Metadiaphysäre Stressfraktur: ebenfalls kritisch
Grund: ungünstige Durchblutung häufiger operative Versorgung
(v. a. sportlich aktiv, disloziert, chronisch)
Lisfranc-Verletzung (Merksatz)
Basisnahe Mittelfußfraktur = an Lisfranc denken.
- Diagnostik: Mehr-Ebenen-Röntgen, häufig belastet; bei
Verdacht/Fraktur: CT
- Therapie: disloziert OP (ORIF/K-Drähte etc.); undisloziert
strenge Ruhigstellung (Unterschenkelgips)
Therapie: konservativ vs. operativ
Konservativ bei isoliert, stabil, nicht/gering disloziert:
- Ruhigstellung: gesplitteter Unterschenkelgips/Orthese, oft ~ 6
Wochen (Metatarsalia II–IV Schaft)
- 5. MT Avulsion: häufig funktionell (fester Schuh/Walker),
schmerzadaptiert
- Verlaufskontrollen klinisch + radiologisch
- Immobilisation/Teilbelastung: Thromboseprophylaxe nach Risiko
(z. B. NMH)
OP-Indikationen (Alarmzeichen):
- Seitverschiebung > 3–4 mm, Abkippung > 10°
- Gelenkstufe (intraartikulär), multiple/Serienfrakturen
- offene Fraktur, Luxationsfraktur, Lisfranc-Instabilität
- proximales 5. MT mit hohem Pseudarthroserisiko
- Kompartmentsyndrom
Offene Fraktur: Zusatzpunkte
- Weichteilmanagement, Antibiotikaprophylaxe, Tetanusstatus
prüfen
- Antibiotika nach Schweregrad und Hausstandard (z. B. Cefuroxim
vs. Ampicillin/Sulbactam)
Prognose & Take-Home
- Stabile, isolierte, nicht dislozierte Frakturen: Prognose meist
gut
- Schlüssel zum Alltag:
- Mechanismus verstehen, Fuß genau inspizieren
- Plantares Hämatom ernst nehmen
- Basisnah = Lisfranc mitdenken
- Röntgen in 3 Ebenen, bei Unsicherheit früh CT/MRT
- pDMS dokumentieren
- Bei starker Schwellung/„pain out of proportion“:
Kompartmentsyndrom ausschließen
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