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Beschreibung
vor 2 Wochen
Thema der Folge: Hämorrhagischer Schock
️ Warum das wichtig ist
Hämorrhagischer Schock ist ein hochletaler Zeitnotfall. Viele
Todesfälle treten in den ersten 2 Stunden auf. Entscheidend ist
paralleles Handeln:
• Blutung stoppen
• Perfusion sichern
• Gerinnung stabilisieren
• Oxygenierung erhalten
• Blutvolumen wiederherstellen
🩸 Definition und klinische Hinweise
Schock durch Blutverlust mit Kreislauffunktionsstörung und
Gewebehypoperfusion.
Wichtige Marker:
• systolischer Blutdruck < 90 mmHg
• Schockindex ≥ 1 (Puls / systolischer Blutdruck)
• Laktat 2–5 mmol/l: kompensierter Schock
• Laktat > 5 mmol/l: dekompensierter Schock
Merke: Normotension schließt relevanten Schock nicht aus. Haut,
Rekapillarisierungszeit, Vigilanz und Gesamteindruck sind
mitentscheidend.
Häufige Ursachen
Traumatisch:
• Polytrauma
• penetrierende oder stumpfe innere Blutung
• Beckenfraktur
• Leber-/Milzverletzung
• lange Röhrenknochen, große Weichteilverletzungen
Atraumatisch:
• gastrointestinale Blutung
• gynäkologische/geburtshilfliche Blutung
• Blutung unter Antikoagulation
• rupturiertes Aneurysma
• schwere Epistaxis
Erstes Vorgehen
Strukturiert nach ABCDE, aber mit Fokus auf frühe
Blutungstherapie:
• Hilfe rufen, Team aktivieren
• Massivtransfusionsprotokoll erwägen
• Chirurgie, Anästhesie, Radiologie etc. früh einbinden
• Temperaturmanagement sofort mitdenken
Blutungsquelle finden und stoppen
• äußere Blutung: Kompression, Tamponade, chirurgische Versorgung
• Extremitätenblutung: Tourniquet, wenn nötig
• Beckenfraktur: früher Beckengurt
• FAST-/Notfallsonographie bei Verdacht auf thorakale/abdominelle
Blutung
• instabil + Blutungsverdacht = früh interventionell denken,
nicht auf perfekte Bildgebung warten
Kreislauf und Volumen
• 2 großlumige periphere Zugänge, sonst i.o. oder ZVK
• Blut abnehmen: Blutgruppe, Kreuzprobe, BB, Gerinnung,
Fibrinogen, BGA/Laktat, Elektrolyte, ionisiertes Kalzium
• Kristalloide nur restriktiv
• frühe Blutprodukte statt große Volumenmengen
• permissive Hypotonie oft sinnvoll bei unkontrollierter Blutung
• Ausnahme: schweres Schädel-Hirn-Trauma höhere Perfusionsziele
🫁 Atemweg und Oxygenierung
• früh Sauerstoff bei Hypoxie oder schwerer Beeinträchtigung
• Intubation nur gut vorbereitet
• Risiko: Sedierung und positive Druckbeatmung können den
Kreislauf verschlechtern
• Vasopressor, Blutprodukte und erfahrenes Team bereithalten
Gerinnungsmanagement
Wichtige Prinzipien:
• tödliche Trias vermeiden: Hypothermie, Azidose, Koagulopathie
• Wärmeerhalt konsequent
• Erythrozyten früh bei relevanter Blutung und Instabilität
• bei Massivtransfusion oft balanciertes Verhältnis
EK:Plasma:Thrombozyten, z. B. 1:1:1 nach lokalem Protokoll
Wichtige Substanzen:
• FFP bei Gerinnungsfaktormangel
• Thrombozytenziel meist > 50.000/µl, bei
SHT/neurochirurgischer Blutung eher > 100.000/µl
• Fibrinogen früh beachten, kritisch oft < 150–200 mg/dl
• Tranexamsäure möglichst früh, ideal innerhalb von 3 Stunden
• wichtig: Tranexamsäure vor Fibrinogengabe, wenn beides geplant
ist
• Kalzium regelmäßig messen und substituieren
Antikoagulation mitdenken
• Vitamin-K-Antagonisten gezielt antagonisieren, z. B. mit PPSB +
Vitamin K
• bei DOAKs spezifische Reversalstrategien kennen
• Thrombozytenfunktionsstörung: ggf. Desmopressin erwägen
Kernaussagen
• Hämorrhagischer Schock = Zeitnotfall
• Therapie immer parallel, nicht nacheinander
• Blutdruck allein ist unzuverlässig
• Kristalloide zurückhaltend, Blutprodukte früh
• Tranexamsäure früh
• Fibrinogen, Thrombozyten und Kalzium aktiv managen
• Hypothermie vermeiden
• Antikoagulation gezielt antagonisieren
• Instabilität bedeutet frühe Eskalation
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