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Beschreibung
vor 1 Monat
Thema: Atrioventrikuläre Reentrytachykardie (AVRT)
Paroxysmale supraventrikuläre Tachykardie durch akzessorische
Leitungsbahn mit Makro-Reentry zwischen Vorhof und Ventrikel.
Klinisch relevant v. a. in Notaufnahme/Praxis.
🫀 Pathophysiologie: Präexzitation & Reentry
- Grundlage: ventrikuläre Präexzitation durch akzessorische
Leitungsbahn (z. B. Kent-Bündel)
- Reentry-Kreis: anterograde und retrograde Leitung zwischen
AV-Knoten und akzessorischer Bahn
- Makro-Reentry (im Gegensatz zur AVNRT, die „im AV-Knoten“
bleibt)
Formen der AVRT
- Orthodrom (ca. 90–95%):
- anterograd über AV-Knoten, retrograd über akzessorische Bahn
- Antidrom (selten):
- anterograd über akzessorische Bahn, retrograd über AV-Knoten
Klinik
- Plötzlicher Beginn/Ende („paroxysmal“)
- Symptome: Palpitationen, Schwindel, Dyspnoe, thorakales
Druckgefühl, Unruhe
- Risiken: Synkope, Dekompensation (v. a. bei hoher
Frequenz/Herzvorschädigung)
- Häufig auch bei jungen, sonst herzgesunden Patient:innen
EKG: Ruhe vs. Anfall
Ruhe-EKG (Präexzitation/WPW):
- PQ verkürzt (< 0,12 s)
- Deltawelle (verschliffener QRS-Beginn)
- QRS verbreitert
Hinweis Bahn-Lokalisation (grob):
- V1 positiv + I/aVL negativ eher linksseitig
- V1 negativ + I/aVL positiv eher rechtsseitig
Tachykardie-EKG:
- Orthodrome AVRT: schmale regelmäßige Tachykardie, oft
retrograde P-Wellen nach QRS (häufig negativ inferior), meist
keine Deltawelle im Anfall
- Antidrome AVRT: breite regelmäßige Tachykardie (VT-Mimikry
möglich), ggf. ST-Senkungen
Sicherheitsregel (Notfall-Merker): Präexzitation + Vorhofflimmern
Kontraindiziert (AV-Knoten-Blockade):
- Adenosin
- Betablocker
- Digitalis
- Verapamil
Begründung: AV-Knoten-Blockade kann Überleitung über
akzessorische Bahn „freischalten“ extrem hohe Kammerfrequenz
bis Kammerflimmern.
Akuttherapie (praktisches Vorgehen)
1) Stabil vs. instabil?
- Instabil (Hypotonie, Schockzeichen, AP, Dekompensation,
Bewusstseinsstörung, schwere Dyspnoe):
- synchronisierte elektrische Kardioversion (mit Analgosedierung
je nach Setting)
2) Stabil (gesicherte AVRT, Monitoring!)
- Ajmalin i.v. (z. B. 50 mg langsam), enges EKG-Monitoring
(QRS-Verbreiterung/Proarrhythmie)
- Propafenon als Reserve (oral/i.v. nach lokalen Standards), nur
erfahren & unter Monitoring
Definitive Therapie
- EPU mit Katheterablation bei rezidivierenden AVRTs: hohe
Erfolgsraten, oft dauerhaft beschwerdefrei
Differenzialdiagnosen (EKG-orientiert)
- AVNRT: P-Wellen oft im QRS „versteckt“/diskret
- Vorhofflattern: Sägezahnmuster
- Vorhofflimmern: unregelmäßig; bei Präexzitation potenziell sehr
schnell/breitkomplexig und gefährlich
️ Patientengespräch & Alltag
- Einfache Erklärung: „Zusatzleitung“ Strom kreist
plötzliches Herzrasen; Ablation oft kurativ
- Angst/Vermeidungsverhalten ernst nehmen (Aufklärung, ggf.
psychokardiologische Unterstützung)
- Fahrtauglichkeit bei Synkope/unvorhersehbaren Anfällen aktiv
ansprechen; nationale Empfehlungen beachten
Take-home
- AVRT = Makro-Reentry bei akzessorischer Bahn (WPW typisch)
- Orthodrom meist schmal, Antidrom meist breit
- Ruhe-EKG: kurze PQ, Deltawelle, breiter QRS
- Instabil Kardioversion
- Definitiv: Ablation
- Kritisch: Präexzitation + VHF keine AV-Knoten-Blocker
(Adenosin, Betablocker, Digitalis, Verapamil)
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