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Beschreibung
vor 1 Woche
Viele kennen ihn als „Bauern-Bruegel“. Dabei gibt es nur wenige
Bilder von ihm, die ausschließlich Bauern zeigen. Pieter Bruegel
der Ältere war wohl der bedeutendste Maler der Niederländischen
Renaissance. Vor rund 500 Jahren ist er geboren.
Über sein Leben ist wenig bekannt. Zwischen 1525 und 1530 kam er
in Flandern zur Welt. 1551 trat er der Antwerpener Malergilde
bei, reiste 1552 nach Italien. Nach seiner Heirat 1563 zog er von
Antwerpen nach Brüssel um, wo er am 9. September 1569 starb.
Nur 20 Jahre währte die Zeit seines Schaffens. Etwa 40 Gemälde
sind erhalten, dazu Zeichnungen und Stiche. Das kleine Œvre ist
von großer Vielfalt und gibt mancherlei Rätsel auf, es „stellt
einen praktisch jedes dieser Werke vor komplett neue
Forschungsfragen“, so die Kunsthistorikerin Daniela
Hammer-Tugendhat.
Immerhin ist die lange Tradition endgültig passé, Pieter Bruegel
als „dumpfen Bauern“ zu sehen, der nur Bauern malt. Zu seiner
Zeit galt die Landbevölkerung aus Sicht der Städter als primitiv,
triebhaft und roh. Der Städter Bruegel hat sie mit genauem Blick
dargestellt. Tanzende Bauern bei einer Kirmes oder bei einer
Hochzeit bewegen sich anmutig. Oder der Hochzeitsschmaus: Hier
klingt die Ikonografie einer oft dargestellten Szene aus der
Bibel an, der Hochzeit zu Kana (Johannesevangelium, 2. Kapitel).
Es ist eine monumentale Komposition, mit der Bruegel seinem Thema
die Würde einer biblischen Geschichte verleiht.
Und fast immer gibt es eine Fülle von Details zu entdecken. Das
gilt besonders für Wimmelbilder wie die „Kinderspiele“. Hier
sieht der staunende Betrachter über 200 Kinder oder Jugendliche,
die das Bild bevölkern und insgesamt 90 verschiedene Spiele
zeigen. Es ist ein enzyklopädischer Blick auf die Welt, der
solche Vielfalt erfasst. Und erstmals auch ein neuer Blick auf
Kinder, auf die Kindheit und die Bedeutung des Spiels.
Bruegel führt die Welt vor Augen, wie sie ist: seltsam, absurd,
grausam und zugleich komisch. Aber auch von überwältigender
Schönheit: Seine Landschaften, die Natur in den verschiedenen
Jahreszeiten – das ist grandios und stimmungsvoll gemalt. Im
Sommer spürt man die Hitze, im Winter die Kälte.
Einige biblische Szenen hat Pieter Bruegel aufgegriffen, doch sie
sind ganz anders als bis dahin üblich. Um die Könige zu
entdecken, die das neugeborene Jesuskind anbeten, muss der
Betrachter lange suchen. Ebenso Maria und Josef, undeutlich und
ganz links, schon fast außerhalb des Bildes. Es ist ein
flämisches Dorf bei Schneetreiben, in dem kaum jemand Notiz nimmt
von der Geburt des Heilands.
„Sie sind blinde Blindenführer. Wenn aber ein Blinder den anderen
führt, so fallen sie beide in die Grube“, sagt Jesus über die
religiösen Autoritäten seiner Zeit. Bruegel malte sechs blinde
Bettler, die sich aneinander festhalten und vom Weg abkommen. Der
Erste ist schon in den Graben gefallen, der Zweite wird ihm
gleich folgen, die anderen bewegen sind unaufhaltsam ebenfalls
auf den Sturz zu. Die abschüssige Bewegung der Gruppe gibt dem
Bild eine unerbittliche Dynamik.
Bruegel lebte in der Reformationszeit. Damals warfen sich
Katholiken und Protestanten das Gleichnis gegenseitig an den
Kopf. Luther nannte den Papst einen blinden Führer, von
katholischer Seite kam der Vorwurf umgekehrt. Bruegel überlässt
dem Betrachter das Urteil, wer der blinde Verführer ist.
Die festgefügte mittelalterliche Welt mit ihrer Stände- und
Zunftordnung brach auseinander. In der Handelsstadt Antwerpen,
die einen kometenhaften Aufstieg zum Finanzzentrum Europas
erfuhr, erlebte der Maler den Beginn des Handelskapitalismus. Er
stellte den „Kampf der Geldkisten und Sparbüchsen“ dar, die
totale gegenseitige Vernichtung, den Kampf aller gegen alle aus
Geldgier. Diese Gier ist nicht individuell, sondern strukturell:
Menschen mutieren zum Objekt ihrer eigenen Selbstsucht.
Obwohl diese Menschen zu großartigen Leistungen fähig sind,
folgen sie unsinnigen Zielen. Wie kein anderes Werk zeigt das der
„Turmbau zu Babel“. Nach der Bibel wollten die Menschen aus
Hochmut einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reicht.
Das verhindert Gott, indem er ihre Sprache verwirrt, also keiner
mehr den andern versteht. Bruegels Turm ist eine aberwitzige
Konstruktion mit unzähligen Details. Wer das Bild betrachtet und
sich auf ein Detail fixiert, verliert alle anderen aus dem Blick,
verliert das Ganze.
Daniela Hammer-Tugendhat sprach von einer beobachtenden Haltung
Bruegels, die die Welt in ihrer Komplexität, Diversität,
Ambivalenz und Widersprüchlichkeit ernst nimmt. Die Forschung
habe immer versucht, des Künstlers Weltsicht „hopp oder top“,
positiv oder negativ zu sehen. Die Kunsthistorikerin glaubte,
„dass das kein sinnvoller Zugang zu Bruegel ist, weil er zeigt,
wie das Leben ist, wie er die Welt sieht: Sie ist
widersprüchlich. Und diese Ambivalenz muss man aushalten.“
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