Chronische Wunden und Wundbehandlung

Chronische Wunden und Wundbehandlung

vor 1 Monat
29 Minuten
0
0 0 0

Beschreibung

vor 1 Monat

🩹 Kernaussage


- Chronische Wunde = Symptom, keine Diagnose. Ohne Behandlung der
Grunderkrankung heilt die Wunde oft nicht.


- Stagnation: Nach 6 Wochen leitliniengerechter Therapie ohne
Heilungstendenz Diagnose/Ursache/Konzept neu prüfen.





Ursachen & Risikofaktoren (systemischer Blick!)


Häufige Mechanismen:


- Venöse Abflussstörung, arterielle Minderperfusion (pAVK),
Druck, Neuropathie, Diabetes mellitus


Weitere Ursachen:


- Lymphabflussstörung, Autoimmunerkrankungen/Vaskulitiden,
Gerinnungsstörungen, Infektionen, Tumoren


Medikamente (relevant):


- Zytostatika, Immunsuppressiva, Antikoagulanzien,
Psychopharmaka, Hydroxyurea


Heilungshemmend:


- Gewebehypoxie, Nikotin, Mangelernährung, schlechte
Glukosekontrolle





Leitsymptome & Lebensqualität


- Schmerzen, Exsudat, Geruch, funktionelle Einschränkung, hohe
Alltagsbelastung (Scham/Sozialrückzug).


- Gute Wundmedizin = auch symptomorientierte Medizin.





Diagnostik: ABCD-Schema


A – Anamnese


- Dauer, Beginn (spontan/Trauma), Schmerzcharakter,
Vorbehandlungen, Vorerkrankungen, Medikamente, Reiseanamnese


- Druck/Belastungszonen, Schuhwerk, Mobilität, Selbstversorgung


Schmerz als Hinweis:


- venös: dumpf, besser bei Hochlagerung


- arteriell: stark, nachts/bei Hochlagerung


- neuropathisch: oft wenig Schmerz trotz Tiefe


- extrem schmerzhaft + livide, unterminierte Ränder Pyoderma
gangraenosum / Livedovaskulopathie denken





B – Bakteriologie


- Kolonisation ≠ Infektion Abstrich/Antibiotikum nicht
reflexhaft.


- Abstrich bei klinischem Infektverdacht oder vor
Aufnahme/MRE-Screening; Technik: nach Reinigung, repräsentativ.





C – Clinical Examination


- Wunde + Umgebung + gesamte Extremität: Ödem, Varikosis,
trophische Störungen, Temperatur, Druckschmerz.


- Wunddokumentation: Lokalisation, L×B×T,
Wundgrund/-rand/-umgebung, Exsudat (Menge/Qualität),
Taschen/Fisteln, Mazeration, Geruch, Sehnen/Knochen sichtbar.





D – Durchblutung


- Pulse tasten: Pflicht, aber nicht ausreichend.


- Objektiv: Doppler, ABI (< ~0,9 pAVK); bei
Mediasklerose/DM: Zehendruck oder tcPO₂.


- Vor Kompression, Debridement, plastischer Deckung: Perfusion
klären!





Wundinfektion erkennen & handeln


- Warnzeichen: zunehmender Schmerz,
Rötung/Überwärmung/Schwellung, purulentes/übel riechendes
Exsudat, unterminierte Ränder, stagnierende Heilung; ggf. Sepsis.


- Schwerer Verlauf: stationär, Blutkulturen/Laktat, kalkulierte
AB + chirurgische Sanierung nach Bedarf.





Wundrand-/Umgebungsschutz & Allergien


- Barriereschutz (Acrylatfilm, Zinkoxid, Petrolatum).


- Bei Juckreiz/Ekzem: Kontaktallergie (Duftstoffe, Kolophonium,
Wollwachsalkohole, Konservierer, Gummi) Karenz, ggf.
Epikutantest.





Schmerztherapie & Ernährung


- Analgesie abgestuft (Paracetamol/NSAR mit Risiken, ggf.
Opioide); Bedarfsgabe 30–60 min vor Verbandwechsel.


- Ernährung: Energie/Eiweiß sichern; bei Mangelernährung früh
Ernährungskonsil.





Wenn die Wunde stagniert (6‑Wochen-Alarm)


Checkliste:


- Diagnose korrekt? Perfusion? Infektion? Kompression/Offloading
wirklich konsequent? Kontaktallergie? Tumor/Immunursache? Biopsie
erfolgt? Spezialzentrum einbinden.





️ Prävention & Rezidivprophylaxe


- Risikopatienten früh erkennen; Fuß-/Schuhkontrollen,
Druckstellen managen.


- Nach Epithelisierung ~14 Tage weiter schützen.


- Langfristig: venös Kompression, Dekubitus Entlastung,
neuropathisch dauerhaftes Offloading.





Take-Home


- Ursache behandeln + lokale Therapie kombinieren.


- ABCD für die Diagnostik.


- Perfusion vor Kompression/Debridement/Deckung.


- Debridement oft wichtig, aber nicht bei PG und nicht bei
trockener ischämischer Nekrose.


- Keine topischen Antibiotika auf chronische Wunden.


- Nach 6 Wochen ohne Fortschritt: umdenken.
15
15
Close