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Beschreibung
vor 1 Woche
Thema: Mikroskopische Kolitis
Wann daran denken?
Bei chronischer, wässriger, nicht-blutiger Diarrhö über mehr als
4 Wochen – besonders bei älteren Patientinnen und Patienten,
häufig Frauen.
Wichtig: Eine makroskopisch unauffällige Koloskopie schließt die
Diagnose nicht aus.
Definition und Formen
Nicht-infektiöse Entzündung des Kolons mit typischerweise
unauffälligem endoskopischem Befund. Die Diagnose wird
histologisch gestellt.
Klassische Formen:
• Kollagene Kolitis: verbreiterte subepitheliale Kollagenbande
> 10 µm
• Lymphozytäre Kolitis: vermehrte intraepitheliale Lymphozyten
• Gelegentlich: inkomplette Form bei passender Klinik
Epidemiologie und Risikofaktoren
Typischer Erkrankungsgipfel etwa um das 60. Lebensjahr, Frauen
häufiger betroffen.
Assoziierte Faktoren:
• höheres Alter
• weibliches Geschlecht
• Nikotinkonsum
• Autoimmunerkrankungen
• maligne Vorerkrankungen
• Zustand nach Organtransplantation
Medikamentenanamnese nicht vergessen
Wichtige potenzielle Auslöser:
• NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen
• Protonenpumpenhemmer
• SSRI
• weitere diarrhöassoziierte Medikamente
Praktisch wichtig: gezielt nach zeitlichem Zusammenhang zwischen
Symptombeginn und Medikation fragen.
Klinik
Leitsymptom:
• chronische, wässrige, nicht-blutige Diarrhö
Weitere Hinweise:
• auch nächtliche Diarrhö
• schubweiser Verlauf
• abdominale Schmerzen
• Blähungen
• Übelkeit
• Gewichtsverlust
• imperativer Stuhldrang
🩺 Diagnostik
Goldstandard:
• Koloskopie mit Stufenbiopsien aus mehreren Kolonabschnitten
Merke:
• normale Schleimhaut schließt mikroskopische Kolitis nicht aus
• Befall kann diskontinuierlich sein
• Verdacht auf dem Anforderungsschein für die Pathologie klar
angeben
Labor und Differenzialdiagnosen
Labor oft unspezifisch:
• ggf. erhöhte BSG
• milde Anämie
• gelegentlich ANA oder Rheumafaktor
• Stuhl-Entzündungsmarker manchmal erhöht
Wichtige Differenzialdiagnosen:
• infektiöse Ursachen chronischer Diarrhö
• Reizdarmsyndrom
• bakterielle Dünndarmüberwucherung
• Laktoseintoleranz
• Zöliakie
• medikamentenassoziierte Enteropathien/Kolitiden
Therapie
Therapie der ersten Wahl:
• Budesonid 9 mg 1x täglich über 8 Wochen zur Remissionsinduktion
Bei Rezidiven oder chronisch aktivem Verlauf:
• Erhaltungstherapie mit niedrigster wirksamer Dosis
• häufig 6 mg/Tag, teils 3 mg/Tag
• schrittweise Dosisreduktion sinnvoll
Wichtig:
• trotz geringerer systemischer Effekte an Steroidnebenwirkungen
denken
• Alternative bei Kontraindikation: Mesalazin, aber schwächere
Evidenz
Supportive Maßnahmen
• auslösende Medikamente wenn möglich absetzen oder ersetzen
• orale Rehydratation
• Elektrolyte, Nierenfunktion und Kreislauf im Blick behalten
• vorübergehend Schonkost
• individuelle Trigger wie Kaffee oder Laktose meiden
Bei vermutetem Gallensäureverlustsyndrom:
• Colestyramin, oft 4 g 1–2x täglich
• Einnahmeabstand zu anderen Medikamenten beachten
Prognose
Oft chronisch rezidivierender Verlauf mit relevanter
Einschränkung der Lebensqualität.
Beruhigend:
• kein erhöhtes Risiko für kolorektales Karzinom
• operative Therapie in der Regel nicht notwendig
Take-home-Messages
• Chronisch + wässrig + nicht blutig = an mikroskopische Kolitis
denken
• Unauffällige Koloskopie bedeutet nicht Entwarnung
• Stufenbiopsien sind entscheidend
• Medikamentenanamnese gezielt erheben
• Budesonid ist Standard der Erstlinientherapie
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