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Beschreibung
vor 1 Woche
Überblick
Typhus und Paratyphus sind in Deutschland selten, aber wichtig
bei unklarem Fieber nach Reiseanamnese. Entscheidend: Typhus ist
keine klassische Durchfallerkrankung, sondern eine bakterielle
Systemerkrankung.
Erreger und Übertragung
Typhus: Salmonella enterica Serovar Typhi
Paratyphus: Salmonella enterica Serovar Paratyphi
Übertragung:
• fäkal-oral über kontaminierte Lebensmittel oder Wasser
• auch direkt von Mensch zu Mensch möglich
• Dauerausscheider als relevante Infektionsquelle
Risikoregionen:
• v. a. Südasien, Afrika, Südamerika
• in Deutschland meist importierte Fälle
Inkubationszeit
• 3 bis 60 Tage, meist 1 bis 3 Wochen
• auch noch Wochen nach Reiseanamnese passend
Pathophysiologie kurz
Nach oraler Aufnahme Eindringen über M-Zellen in Peyer-Plaques,
Infektion von Makrophagen, dann Ausbreitung über Blut und
retikuloendotheliales System in Leber, Milz, Lymphknoten und
Knochenmark. Später Ausscheidung über die Gallenblase zurück in
den Darm.
Merke:
Früh eher Erreger im Blut, später häufiger im Stuhl.
Klinik
Typische Konstellation:
• schleichender Fieberanstieg
• zunächst Obstipation, nicht Diarrhö
• später Kontinua-Fieber
• relative Bradykardie
• diffuse Bauchschmerzen
• Benommenheit bis Somnolenz
• Splenomegalie
• Roseolen
• später erbsbreiartige Stühle
Wichtig:
Typhus darf nicht mit akuter Gastroenteritis verwechselt werden.
Diagnostik
Goldstandard:
• Erregernachweis durch Kultur
Praktisch wichtig:
• früh: mehrere Blutkulturpaare vor Antibiotikagabe
• später: zusätzlich Stuhlkulturen
• früher negativer Stuhl schließt Typhus nicht aus
Laborhinweise:
• Leukopenie
• absolute Eosinopenie
• relative Lymphozytose
Serologie:
• in der Akutdiagnostik nur begrenzt hilfreich
Therapie
Antibiotische Behandlung ist essenziell.
Häufige Optionen bei Erwachsenen:
• Ceftriaxon
• Ciprofloxacin nur unter Berücksichtigung der Resistenzlage
• Azithromycin je nach Verlauf und Resistenzsituation
Bei Kindern:
• mild: oft Azithromycin
• schwer: meist Ceftriaxon
Außerdem:
• Rehydratation und Elektrolytausgleich
• stationäre Überwachung bei schwerem Verlauf oder
Komplikationsverdacht
• nach Antibiogramm gezielt anpassen bzw. deeskalieren
️ Komplikationen
Besonders gefürchtet:
• Darmblutung
• Darmperforation
Weitere mögliche Organmanifestationen:
• Meningitis
• Myokarditis
• Nierenversagen
Alarmzeichen:
• akute Bauchschmerzen
• Abwehrspannung
• Kreislaufinstabilität
• Hämoglobinabfall
• Peritonitiszeichen
🧍 Dauerausscheider
• bis zu 5 Prozent werden chronische Ausscheider
• Definition: positive Stuhlkulturen > 10 Wochen nach
Erkrankung
• besonders relevant bei Tätigkeit im Lebensmittelbereich
• antibiotische Sanierung nach Antibiogramm
Prävention
Hygiene bleibt zentral:
• sicheres Trinkwasser
• keine Eiswürfel unbekannter Herkunft
• gut durchgegarte Speisen
• rohes meiden, Obst selbst schälen
Typhus-Impfung:
• Reiseimpfung für Risikogebiete und bestimmte Reisesituationen
• parenteraler Totimpfstoff oder oraler Lebendimpfstoff
• Schutz nur mäßig, etwa 50 Prozent
• Impfung ersetzt Hygiene nicht
🩺 Paratyphus
• meist milderer Verlauf als Typhus
• Diagnostik und Grundprinzipien der Therapie ähnlich
Take-home-Messages
• Typhus/Paratyphus immer bei unklarem Fieber nach Reise
mitdenken
• Typhus ist primär eine Systemerkrankung
• frühe Phase: Blutkulturen entscheidend
• anfänglich ist Obstipation typischer als Durchfall
• typische Hinweise: Kontinua-Fieber, relative Bradykardie,
Roseolen, Leukopenie
• Komplikationen und Dauerausscheiderstatus aktiv beachten
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