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Beschreibung
vor 1 Woche
Thema der Folge
Nahrungsmittelallergien sind immunologisch vermittelte Reaktionen
auf Nahrungsbestandteile – abzugrenzen von Intoleranzen und
anderen Unverträglichkeiten. Klinisch entscheidend ist die
saubere Unterscheidung.
Grundlagen
Meist liegt eine IgE-vermittelte Typ-I-Allergie vor, seltener
eine Typ-IV-Reaktion oder Mischform.
Typisch:
• Sofortreaktionen innerhalb von Minuten bis 2 Stunden
• verzögerte oder chronische Verläufe möglich
Epidemiologie und Risikofaktoren
Prävalenz:
• Gesamtbevölkerung ca. 1–4 %
• Kinder ca. 5–10 %
Risikofaktoren:
• genetische Veranlagung
• atopische Dermatitis
• veränderte Darmmikrobiota, z. B. nach Kaiserschnitt
• Tabakexposition
• bestimmte Infektionen
Protektiv:
• Stillen
• Tierkontakt/Bauernhofumfeld
• geringere Antibiotikaexposition
Häufige Auslöser
Im Kindesalter:
• Kuhmilch
• Hühnerei
• Erdnuss
• Weizen
• Soja
• Fisch
Bei Erwachsenen:
• Nüsse
• Weizen
• Schalen- und Krustentiere
Kreuzallergien
Aeroallergenassoziierte Nahrungsmittelallergien entstehen nach
primärer Sensibilisierung gegen Inhalationsallergene, z. B.
Pollen.
Klassische Beispiele:
• Birkenpollen: Apfel, Haselnuss, Kirsche, Karotte, Sellerie,
Soja
• Beifuß: Sellerie, Karotte, Gewürze
• Latex-Frucht-Syndrom: Banane, Avocado, Kiwi
• Hausstaubmilbe: Krusten- und Weichtiere
Wichtig: Reaktionen können schon beim ersten bewussten Verzehr
auftreten.
Klinik
Typisch ist das orale Allergiesyndrom:
• Juckreiz, Kribbeln, pelziges Gefühl
• Schwellung von Lippen, Zunge, Gaumen, Rachen
Weitere Manifestationen:
• Haut: Urtikaria, Flush, Angioödem, Exanthem
• Atemwege: Husten, Heiserkeit, Dyspnoe, Stridor, Asthma
• Gastrointestinal: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerz, Diarrhö
• Kreislauf: Tachykardie, Hypotonie bis Schock
Anaphylaxie
Warnzeichen:
• Hautsymptome plus Atemwegs- oder Kreislaufbeteiligung
• isolierter Blutdruckabfall nach wahrscheinlichem
Allergenkontakt
Akut wichtig:
• Allergenexposition stoppen
• Hilfe rufen
• Lagerung situativ
• Sauerstoff
• Adrenalin i.m. in den anterolateralen Oberschenkel
• ggf. повторen
• Volumen, Salbutamol bei Bronchospasmus
• Antihistaminikum und Glukokortikoid nur ergänzend
Merksatz: Adrenalin zuerst.
Diagnostik
Wichtigster Baustein: Anamnese
Fragen nach:
• auslösendem Lebensmittel
• roh oder gekocht
• Menge
• Zeit bis Symptombeginn
• Reproduzierbarkeit
• Kofaktoren: Sport, Alkohol, NSAR, Stress, Pollensaison
Weitere Diagnostik:
• Ernährungstagebuch
• Eliminationsdiät über 3–4 Wochen
• Pricktest und spezifisches IgE: zeigen Sensibilisierung, nicht
automatisch klinische Relevanz
• molekulare Allergiediagnostik in ausgewählten Fällen
• Basophilen-Aktivierungstest als Spezialdiagnostik
• oraler Provokationstest = Goldstandard, nur in erfahrenem
Setting
Nicht sinnvoll:
• nahrungsmittelspezifisches IgG/IgG4
Therapie
Basis:
• Allergenkarenz
• bei Kreuzallergien oft rohe Form meiden, gegarte Form teils
verträglich
• strukturierte Ernährungsberatung
Bei leichter akuter Reaktion:
• Antihistaminika, z. B. Cetirizin
Bei gesicherter Hochrisikokonstellation:
• Notfallset mit Adrenalin-Autoinjektor
• Antihistaminikum
• Glukokortikoid
• ggf. Salbutamol
• Notfallausweis und Schulung
Besondere Konstellationen
Wichtig angesprochen werden:
• Kuhmilchallergie im Säuglingsalter
• allergische Proktokolitis
• weizenabhängige anstrengungsinduzierte Anaphylaxie
• eosinophile Ösophagitis
• Abgrenzung zu Intoleranzen, Pseudoallergien und
„Histaminunverträglichkeit“
Take-home-Messages
• Anamnese ist der Schlüssel
• Sensibilisierung ist nicht gleich klinisch relevante Allergie
• Goldstandard ist der orale Provokationstest
• wichtigste Therapie ist Allergenkarenz
• bei Anaphylaxie gilt: Adrenalin i.m. rettet Leben
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