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🫀 Thema & Relevanz

Myokarditis = Entzündung des Myokards mit sehr variablem Verlauf:
asymptomatisch bis Thoraxschmerz wie ACS, Synkope, akute
Herzinsuffizienz, kardiogener Schock.

Klinische Grundregel: Bei Brustschmerz/Dyspnoe/Troponinanstieg
zuerst Myokardinfarkt ausschließen, dann Myokarditis als
Alternativdiagnose prüfen.

Abgrenzung: Myokarditis vs. Perikarditis

- Perimyokarditis: primär Myokard, Übergreifen auf Perikard

- Myoperikarditis: primär Perikard, oberflächliches Myokard
mitbetroffen

Praktisch entscheidend: Dominieren
Pumpfunktions-/Rhythmusprobleme (Myokard) oder stechender,
atem-/lageabhängiger Schmerz ± Perikarderguss (Perikard)?

Ursachen (infektiös & nichtinfektiös)

Häufig (Europa/Nordamerika): viral, oft nach Infekt
(Tage–Wochen).

- Viren: Coxsackie B, Parvovirus B19, EBV/CMV/HHV-6, Adeno,
Influenza, HCV, HIV, SARS‑CoV‑2

- Bakterien: Staph/Strep/Enterokokken, Borreliose, Diphtherie

- Selten (v. a. Immunsuppression): Parasiten/Protozoen/Pilze

Nichtinfektiös:

- Autoimmun: Vaskulitiden, Kollagenosen, RA, kardiale Sarkoidose

- Iatrogen/Medikamente: Bestrahlung, Anthrazykline, Trastuzumab,
Immuncheckpoint-Inhibitoren (Medikationsanamnese zentral)

- Toxisch: Alkohol, Amphetamine, Kokain

Sonderformen:

- Eosinophile (Hypersensitivitäts-)Myokarditis: Troponinanstieg +
Eosinophilie, oft medikamentös (u. a.
Penicilline/Cephalosporine/Sulfonamide, Mesalazin, Clozapin,
Diuretika)

- Riesenzellmyokarditis: selten, fulminant, schlechte Prognose
ohne schnelle spezifische Therapie

Myokarditis nach COVID-19-Impfung

Sehr selten; typischerweise Tage–Wochen nach Impfung (häufiger
nach 2. Dosis), v. a. junge Männer; meist milder, folgenloser
Verlauf.

Einordnung: Risiko nach SARS‑CoV‑2-Infektion insgesamt höher als
nach Impfung.

Bei Symptomen binnen ~2 Wochen (Brustschmerz, Dyspnoe,
Palpitationen, Leistungsknick) abklären.

Diagnostik: Praxis-Algorithmus

Anamnese: Infekt, Reisen/Zecke, Substanzen, neue Meds,
Autoimmunität, Onkotherapie, Impfungen; Symptome (Brustschmerz,
Dyspnoe, Palpitationen, Synkope).

Untersuchung: oft unspezifisch; HI-Zeichen, ggf. Perikardreiben.
Unauffälliger Befund schließt nicht aus.

EKG

Unspezifisch möglich: Sinustachykardie, ST/T-Veränderungen,
ST-Hebungen (oft konkav, nicht Koronarterritorium),
Extrasystolen, VHF, VT, AV-Block, Schenkelblock.

Prognostisch ungünstig: neuer LSB, breiter QRS.

Wichtig: Normales EKG schließt nicht aus.

Labor

- Troponin, CK/CK‑MB; bei HI: BNP/NT‑proBNP

- CRP/BSG, Blutbild (Leukozytose möglich)

- Eosinophilie eosinophile Myokarditis denken

Merke: Normales Troponin/CRP/Blutbild schließt nicht sicher aus.

🫁️ Bildgebung

- Echokardiografie: Hämodynamik, LV/RV-Funktion, RWMA, Wanddicke,
Perikarderguss; kann normal sein. Fulminant: verdickte Wand
(Ödem) bei normaler Größe; chronisch: Dilatation.

- Kardiale MRT/CMR: nichtinvasiv Methode der Wahl (stabiler
Patient), Lake-Louise-Kriterien (Ödem + nichtischämisches
LGE/T1/T2-Parameter).

🫀 Koronardiagnostik

Bei infarktähnlicher Symptomatik: Koronarangiografie (ggf.
CT-Koronarangiografie bei niedriger KHK-Wahrscheinlichkeit) –
Regel bleibt: ACS zuerst ausschließen.

Prognose & Red Flags

Meist gute Erholung (oft 2–4 Wochen), aber Risiko für
persistierende LV-Dysfunktion/DCM.

Ungünstig: LV/RV- oder biventrikuläre Dysfunktion, Synkopen, VT,
Schenkelblock/breiter QRS, Hypotonie, fulminanter Beginn,
anhaltend hohes Troponin, persistierende Entzündung in Biopsie.

Take-home Messages

- Myokarditis ist klinisch heterogen – bei jungen Patient:innen
nach Infekt früh mitdenken.

- ACS zuerst ausschließen.

- Normales EKG/Labor/Echo schließt nicht sicher aus.

- CMR = beste nichtinvasive Diagnostik; Biopsie = Goldstandard
bei schweren/unklaren Fällen.

- Strikte körperliche Schonung ist Kerntherapie;
schwere/spezifische Verläufe früh ins Zentrum.
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„Myokarditis“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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