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Beschreibung
vor 2 Wochen
🩸 GI-Blutung: Notfall mit System
Akute gastrointestinale Blutungen sind bis zum Beweis des
Gegenteils potenziell lebensgefährlich. Entscheidend ist ein
strukturiertes Vorgehen:
- Schweregrad erkennen
- Kreislauf sichern
- Blutungsquelle lokalisieren
- möglichst direkt therapieren
Obere vs. untere GI-Blutung
Anatomische Grenze: Treitz-Band
- Obere GI-Blutung: Ă–sophagus, Magen, Duodenum
- Untere GI-Blutung: Jejunum aboral, Ileum, Kolon, Rektum
Wichtig: Rund 90 % der GI-Blutungen sind obere Blutungen.
Häufige Ursachen
Obere GI-Blutung:
- peptisches Ulkus (häufigste Ursache)
- Ă–sophagusvarizen
- Mallory-Weiss-Syndrom
- erosive Gastritis/Duodenitis
- Tumorblutungen
- Angiodysplasien, GAVE, Dieulafoy-Läsion
Untere GI-Blutung:
- Divertikelblutung
- Hämorrhoiden
- Angiodysplasien
- ischämische Kolitis
- CED, infektiöse Kolitis
- kolorektale Tumoren/Polypen
- Meckel-Divertikel, Fissur, Strahlenkolitis
Leitsymptome richtig einordnen
- Hämatemesis: Bluterbrechen, frisch rot oder kaffeesatzartig
- Meläna: schwarzer, glänzender, übelriechender Teerstuhl
- Hämatochezie: rotes Blut per anum
Merke:
- Massive obere Blutung kann als Hämatochezie imponieren
- Auch untere Blutungen können Meläna verursachen
- Eisen, Kohletabletten oder Nahrungsmittel können Stuhl
verfärben
️ Warnzeichen der schweren Blutung
- Tachykardie, Hypotonie
- kaltschweiĂźige Haut
- Schwindel, Kollaps, Schock
- Vigilanzminderung
- Anämiesymptome bei chronischem Blutverlust
Erstversorgung im Alltag
SofortmaĂźnahmen:
- Vitalparameter und Bewusstseinslage erfassen
- zwei großlumige periphere Zugänge
- Labor: Blutbild, Gerinnung, Kreuzblut, Nieren-/Leberwerte,
Laktat
- engmaschiges Monitoring
Wichtig:
- initial kann das Hämoglobin trotz schwerer akuter Blutung noch
normal sein
- klinischer Eindruck und Kreislaufstatus sind entscheidend
🩺 Anamnese & Untersuchung
Besonders wichtig:
- Hämatemesis, Meläna, Hämatochezie
- Ulkusanamnese, Lebererkrankung, Alkohol
- Medikamente: NSAR, ASS, Antikoagulanzien, Steroide, SSRI
- Zeichen der Leberzirrhose
- digital-rektale Untersuchung nicht vergessen
Diagnostik
- Obere Blutung: Ă–GD als wichtigste Untersuchung
- Untere Blutung: Koloskopie nach Stabilisierung
- unklare DĂĽnndarmblutung: Kapselendoskopie,
Doppelballonendoskopie
- bei vital bedrohlicher Blutung auch Angiografie/Embolisation
erwägen
Endoskopie ist oft gleichzeitig Diagnostik und Therapie.
️ Akuttherapie
Allgemein:
- stationäre Überwachung
- kristalloide Infusionen
- restriktive Transfusionsstrategie, wenn klinisch vertretbar
- bei Aspirationsrisiko frĂĽh an Schutzintubation denken
Bei nicht variköser oberer Blutung:
- frĂĽh PPI i.v., klassisch Pantoprazol 80 mg Bolus
- danach je nach Befund Hochdosistherapie
Bei Verdacht auf Varizenblutung:
- sofort vasoaktive Therapie, z. B. Terlipressin
- Antibiotikaprophylaxe, z. B. Ceftriaxon
- endoskopisch meist Ligatur, bei Fundusvarizen ggf. Gewebekleber
Endoskopische Blutstillung
Mögliche Verfahren:
- Adrenalin-Injektion
- Clips
- thermische Koagulation
- Argon-Plasma-Koagulation
- Over-the-scope-Clip
- Kombinationstherapien oft am effektivsten
Wichtige Scores
- Glasgow-Blatchford-Score: Identifikation von Low-risk-Patienten
- AIMS65: Abschätzung der Mortalität bei oberer GI-Blutung
Praktische Merksätze
- Die meisten GI-Blutungen sind obere Blutungen
- Kreislauf und Atemweg zuerst
- normales initiales Hb entwarnt nicht
- bei Leberzirrhose immer an Varizen denken
- digital-rektale Untersuchung ist oft richtungsweisend
- nach der Akutsituation immer die Ursache behandeln: z. B.
Helicobacter pylori eradizieren, NSAR absetzen
Take-home
Bei GI-Blutung gilt:
Erst Stabilisierung, dann Lokalisation, dann definitive Therapie.
FrĂĽhzeitige Endoskopie und konsequente Ursachenbehandlung retten
Leben.
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