Familie Schuh: Früher hat er alles für uns gemacht

Familie Schuh: Früher hat er alles für uns gemacht

vor 2 Wochen
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Beschreibung

vor 2 Wochen

Das Interview wurde erstmalig am 17. 09. 2025 veröffentlicht.


Am Esstisch der Familie Schuh sitzen drei Generationen: Marianne,
75 Jahre alt, ihre Schwiegertochter Tanja, 50, und Selina, die
mittlere von drei Töchtern, 27 Jahre jung. Gemeinsam erzählen sie
von Daniel – ihrem Sohn, Ehemann und Vater. Sie erzählen von
einem Mann, der einst die Stütze der Familie war, und heute
schwerstgeschädigt ist, unfähig, auch nur die einfachsten Dinge
alleine zu bewältigen.


Der Kontakt zu Familie Schuh kam über deren Schadensmeldung auf
unserer Webseite zustande.
Der Bruch im Leben

Daniel Schuh, heute 49 Jahre alt, erlitt nach seiner zweiten
Corona-Impfung am 7. Mai 21 zwei schwere Schlaganfälle. Schon
vorher war er gesundheitlich deutlich vorbelastet. Doch trotz
schwerer Vorerkrankungen hatte er sich stets zurück ins Leben
gekämpft, war arbeitsfähig, aktiv, für seine Familie und Freunde
da. Doch nach dem 28. Mai 2021, dem Tag des 2. Schlaganfalls, war
nichts mehr, wie es einmal war.


„Dann ging die Reise rückwärts“, erinnert sich Ehefrau
Tanja. „Massives Fieber im Krankenhaus, die wussten gar
nicht mehr, wie sie das Fieber runterbekommen
sollten.“ Zudem litt er an Nierenversagen, Rhabdomyolyse
(Zerfall von Muskelzellen) und dem sogenannten
Zytokinfreisetzungssyndrom, einer systemischen
Entzündungsreaktion, die durch die Aktivierung von Immunzellen
ausgelöst wird. „Der ganze Körper hat irgendwie rebelliert.“


Selina beschreibt den Moment, als ihr Vater nach dem zweiten
Schlaganfall plötzlich nicht mehr ansprechbar war, so: „Nach
dem Schlaganfall nach der zweiten Impfung war er wie eine
lebendige Leiche, der war komplett weiß, der war komplett neben
sich, mit dem konnte man nicht mehr reden. … Der hat hier
gesessen und der war gefühlt nicht mehr da.“
Ein Mann, der nichts mehr allein kann

Nach 14 Wochen im Krankenhaus kam Daniel als Schwerstpflegefall
mit Pflegegrad 5 nach Hause zurück. Er kann bis heute weder
laufen noch stehen, nicht allein essen, nicht einmal nachts
selbstständig eine neue Lage im Bett finden oder um Hilfe rufen.
„Er kann wirklich nichts, er kann gar nichts,“ so Tanja. Im
Gegenteil: Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich zusehends.
Ein Lifter ist nötig, um ihn aus dem Bett zu heben. Ein Babyphon
gibt nachts Sicherheit. Um die Pflege bewerkstelligen zu können,
war eine räumliche Veränderung des Hauses notwendig. Das Leben
der Schuhs musste von Grund auf neu organisiert werden.


„Früher hat er alles für uns gemacht, oder für die Kinder, und
jetzt müssen alle Arbeiten für ihn erledigt werden“, sagt Tanja.
Auch die intimsten Handgriffe wie Wickeln und Füttern übernehmen
Ehefrau und Töchter – ohne Zögern. Marianne lobt ihre Familie
voller Stolz: „Das muss man den drei Mädchen und auch meiner
Schwiegertochter hoch anrechnen, dass sie meinen Sohn so gut
versorgen. Hut ab. … Das sagt jeder hier im Ort, Hut ab vor den
drei Töchtern, was die an ihrem Vater gut machen.“
Wenn Kinder sich um ihre Eltern kümmern müssen

Für Selina und ihre Schwestern ist das Leben seitdem ein anderes
als das ihrer Altersgenossen. Während andere junge Erwachsene
ihre Freizeit genießen, übernehmen sie zu Hause den
„Papa-Dienst“. „Das Wochenende ist für uns kein Wochenende in dem
Sinne, wie es jemand anderes hat, wir haben am Wochenende immer,
ich nenn es Papa-Dienst, weil wir teilen uns das dann auf. … Wir
sind dann wirklich von morgens bis abends mit Papa zusammen,
müssen uns komplett um Papa kümmern, wir müssen Mama entlasten,
das ist ja ganz klar.“


Und als Daniel selbst einmal in einem „klaren Moment“ beklagte,
dass er nun pflegebedürftig im Rollstuhl sitzen müsse, fanden
seine Kinder liebevolle Worte: „Papa, es ist doch ganz klar.
Als wir klein waren, warst du für uns da und jetzt sind wir für
dich da. Das ist doch ganz normal. Wir würden den Papa und die
Mama niemals hängen lassen, egal wie schwer die Zeit ist.“
Die hochtoxische Charge – und ein doppeltes Familien-Drama

Besonders dramatisch ist ein Detail, das die Familie zutiefst
erschüttert hat: Daniel erhielt bei seiner zweiten Impfung die
Charge EX 8679 – laut Rechtsanwalt Ulbrich eine der toxischsten
Chargen überhaupt. Doch nicht nur Daniel bekam diese Charge. Auch
Tanjas Vater erhielt am 1. Mai 2021 EX 8679. Er erlitt kurz
darauf einen Schlaganfall, entwickelte hohes Fieber, massive
Entzündungswerte – die gleichen Symptome, die auch Daniel nach
seiner zweiten Impfung zeigte. Am 25. Mai verstarb er.


Nur drei Tage später, am 28. Mai, erlitt Daniel seinen zweiten
schweren Schlaganfall. Tanja erinnert sich: „Für mich ist
das abgelaufen wie im Film. Mein Vater ist am 25. Mai verstorben,
mein Mann hatte am 28. Mai den zweiten schweren Schlaganfall. Ich
wusste damals nicht, wo die Reise hingeht. Ich hab die Parallelen
der Symptome zu meinem Vater gesehen. Mir ist schlagartig klar
geworden, dass das im Prinzip dasselbe war, wie bei meinem
Vater.“


Selina ergänzt: „Es war gar keine Zeit zum Trauern gewesen
in der kurzen Zeit.“ Der Tod des Großvaters, dann der
Schlaganfall des Vaters. „Das war alles so gleich und
gleichzeitig. Das war wirklich schlimm.“ Gott sei Dank habe
die ganze Familie sich gegenseitig geholfen und
unterstützt, „aber Zeit zum Trauern war definitiv nicht.“
Kampf um Anerkennung – und das Schweigen der Verantwortlichen

Neben der körperlichen und psychischen Belastung kommt noch eine
weitere, kaum auszuhaltende Bürde hinzu: Daniel und seine Familie
haben keine Anerkennung für das erlittene Leid erhalten. Vor
Gericht scheiterten sie. „Der erste Satz der Richterin war, dass
sie gewillt ist, dem Oberlandesgericht von Koblenz zu folgen“,
erzählt Tanja. Diesem Urteil nach überwiegt der Nutzen der
Impfung die Risiken bei Weitem. „Vor uns waren sieben andere
Verhandlungen, alle zum gleichen Thema. … Keine Chance, wir sind
nicht zu Wort gekommen. … Der letzte Satz von den Rechtsanwälten
von BioNtech war: Es tut uns leid, dass es Ihren Mann so
getroffen hat. Und dann war die Verhandlung vorbei.“


Doch damit nicht genug. Immer wieder hat die Familie versucht,
Antworten zu bekommen – von Ärzten, vom PEI,
von „Leuten, die auf höheren Stellen sitzen.“ Warum hat
sich Daniels Körper so verheerend verändert? Warum hat niemand
gewarnt? Warum musste es so weit kommen? Doch auf ihre Fragen
bekamen sie keine Antwort – im Gegenteil. „Am schlimmsten
ist es, wenn man die Leute anspricht oder nachfragt“, sagt Selina
unter Tränen. „Da bekommt man nur gesagt: Sie sollten besser
nicht mehr nachfragen, sonst hat das ganz andere Konsequenzen. …
Wir sollten am besten aufhören, Fragen zu stellen. … Ich mein das
ist ja klar, die haben alle mehr Geld und bessere Anwälte, die
können sich das erlauben, aber uns glaubt halt keiner, das ist
traurig, dass man nicht mal eine Antwort bekommt“, klagt sie
weinend. Nur die Sanitäter aus dem Krankenwagen, denen ähnliche
Schicksale bekannt seien, hätten ihnen ein Feedback gegeben und
ihnen geglaubt. Auch der Hausarzt habe die Familie ernst genommen
und das auch in einem Attest niedergeschrieben. Leider bislang
ohne spürbare Konsequenzen.
Finanzielle Not

Die Rund-um-die-Uhr-Pflege hat die Familie auch in finanzielle
Not gestürzt. Tanja kann nicht mehr arbeiten, weil Daniel nie
allein gelassen werden darf. Die Töchter sind berufstätig, doch
die Pflege fordert zusätzliche Kräfte, Zeit und Geld. Vieles, was
dringend nötig wäre – bessere Hilfsmittel, spezielle Windeln,
hochwertigere Pflegeprodukte – wird von der Krankenkasse nicht
übernommen.


Selina schildert: „Wir bekommen nur eine Sorte Windeln
bezahlt von der Krankenkasse, davon wird Papa wund und bekommt
Ausschlag. Wir brauchen daher spezielle Windeln, die extrem teuer
sind, die werden von der Krankenkasse nicht bezahlt, da bleiben
wir auf den Kosten sitzen.“ Die Familie ist auf das Pflegegeld
angewiesen, um die laufenden Kosten tragen zu können. Ein
Pflegedienst ist daher unbezahlbar. Die Last liegt allein auf den
Schultern der Ehefrau, der drei Töchter und deren Großmutter.
Bewundernswerter familiärer Zusammenhalt – und ein Appell

Trotz aller Lasten – der körperlichen, der seelischen, der
finanziellen – hält die Familie unerschütterlich zusammen. Drei
Generationen, die gemeinsam kämpfen – gegen eine Krankheit, gegen
das Vergessenwerden, gegen die Ungerechtigkeit, gegen das
finanzielle Loch, in das sie gefallen sind.


„Ein kleiner Piks mit verheerenden Folgen“, sagt Tanja leise,
während ihr Mann im Nebenzimmer hustet. Selina fasst die Hoffnung
der Familie in Worte: Da es nicht mehr zu ändern sei, wünsche sie
sich, „dass man Hilfe bekommt, dass man das anerkannt
bekommt, was passiert ist.“ Denn: „Die Hoffnung stirbt
zuletzt, egal wie unfair das Leben ist.“
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