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️ Bakterielle Durchfallerkrankungen

Kernaussagen

- Die meisten akuten infektiösen Diarrhöen sind
selbstlimitierend.

- Wichtigste Therapie: Rehydratation und Elektrolytausgleich.

- Antibiotika nur gezielt bei schwerem Verlauf,
Risikopatient:innen oder klarer Indikation.

- Reiseanamnese, Nahrungsmittelanamnese und klinisches Muster
sind oft diagnostisch entscheidend.

Basistherapie

- Früh orale Rehydratation, bei Bedarf mit WHO-ähnlicher
Elektrolytlösung.

- Bei schwerer Exsikkose, Schock, persistierendem Erbrechen oder
fehlender oraler Toleranz: intravenöse Volumentherapie.

- Schonkost empfohlen.

- Keine Softdrinks zur Rehydratation: ungünstige Osmolarität und
Elektrolytzusammensetzung.

- Loperamid bei fieberhafter oder blutiger Diarrhö eher
vermeiden.

🩺 Wann weiterführend abklären?

Red Flags:

- Fieber

- blutige Stühle

- Tenesmen

- starke Exsikkose

- höheres Alter

- Schwangerschaft

- Immunsuppression

- relevante Komorbiditäten

- protrahierter Verlauf

- Ausbruchsverdacht

Sinnvolle Diagnostik:

- mikrobiologische Stuhluntersuchung

- Basislabor mit Elektrolyten, Nierenfunktion,
Entzündungsparametern

- bei schwerem Verlauf ggf. Blutkulturen

- Abdomensonografie bei unklaren Bauchschmerzen oder
Komplikationsverdacht

Typische Erregerbilder

Campylobacter jejuni

- Häufigster bakterieller Durchfallerreger in Deutschland

- Quelle: Geflügel, Rohmilch, Wasser, Tierkontakt

- Klinik: Fieber, kolikartige Bauchschmerzen, wässrige bis
blutige Diarrhö

- Inkubation: 2–5 Tage

- Therapie meist symptomatisch

- Antibiotika nur bei schwerem/protrahiertem Verlauf oder
Immunsuppression

- Mittel der Wahl: Azithromycin

- Wichtig: mögliche Folgeerkrankungen wie reaktive Arthritis,
Guillain-Barré-Syndrom

Salmonellen

- Typische Quellen: Eier, Geflügel, Milchprodukte

- Klinik: meist wässrige, teils blutige Diarrhö, grippeähnliche
Symptome

- Inkubation: Stunden bis wenige Tage

- Unkomplizierte Enteritis meist ohne Antibiotika

- Bei systemischem Verlauf oder relevanter Immunsuppression: z.
B. Ciprofloxacin oder Ceftriaxon

- Merke: Einfrieren tötet Salmonellen nicht sicher ab,
ausreichendes Erhitzen schon

Shigellen

- Hoch infektiös, fäkal-oral übertragen

- Klinik: blutig-schleimige Diarrhö, hohes Fieber, Tenesmen

- Inkubation: 1–4 Tage

- Grundsätzlich antibiotisch behandeln

- Optionen: Azithromycin, Ciprofloxacin, Ceftriaxon

- Komplikationen: HUS, toxisches Megakolon

Cholera

- Wichtig v. a. bei Reiserückkehrenden

- Klinik: massive wässrige “Reiswasserstühle”, oft ohne Fieber,
rasche Exsikkose

- Inkubation: Stunden bis 5 Tage

- Therapie: aggressive Rehydratation, stationäre Aufnahme bei
Verdacht

- Antibiotika verkürzen Krankheitsdauer und Ausscheidung

- Optionen: Doxycyclin, Azithromycin, Ciprofloxacin je nach
Resistenzlage

Yersinia enterocolitica

- Quelle: rohes Schweinefleisch, Milchprodukte

- Klinik: Enterokolitis oder Pseudoappendizitis

- Inkubation: 3–10 Tage

- Meist selbstlimitierend

- Antibiotika nur bei schweren Verläufen, z. B. Ciprofloxacin
oder Ceftriaxon

- Spätfolgen: reaktive Arthritis, Erythema nodosum

️ Wichtiger Sicherheitsaspekt

- Bei Verdacht auf EHEC: Antibiotika sehr zurückhaltend einsetzen

- Besonders bei blutiger Diarrhö ohne Fieber an EHEC denken

- HUS-Risiko kann durch Antibiotika erhöht sein

Klinische Merkhilfen

- Geflügel + Fieber + Bauchkrämpfe + evtl. blutig Campylobacter

- Eier/Geflügel/Buffet Salmonellen

- Blut + Schleim + Tenesmen Shigellen

- Reiswasserstühle + kaum Fieber + massive Exsikkose Cholera

- rechter Unterbauch + rohes Schweinefleisch Yersinien

️ Prävention

- Küchenhygiene

- ausreichendes Durchgaren

- Rohmilch abkochen

- sicheres Trinkwasser

- Händehygiene

- bei gemeinsamer Exposition an Ausbruch denken

- Meldepflichten je nach Erreger beachten

Take-home-Messages

- Rehydratation ist das A und O.

- Red Flags früh erkennen.

- Antibiotika nicht reflexhaft, sondern gezielt einsetzen.
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„Bakterielle Durchfallerkrankungen“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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