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🩺 Anamnese: die Schlüsselfragen

- Charakter: schnell vs. unregelmäßig vs. „stark spürbar“

- Verlauf: Dauer (Sek./Min./Std.), Häufigkeit, plötzlich vs.
allmählich

- Trigger: Ruhe vs. Belastung (Warnzeichen!), Koffein/Energy,
Schlafmangel, Stress, β2-Sympathomimetika

- Begleitsymptome (Red-Flag-Last):

- Dyspnoe, Thoraxschmerz

- Schwindel, Präsynkope, Synkope (Synkope + Palpitationen =
echtes Red-Flag)

- Leistungsknick, Kaltschweißigkeit, Ödeme/Orthopnoe

- Vorerkrankungen: KHK, Kardiomyopathie, Klappenvitien,
Herzinsuffizienz, OP/Ablation, bekanntes VHF

- Familienanamnese: plötzlicher Herztod, ungeklärte Todesfälle
jung, Long-QT, Kardiomyopathien

- Medikamente/Substanzen: β2-Mimetika, Antidepressiva,
L-Thyroxin, Sympathomimetika (Nasenspray), Stimulanzien, Drogen;
QT-verlängernde Medikation (Torsade-Risiko)

- Psychosozial: Stress/Angst/Depression – erst organisch
Gefährliches ausschließen, dann funktionell einordnen

Untersuchung (orientierend internistisch)

- Blutdruck (Hypo-/Hypertonie), Puls (regelmäßig? absolut
arrhythmisch? Pausen/ES?)

- Auskultation (Vitien, sehr schnelle/unregelmäßige Frequenz)

- Zeichen: Hyperthyreose (Tremor, warme Haut, Gewichtsverlust),
Herzinsuffizienz/Volumenüberlastung

Red Flags bei Palpitationen

- Strukturelle Herzerkrankung (KHK, Kardiomyopathie, Vitien, HI)

- Synkope/Präsynkope

- Belastungsabhängigkeit

- Dyspnoe oder Thoraxschmerz

- Bekannte Rhythmus-/Leitungsstörung

- QT-verlängernde Medikation

- Plötzlicher Herztod in der Familie

️ Wichtige Ursachen (Differenzialdiagnosen)

- Extrasystolen: supraventrikulär häufig harmlos; ventrikulär
kontextabhängig (strukturell vs. idiopathisch)

- Vorhofflimmern: häufigste anhaltende Tachyarrhythmie, Puls
unregelmäßig (teils asymptomatisch)

- Vorhofflattern/atriale Tachykardie (u.a. bei Hyperthyreose,
Digitalisintoxikation)

- Bradyarrhythmien (Sick-Sinus, AV-Block) können Palpitationen
mit Wechseln verursachen

- Paroxysmale SVT: AVNRT (oft jung, abrupt), AVRT/WPW
(akzessorische Bahn)

- Endokrin/metabolisch: Hyperthyreose, Hypokaliämie,
Hypomagnesiämie

- Substanzen: Koffein, Kokain, Amphetamine etc.

- Funktionell: Stress, Schlafmangel, Angst; hyperkinetisches
Herzsyndrom

Diagnostik: sinnvoll stufenweise

- 12-Kanal-Ruhe-EKG (inkl. QT, Präexzitation, Leitungsstörung,
Infarktzeichen, Hypertrophie)

- Langzeit-EKG 24–48 h; bei seltenen Episoden eher
Event-Rekorder/verlängertes Monitoring

- Belastungs-EKG bei belastungsabhängigen Symptomen

- Echokardiografie bei Verdacht auf strukturelle Herzerkrankung
oder relevanten Arrhythmien

- Labor (je nach Setting großzügig): K, Mg, Nierenfunktion, TSH;
ggf. Blutbild, Troponin, Toxikologie

Therapieprinzipien (Überblick)

- Ursache behandeln (Hyperthyreose, Elektrolyte, HI, Hypertonie)
oft prognostisch wichtiger als Arrhythmiename

- Stabil vs. instabil:

- Instabil (Hypotonie, Schock, Ischämie, Lungenödem,
Bewusstseinsstörung) elektrische
Kardioversion/Notfallmanagement („Instabilität schlägt
Feindiagnostik“)

- Stabile paroxysmale SVT:

- Vagusmanöver (modifiziertes Valsalva bevorzugt; Karotisdruck
nur sehr vorsichtig/kontraindiziert bei Karotisgeräusch)

- Adenosin i.v. Bolus unter Monitoring (diagnostisch +
therapeutisch; unangenehme Kurzsymptome ankündigen)

- Betablocker (z.B. Metoprolol) zur Frequenzkontrolle (v.a.
ambulant oral relevant)

- Verapamil/Diltiazem möglich, aber nicht bei unklarer
Breitkomplextachykardie

- Amiodaron: wirksam, nebenwirkungsreich (Schilddrüse/Leber/Lunge
etc. beachten)

- Flecainid/Propafenon: nur selektiv, nicht bei struktureller
Herzerkrankung; „pill in the pocket“ nur nach kardiologischer
Evaluation

- Digoxin: nicht zur akuten Terminierung; ggf. Frequenzkontrolle
bei VHF + HI, Intoxikations-/Interaktionsrisiko

Take-home

- Palpitationen: häufig, oft gutartig, manchmal gefährlich

- Anamnese + Red-Flags aktiv suchen

- Früh 12-Kanal-EKG

- An Elektrolyte und TSH denken

- Unklare Breitkomplextachykardie bis zum Beweis des Gegenteils
als VT behandeln
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„Herzrhythmusstörungen“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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