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Thema der Folge: Lactoseintoleranz

Lactoseintoleranz ist eine durch Lactasemangel bedingte
Malabsorption von Milchzucker. Entscheidend ist: Ein verminderter
Lactasespiegel allein ist noch keine behandlungsbedürftige
Erkrankung – relevant wird es erst bei typischen Beschwerden nach
Lactosezufuhr.

Definition und Einordnung

Lactase spaltet Lactose im Dünndarm in Glucose und Galactose.
Fehlt das Enzym ganz oder teilweise, bleibt Lactose im Darmlumen
und wird nicht ausreichend resorbiert.

Kernpunkt:

• Lactoseintoleranz = Malabsorptionsproblem, nicht nur
intraluminale Maldigestion

Häufigkeit

• Deutschland: etwa 15 %

• Weltweit: etwa 70 %

• In vielen Regionen Asiens, Afrikas und Amerikas im
Erwachsenenalter häufig bis regelhaft

Ursachen

• Primäre Lactoseintoleranz: physiologischer Rückgang der
Lactaseaktivität im Kindes- oder Jugendalter, genetisch geprägt

• Sekundäre Lactoseintoleranz: Folge einer Dünndarmschädigung, z.
B. bei Zöliakie oder nach Gastroenteritis

• Kongenitale Form: sehr selten

Wichtig:

Neu aufgetretene Beschwerden nach zuvor guter Milchtoleranz
sprechen für eine mögliche sekundäre Ursache.

️ Pathophysiologie

Ungespaltene Lactose:

• bindet Wasser Diarrhö

• steigert Darmperistaltik Bauchkrämpfe

• wird im Kolon bakteriell fermentiert Gase und kurzkettige
Fettsäuren

Typische Symptome:

• Blähungen

• Völlegefühl

• Flatulenz

• Bauchschmerzen

• Bauchkrämpfe

• Durchfall

Die Ausprägung hängt von der Lactosemenge und der individuellen
Restaktivität der Lactase ab.

🩺 Diagnostik

Wichtigster erster Schritt:

• gezielte Anamnese mit zeitlichem Bezug zu Milchprodukten

• Mengenabhängigkeit erfragen

• Besserung unter Karenz?

Pragmatischer Ansatz:

• lactosefreie oder lactosearme Diät als diagnostischer und
therapeutischer Versuch

Wichtiger Test:

• H2-Lactose-Atemtest nach Lactosegabe

• Anstieg des Wasserstoffs in der Ausatemluft spricht für
Lactosemalabsorption

Zu beachten:

• Ergebnis kann durch Antibiotika, Rauchen, veränderte Darmflora
oder mangelhafte Vorbereitung beeinflusst werden

Selten relevant:

• Lactose-Toleranztest: heute kaum noch gebräuchlich

• Dünndarmbiopsie: nur in Ausnahmefällen

Differenzialdiagnosen

• Milcheiweißallergie: immunologisch, oft mit Haut- oder
respiratorischen Symptomen

• Reizdarmsyndrom

• weitere Dünndarmerkrankungen bei Warnzeichen

Therapie

Ernährung

Zentrale Maßnahme:

• Reduktion oder Vermeidung lactosehaltiger Lebensmittel

Praktisch:

• zunächst 1–2 Wochen lactosearm oder lactosefrei

• danach schrittweise individuelle Toleranz austesten

• kleine Mengen mit Mahlzeiten oft besser verträglich

Oft besser verträglich:

• gereifte Käsesorten

Häufig problematischer:

• Milch

• Sahne

• Eiscreme

• Kondensmilch

Lactasepräparate

Sinnvoll z. B.:

• auf Reisen

• bei Einladungen

• bei geplanter Lactosezufuhr

Anwendung:

• unmittelbar vor oder mit dem ersten Bissen einnehmen

• Dosierung abhängig von Präparat und Lactosemenge

• individuell anpassen

Sekundäre Form nicht vergessen

Bei sekundärer Lactoseintoleranz muss die Grunderkrankung
behandelt werden. Die Lactosetoleranz kann sich dann wieder
bessern.

️ Warnzeichen für weiterführende Abklärung

• Gewichtsverlust

• nächtliche Diarrhö

• Blut im Stuhl

• Fieber

• Eisenmangel

• Mangelernährung

• deutliche Leistungsminderung

Take-home-Messages

• Nicht jeder Lactasemangel macht Symptome

• Behandelt wird die Symptomatik, nicht ein isolierter
Enzymmangel

• Ziel ist Beschwerdefreiheit, nicht unnötige Restriktion

• Anamnese, Diätversuch und H2-Atemtest sind die wichtigsten
diagnostischen Bausteine

• Bei untypischem Verlauf oder Warnzeichen weiter abklären

Merksatz

Milchzucker nicht gespalten, Wasser gezogen, Bakterien vergoren,
Bauch macht Ärger.
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„Lactoseintoleranz“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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