Bakterielle Durchfallerkrankungen

Bakterielle Durchfallerkrankungen

vor 1 Woche
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Beschreibung

vor 1 Woche

️ Bakterielle Durchfallerkrankungen





Kernaussagen


- Die meisten akuten infektiösen Diarrhöen sind
selbstlimitierend.


- Wichtigste Therapie: Rehydratation und Elektrolytausgleich.


- Antibiotika nur gezielt bei schwerem Verlauf,
Risikopatient:innen oder klarer Indikation.


- Reiseanamnese, Nahrungsmittelanamnese und klinisches Muster
sind oft diagnostisch entscheidend.





Basistherapie


- Früh orale Rehydratation, bei Bedarf mit WHO-ähnlicher
Elektrolytlösung.


- Bei schwerer Exsikkose, Schock, persistierendem Erbrechen oder
fehlender oraler Toleranz: intravenöse Volumentherapie.


- Schonkost empfohlen.


- Keine Softdrinks zur Rehydratation: ungünstige Osmolarität und
Elektrolytzusammensetzung.


- Loperamid bei fieberhafter oder blutiger Diarrhö eher
vermeiden.





🩺 Wann weiterführend abklären?


Red Flags:


- Fieber


- blutige Stühle


- Tenesmen


- starke Exsikkose


- höheres Alter


- Schwangerschaft


- Immunsuppression


- relevante Komorbiditäten


- protrahierter Verlauf


- Ausbruchsverdacht





Sinnvolle Diagnostik:


- mikrobiologische Stuhluntersuchung


- Basislabor mit Elektrolyten, Nierenfunktion,
Entzündungsparametern


- bei schwerem Verlauf ggf. Blutkulturen


- Abdomensonografie bei unklaren Bauchschmerzen oder
Komplikationsverdacht





Typische Erregerbilder





Campylobacter jejuni


- Häufigster bakterieller Durchfallerreger in Deutschland


- Quelle: Geflügel, Rohmilch, Wasser, Tierkontakt


- Klinik: Fieber, kolikartige Bauchschmerzen, wässrige bis
blutige Diarrhö


- Inkubation: 2–5 Tage


- Therapie meist symptomatisch


- Antibiotika nur bei schwerem/protrahiertem Verlauf oder
Immunsuppression


- Mittel der Wahl: Azithromycin


- Wichtig: mögliche Folgeerkrankungen wie reaktive Arthritis,
Guillain-Barré-Syndrom





Salmonellen


- Typische Quellen: Eier, Geflügel, Milchprodukte


- Klinik: meist wässrige, teils blutige Diarrhö, grippeähnliche
Symptome


- Inkubation: Stunden bis wenige Tage


- Unkomplizierte Enteritis meist ohne Antibiotika


- Bei systemischem Verlauf oder relevanter Immunsuppression: z.
B. Ciprofloxacin oder Ceftriaxon


- Merke: Einfrieren tötet Salmonellen nicht sicher ab,
ausreichendes Erhitzen schon





Shigellen


- Hoch infektiös, fäkal-oral übertragen


- Klinik: blutig-schleimige Diarrhö, hohes Fieber, Tenesmen


- Inkubation: 1–4 Tage


- Grundsätzlich antibiotisch behandeln


- Optionen: Azithromycin, Ciprofloxacin, Ceftriaxon


- Komplikationen: HUS, toxisches Megakolon





Cholera


- Wichtig v. a. bei Reiserückkehrenden


- Klinik: massive wässrige “Reiswasserstühle”, oft ohne Fieber,
rasche Exsikkose


- Inkubation: Stunden bis 5 Tage


- Therapie: aggressive Rehydratation, stationäre Aufnahme bei
Verdacht


- Antibiotika verkürzen Krankheitsdauer und Ausscheidung


- Optionen: Doxycyclin, Azithromycin, Ciprofloxacin je nach
Resistenzlage





Yersinia enterocolitica


- Quelle: rohes Schweinefleisch, Milchprodukte


- Klinik: Enterokolitis oder Pseudoappendizitis


- Inkubation: 3–10 Tage


- Meist selbstlimitierend


- Antibiotika nur bei schweren Verläufen, z. B. Ciprofloxacin
oder Ceftriaxon


- Spätfolgen: reaktive Arthritis, Erythema nodosum





️ Wichtiger Sicherheitsaspekt


- Bei Verdacht auf EHEC: Antibiotika sehr zurückhaltend einsetzen


- Besonders bei blutiger Diarrhö ohne Fieber an EHEC denken


- HUS-Risiko kann durch Antibiotika erhöht sein





Klinische Merkhilfen


- Geflügel + Fieber + Bauchkrämpfe + evtl. blutig Campylobacter


- Eier/Geflügel/Buffet Salmonellen


- Blut + Schleim + Tenesmen Shigellen


- Reiswasserstühle + kaum Fieber + massive Exsikkose Cholera


- rechter Unterbauch + rohes Schweinefleisch Yersinien





️ Prävention


- Küchenhygiene


- ausreichendes Durchgaren


- Rohmilch abkochen


- sicheres Trinkwasser


- Händehygiene


- bei gemeinsamer Exposition an Ausbruch denken


- Meldepflichten je nach Erreger beachten





Take-home-Messages


- Rehydratation ist das A und O.


- Red Flags früh erkennen.


- Antibiotika nicht reflexhaft, sondern gezielt einsetzen.
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