Rasender Stillstand. Belarus - eine Revolution und die Folgen

Rasender Stillstand. Belarus - eine Revolution und die Folgen

vor 5 Tagen

Beschreibung

vor 5 Tagen

In dieser Folge von Angelesen, dem Buchjournal des
Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der
Bundeswehr, stellen wir das Buch „Rasender Stillstand. Belarus –
eine Revolution und die Folgen“ von Ingo Petz vor. Es
erschien im Jahr 2025.


Aufbruchstimmung, Widerstand, Kontrolle und Angst –
belarussischer Alltag?


Der Autor fragt, was von der Aufbruchsstimmung des Sommers 2020
geblieben ist und welche Möglichkeiten es heute für Veränderung
gibt. Er beschreibt ein Regime, das sich durch Kontrolle und
Angst stabilisiert, zugleich aber zunehmend auf innere Leere
stößt und zeigt wie der belarussische Alltag von Einschüchterung,
aber auch von kleinen, kaum sichtbaren Formen des Widerstands
geprägt ist.


Politische Analyse und Alltagsbeobachtungen


Petz erzählt keine lineare Geschichte, sondern verwebt politische
Analyse, Alltagsbeobachtung und persönliche Eindrücke. Er spricht
mit Menschen im Land und im Exil, schildert das Leben politischer
Gefangener, die Arbeit unabhängiger Medienschaffender und das
Wirken einer Opposition, die im Ausland Strukturen für eine
demokratische Zukunft ihres Landes aufbaut. Dabei gelingt es ihm,
die abstrakten Schlagworte „Repression“ und „Widerstand“ mit
Gesichtern und Stimmen zu füllen.


Das Buch verzichtet auf große Thesen oder ein abschließendes
Urteil. Stattdessen bietet es eine dichte Momentaufnahme eines
gesellschaftlichen Zustands: Menschen, die versuchen zu
überleben, zu hoffen, zu erinnern – und sich dabei zwischen
Anpassung und Aufbegehren bewegen.


Belarus – Zukunft eines Landes im Schatten Russlands und
der Ukraine 


Rasender Stillstand ist ein wichtiges Buch, weil der Blick nach
Belarus in Europa im Schatten Russlands und der Ukraine oft
verloren geht. Es zeigt, dass die Zukunft des Landes mitten in
Europa mit darüber entscheidet, wie sich die Region nach dem
Krieg ordnen wird. Das Land sollte nicht allein Moskaus Einfluss
überlassen werden, sondern verlangt die bewusste Aufmerksamkeit
Europas. Petz verzichtet auf politische Analyse und geopolitische
Thesen und beschreibt stattdessen die alltäglichen Folgen
autoritärer Herrschaft. Gerade deshalb wirkt sein Buch so
eindringlich. Letztlich erinnert es auch uns daran, demokratische
Werte nicht für selbstverständlich zu halten und diejenigen zu
unterstützen, die unter großen Risiken für sie einstehen.


Artikeltext: Kristiane Janeke


Sprecher: Christoph Jan Longen
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