đź«€ Thema & Take-home
- Perikarderguss: FlĂĽssigkeit im Perikardspalt (zwischen
parietalem Perikard und Epikard)
- Merksätze:
- Ein Erguss kann komplett stumm sein
- Echokardiografie ist Methode der ersten Wahl
- Gefährlichste Komplikation: Perikardtamponade sofort erkennen
und entlasten
Definition & Grundprinzip
- Pathologisch meist ab > ca. 50 ml (kleine Mengen können
physiologisch sein)
- Entscheidend: nicht nur Menge, sondern
Entstehungsgeschwindigkeit
- langsam groĂź: oft erstaunlich gut toleriert
- akut kleiner: kann rasch zur Tamponade fĂĽhren
️ Einteilung
- Verlauf: akut / subakut / chronisch
- Größe (Echo, enddiastolisch gemessen): klein 2 cm
- Verteilung: lokalisiert vs. zirkulär
- Zusammensetzung: serös, hämorrhagisch, eitrig, chylös, Luft
(Pneumoperikard)
Ursachen (breit; ca. 50% idiopathisch)
- Hämoperikard (blutig): Myokardruptur post-MI, Thoraxtrauma,
Aortendissektion Stanford A, iatrogen (PCI, Schrittmacher/ICD,
Ablation), OP, Strahlen-/Chemotherapie, Antikoagulation
- Serös:
- Exsudat (eiweißreich): infektiös/Perikarditis, Tuberkulose,
malign, postoperatives Syndrom, Urämie, Autoimmun; ggf.
Perikardempyem
- Transsudat (eiweißarm): Albuminmangel, Hypervolämie,
Rechtsherzinsuffizienz
- Sonderformen: Chyloperikard, Pneumoperikard
🩺 Klinik & Anamnese
- Oft asymptomatisch (Zufallsbefund in Röntgen/Echo)
- Unspezifisch bei chronischem Verlauf: Belastungsdyspnoe,
Tachypnoe, MĂĽdigkeit, Palpitationen, retrosternaler Druck
- Vorwärts-/Rückwärtsversagen: Hypotonie, Leistungsknick,
Halsvenenstauung, Hepatomegalie, Aszites
- Kompressionssymptome: Dysphagie, Husten, Heiserkeit (N.
recurrens), Schluckauf (N. phrenicus), Erbrechen
- Fieber infektiös/entzündlich denken
- Zielgerichtete Fragen: kĂĽrzliche OP/Intervention/Trauma, Tumor,
Autoimmun, Niereninsuffizienz/Dialyse, TB-Risiko, vorausgegangene
Perikarditis/Infekt, Antikoagulation
Tamponade klinisch erkennen
- Beck-Trias: Hypotonie + Halsvenenstauung + leise Herztöne
- Pulsus paradoxus: inspiratorischer systolischer RR-Abfall
>10 mmHg
- Niedrigdrucktamponade: bei Hypovolämie (Blutverlust, Diuretika,
Dialyse) kann Halsvenenstauung fehlen nicht beruhigen lassen
️ Diagnostik: Echo zuerst
- Erguss: echofreier Saum zwischen Perikard (helle Linie) und
Epikard
- Post-OP: lokalisierte Ergüsse besonders gefährlich (gezielte
Kompression trotz kleiner Gesamtmenge)
- Binnenechos bei Blut/Eiter möglich
- Hämodynamische Zeichen (Schlüsselbefunde):
- RA-Kollaps (späte Diastole) früh, sensitiv
- RV-Kollaps (frühe Diastole) später
- „Swinging heart“ bei großem Erguss
- gestaute V. cava inferior mit geringer Atemvariabilität
- Doppler: ausgeprägte atemabhängige Flussschwankungen (bei
Beatmung schwerer interpretierbar)
- Leitfrage im Notfall: Erguss ja – aber Tamponadezeichen?
Weitere Diagnostik
- EKG: Niedervoltage, elektrischer Alternans; ggf.
Perikarditiszeichen (diffuse ST-Hebungen)
- Röntgen-Thorax: evtl. vergrößerte Herzsilhouette
(„Bocksbeutel“), aber unspezifisch
- CT: Zusatznutzen bei atypisch/lokalisiert, Umfeldbeurteilung,
hämorrhagisch vs. serös
- Kardio-MRT: v. a. EntzĂĽndung/Perikardbeurteilung, fĂĽr Instabile
meist ungeeignet
- Labor: Ursachenfahndung (CRP/PCT, Autoantikörper,
TB-/Virusdiagnostik je nach Verdacht)
Praxis-Pearls
- Plötzliche Hypotonie nach OP/PCI/Ablation/Schrittmacher: immer
an (Hämo-)Perikarderguss/Tamponade denken
- Tumor + progrediente Dyspnoe/JVD: maligner Erguss
- Dialysepatient + Schwäche/Dyspnoe/Hypotonie: urämischer Erguss
- Sonografie: immer sofort „Erguss oder Tamponade?“ prüfen
Fazit
- Perikarderguss: häufig asymptomatisch, Ursachen vielfältig
- Echo ist entscheidend; Größe allein reicht nicht – Tempo und
Hämodynamik zählen
- Tamponade ist der Notfall: „Beim Erguss Ursache behandeln – bei
Tamponade zuerst Druck entlasten.“
- Merksatz: FlĂĽssigkeit um das Herz ist nicht automatisch
dramatisch. Druck auf das Herz ist dramatisch.
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