Podcast
Podcaster
Beschreibung
vor 1 Woche
Eine Reise nach Belarus mit viel Geschichte,
interessanter Gegenwart und Sorge um die Zukunft
Ein Kommentar von Tilo Gräser.
Ich schreibe diesen Text in der Hauptstadt eines Landes, das in
Deutschland fast so etwas wie eine terra incognita ist, ein
unbekanntes Land, das noch niemand gesehen hat. Ich sitze in
einem Hotel in Minsk, der Hauptstadt von Belarus. Der Blick aus
dem Fenster im siebten Stock zeigt uns ein Panorama eines Teils
der Stadt, mit einem Park, dem Palast der Unabhängigkeit und
einem weiteren Gebäude, mit muschelartiger Architektur und
wahrscheinlich ebenfalls für Veranstaltungen. Weiter weg sind
mehrere der zahlreichen Wohngebiete zu sehen, die in den letzten
Jahren entstanden sind.
Uns – meiner Partnerin Éva Péli und mir sowie einer Gruppe
Deutscher zumeist aus dem Umfeld der DKP, der wir uns
angeschlossen haben – zeigt sich ein Land mitten in Europa, wie
es tatsächlich für viele weitgehend unbekannt ist. Dabei liegt es
mitten auf dem gemeinsamen Kontinent, hat seine Besonderheiten
und Eigenheiten, aber auch ganz viele Gemeinsamkeiten mit den
anderen europäischen Ländern. Und es ist überhaupt nicht
gefährlich, erst recht nicht feindlich, auch nicht arm oder
Ähnliches. Belarus und seine Menschen sind freundlich, besonderes
gegenüber Gästen, aufgeräumt und sauber, vielfältig und
farbenfroh, lebendig und voller interessanter Natur. Und es ist
ein Land voller Geschichte, dessen Menschen gerade mit der
Erinnerung an den deutschen Überfall vor fast genau 85 Jahren und
seinen etwa drei Millionen Opfern – ein Drittel der damaligen
Bevölkerung der Belorussischen Sowjetrepublik – sich vor allem
eines wünschen: Frieden.
Das haben wir immer wieder in Gesprächen gehört, ob mit
„einfachen Menschen“, dem Direktor des Museums der Festung Brest,
Alexander Korkotadse, und dessen Mitarbeitern oder dem
stellvertretenden Außenminister Igor Sekreta. Dieses einfache
Ziel ist für die Politik der belarussischen Regierung unter
Präsident Alexander Lukaschenko ebenso wichtig wie den Menschen,
die in diesem Land leben. Das haben wir auch bei den
Feierlichkeiten zum „Tag des Sieges“ am 9. Mai in der Festung
Brest erlebt. Dort dankte eine Offizierin der Streitkräfte von
Belarus den Veteranen des „Großen Vaterländischen Krieges“, wie
die sowjetische Verteidigung gegen den faschistischen deutschen
Vernichtungskrieg auch hier heute noch genannt wird, für etwas,
das sie vor 81 Jahren errungen hatten: „Спасибо за мир.“ (Danke
für den Frieden!)
Ein klarer Wunsch
Der Krieg, der vor fast genau 85 Jahren über Belarus und die
gesamte Sowjetunion kam, hat unzählige Narben hinterlassen. An
vielen Orten wird der Opfer gedacht und an die deutschen
Verbrechen erinnert. Wir haben einige von ihnen gesehen, so unter
anderem die Gedenkstätte bei der Station Bronnaja Gora im Rajon
Brest, wo mehr als 50.000 jüdische Menschen aus Europa ermordet
wurden, und die Gedenkstätte für das von den deutschen Faschisten
vernichtete Dorf Dremljewo mit seinen 196 Einwohnern. Wir haben
uns von Historikern und anderen, die die Erinnerung wachhalten,
erklären lassen, was jeweils genau geschah, und sind betroffen
und auch beschämt. Nicht nur wegen den unglaublichen und
unfassbaren Verbrechen, die Deutsche, ob in der Wehrmachts- oder
SS-Uniform, als Polizisten oder Verwalter hier begingen, oftmals
mit Helfern vor allem aus der Ukraine.
...https://apolut.net/besuch-in-einem-unbekannten-land-mitten-in-europa-von-tilo-graser/
Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Weitere Episoden
17 Minuten
vor 1 Woche
14 Minuten
vor 1 Woche
18 Minuten
vor 1 Woche
12 Minuten
vor 1 Woche
7 Minuten
vor 2 Wochen
Abonnenten
göhrde
Göppingen
Würzburg
Rostock
Vlotho
Buxtehude
Wehr
München
R_M: Bisch
Kommentare (0)
Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.