🫀 Thema & Definition
Aortenklappeninsuffizienz = Schlussunfähigkeit der Aortenklappe
diastolischer Rückstrom aus der Aorta in den linken Ventrikel
Volumenbelastung des LV.
Pathophysiologie (Merkkette)
Undichte Klappe Regurgitation in Diastole Volumenbelastung
LV-Dilatation + exzentrische Hypertrophie (chronisch)
irgendwann LVEDP, LVEF progressive Linksherzinsuffizienz.
Symptome
Akut
- schwere Dyspnoe, Orthopnoe, Lungenödem, Unruhe, Tachykardie
- Zeichen verminderten Herzzeitvolumens bis Schock
- periphere „klassische“ Zeichen oft weniger ausgeprägt
Chronisch
- lange asymptomatisch
- Palpitationen, Leistungsknick, Müdigkeit
- später Belastungs-/Ruhedyspnoe, Angina pectoris, Synkopen
- Beschwerden durch große Blutdruckamplitude: Kopfdröhnen,
Musset-Zeichen (pulssynchrones Kopfnicken)
🩺 Klinische Zeichen
- Große Blutdruckamplitude: systolisch , diastolisch weiter
Pulsdruck
- Pulsus celer et altus (Wasserhammerpuls)
- Quincke-Zeichen (Kapillarpuls), Corrigan-Zeichen (pulsierende
Karotiden), Hill-Phänomen (Poplitea-systolisch > Oberarm)
Auskultation
- Typisch: frühes diastolisches Decrescendo (Protodiastolikum)
direkt nach S2
- am besten 2. ICR rechts parasternal oder Erb-Punkt (3. ICR
links)
- Patient nach vorn gebeugt, in Exspiration auskultieren
- Merksatz: Diastolikum ist (fast) immer pathologisch
- Austin-Flint-Geräusch: rumpelnd spätdiastolisch an der Spitze
(funktionelle Mitralstenose)
- ggf. „Flow“-Systolikum durch hohes Schlagvolumen
Diagnostik
- Echokardiografie: Schlüssel (Morphologie, Aortenwurzel,
Schweregrad, LV-Dimensionen, LVEF, Regurgitationsjet/Volumen;
Doppler inkl. CW)
- EKG: ggf. Linksherzhypertrophie (unspezifisch)
- Thorax-Röntgen: unterstützend (LV-Vergrößerung, prominente
Aorta)
Therapie – konservativ/medikamentös (chronisch)
- Keine medikamentöse „Klappendichtung“; Ziel:
Nachlastsenkung/Entlastung
- Vasodilatation v. a. bei Hypertonie oder wenn OP nicht möglich:
- ACE-Hemmer (z.B. Ramipril, Enalapril) oder ARB (z.B. Losartan)
- Dihydropyridin-CCB (z.B. Nifedipin retard)
- Diuretika (z.B. Furosemid) bei Stauung symptomatisch
- Cave: bradykardisierende Medikation kann ungünstig sein
(Diastole Regurgitation); Betablocker nur mit klarer
Indikation/Einordnung
Therapie – akut
- Intensivmedizin, rasche herzchirurgische Abklärung/OP meist
erforderlich
- Bridging: Vasodilatation (wenn RR erlaubt), Inotropie (z.B.
Dobutamin titriert), Diuretika bei Lungenödem
- Bei Endokarditis: sofort kalkulierte Antibiotikatherapie, dann
Anpassung + interdisziplinär
- Bei Aortendissektion: chirurgischer Notfall (keine Zeit
verlieren)
️ Definitive Therapie
- Indikation OP: schwere AI mit Symptomen; bei asymptomatischer
schwerer AI bei LV-Dilatation und/oder LVEF-Abfall
(Echo-Verlauf!)
- Meist Klappenersatz, selektiv Rekonstruktion
- TAVI: Option bei hohem OP-Risiko; bei nativer AI komplexer
(Verankerung) Herzteam-Entscheidung
Nachsorge & Prävention
- Endokarditisprophylaxe in definierten Hochrisikosituationen (v.
a. Klappenprothese); Mundhygiene/Zahnsanierung, Aufklärung zu
Warnzeichen
- Psychokardiologische Mitbetreuung kann hilfreich sein
(Belastung durch Erkrankung/OP)
Prognose
- Leicht/moderat: oft gut bei Kontrollen
- Hochgradig/symptomatisch: ernst Timing der OP entscheidend
(„nicht zu spät“, sonst teils irreversible LV-Schädigung)
Take-Home
- Akut vs. chronisch konsequent trennen (akut = Notfall)
- Weiter Pulsdruck + Wasserhammerpuls an AI denken
- Frühes diastolisches Decrescendo gezielt suchen
- Echo ist die zentrale Untersuchung
- Medikamente entlasten, aber definitive Therapie der schweren
symptomatischen AI ist meist Klappenersatz
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