Sick-Sinus-Syndrom

Sick-Sinus-Syndrom

vor 1 Monat
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Beschreibung

vor 1 Monat

đź«€ Thema: Sick-Sinus-Syndrom (SSS)


Funktionsstörung des Sinusknotens/sinuatrialen Leitungssystems.
Kein einzelnes EKG-Bild, sondern Sammelbegriff fĂĽr verschiedene
Rhythmusstörungen – oft intermittierend, daher diagnostisch
anspruchsvoll.





Rhythmusbilder im Spektrum


- Sinusbradykardie (klinisch einordnen!)


- Nicht-respiratorische Sinusarrhythmie


- Intermittierender Sinusarrest (Sinusknotenaktivität setzt aus)


- Sinoatrialer Block (SA-Block; Erregung wird nicht regelhaft in
den Vorhof ĂĽbergeleitet)


- Tachykardie-Bradykardie-Syndrom: Tachykardie (z.B. SVT,
Vorhofflimmern) posttachykarde Pause langsamer Sinusrhythmus





Leitsymptome & klinische Hinweise


An SSS denken bei:


- Schwindel, Synkopen, Leistungsknick, MĂĽdigkeit,
Konzentrationsstörungen


- Anfallsartigen Palpitationen (v.a. bei Tachy-Brady)


- Inadäquater Bradykardie oder Pausen im EKG


- Chronotroper Inkompetenz: fehlender Frequenzanstieg unter
Belastung


Wichtig: Physiologische Bradykardie (jung, trainiert,
asymptomatisch) vs. pathologische Bradykardie (Symptome,
inadäquat zur Situation).





Pathophysiologie (kurz)


Bradykardie/Pausen vermindertes Herzzeitvolumen zerebrale
Minderperfusion Synkope.


Adams-Stokes-Anfall: plötzliche Bewusstlosigkeit durch schwere
Bradykardie/Asystolie (Warnsignal).





Ätiologie & Trigger


- Strukturell: KHK, Kardiomyopathien, Myokarditis


- Idiopathische/degenerative Veränderungen (häufig)


- Selten genetisch: z.B. SCN5A, HCN4


- Medikamentöse Verstärkung/Demaskierung: Betablocker, Verapamil,
Diltiazem, Digitalis, Antiarrhythmika (immer mitprĂĽfen)





🩺 Diagnostik: von nicht-invasiv zu invasiv


1) Ruhe-EKG (12-Kanal): Bradykardie, Pausen,
Begleitrhythmusstörungen


2) Langzeit-EKG (24–48 h, ggf. länger): entscheidend bei
Intermittenz


- Schlüssel: Symptom–Rhythmus-Korrelation


3) Belastungs-EKG: Nachweis chronotroper Inkompetenz


4) Atropin-Test (ergänzend): unzureichender Frequenzanstieg
spricht für intrinsische Sinusknotenstörung


5) EPU (selektiv): z.B. verlängerte Sinusknotenerholzeit





Akutmanagement symptomatische Bradykardie


- Basis: Monitoring, RR, SpO2, i.v.-Zugang, 12-Kanal-EKG,
Medikamentencheck


- Reversible Ursachen: Elektrolyte, Ischämie, Myokarditis,
Intoxikation/Ăśberdosierung


- Instabil (Hypotonie, Synkope, Ischämiezeichen, akute HI): rasch
handeln


- Atropin i.v. 0,5 mg, wiederholbar bis gesamt 3 mg (Wirkung bei
SSS oft begrenzt)


- Bridging: Adrenalin/Dopamin je nach Standard


- Früh an temporäres Pacing denken





Dauertherapie


- Grundprinzip: Therapie nach Symptomatik, nicht nach „schönem“
EKG


- Indikation häufig bei symptomatischer Bradykardie/relevanten
Pausen: permanenter Schrittmacher (antibradykard)


- z.B. AAI bei intakter AV-Ăśberleitung; oft auch
Zweikammer-Systeme je nach Begleitbefund


- Tachy-Brady-Syndrom: oft Kombination aus Schrittmacher +
anti-tachykarder Therapie


- Vorsicht: Betablocker können ohne „Schutz nach unten“
Bradykardien verschlechtern


- Beispiele Startbereiche (Orientierung): Metoprolol 12,5–25 mg
p.o. 1–2×/d; Bisoprolol 1,25–2,5 mg 1×/d, vorsichtig auftitrieren


- Bei Vorhofflimmern: Schlaganfallprophylaxe/Antikoagulation nach
Risiko und Leitlinien mitdenken





Praxismerker


- Drei Schlüsselfragen: Symptome? Pausenlänge/-relevanz?
Belastungs-Frequenzanstieg?


- Anamnese gezielt: Ruhe vs. Belastung, Herzrasen vor Synkope,
Dauer/Verletzungen, neue Leistungsminderung, komplette
Medikation.


- Nicht jede Pause ist therapiepflichtig (z.B.
schlafbezogen/vagal) – Kontext entscheidet.





Take-home


SSS = Spektrum aus Bradykardie, Pausen und oft
Tachy-Brady-Mustern. Diagnostisch ist die
Symptom–Rhythmus-Korrelation zentral. Therapeutisch zählen
Symptome und relevante Pausen; häufig ist ein permanenter
Schrittmacher erforderlich, beim Tachy-Brady-Syndrom oft plus
medikamentöse Kontrolle der Tachykardien.
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